Geflügelpest überschattet erneut die Ausstellung des Kleintierzuchtvereins Nittenau

Kein lautes Krähen und Gegacker der farbenfrohen Hühner, sondern nur leises Gurren der Tauben war bei der 56. Regentalschau des Kleintierzuchtvereins Nittenau und Umgebung zu hören. Wie schon in den vergangenen Jahren wurde die Ausstellung erneut von der Geflügelpest überschattet.
Das bedeutet: Kein Geflügel durfte in den sorgfältig vorbereiteten und bereits dekorierten Volieren gezeigt werden – und das bereits zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren. Der Bescheid war knapp eine Woche vor Beginn eingegangen, erklärte Vorsitzender Matthias Fuchs, der sich wie alle Züchter verärgert und enttäuscht zeigte.
Nachvollziehen könnten sie die Entscheidung des Veterinäramts nicht, sagte er, da ein Ausbruch im Landkreis nicht bekannt sei. Die Schau war dennoch ein wichtiger Treffpunkt für Züchter und Tierliebhaber aus der Region.
In Gebieten, in denen Vogelgrippe festgestellt wird, gibt es eine Reihe von Maßnahmen und eine Sperrzone. „Wir stellen im Innenraum aus – wie sollte also eine Infektion durch Wildvögel stattfinden?“, fragte sich Ehrenvorsitzender Karl Wolfgang Brunner. Und: „Hühnerhaltung wird immer beliebter, hier konnten wir viele Züchter gewinnen. Gerne hätten sie ihre Tiere bewerten lassen, doch auch das ist nicht möglich.“
Die Zucht gerät in Gefahr
Trotz der schwierigen Umstände zeigte sich Ferdinand Redel, Landesvorsitzender der Vogelzüchter, beeindruckt von der Regentalschau, äußerte aber ebenfalls Unmut: „Die Sperre wegen der Geflügelpest geht an die Substanz. Sie gefährdet die Geflügelzucht.“
Die Mitglieder des Vereins, der aus etwa 500 Ehrenamtlichen aus vielen umliegenden Orten besteht, präsentieren traditionell teils seltene Kleintierarten, und das Interesse der Bevölkerung war auch dieses Mal groß. Ein Besuch lohnt sich tatsächlich, denn regelmäßig erzielen die Züchter beachtliche Erfolge. Heuer wurden gar einige Ehrenamtliche zum Europameister ernannt, wie Ausstellungsleiter Carl Christian Brunner hervorhob.
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Tauben gelten als weitgehend resistent gegenüber dem Virus. Ihr wunderschönes, oft in vielen Farben schillerndes Gefieder bezauberte die Gäste, aber das viele Zier-, Wasser- und Großgeflügel, die prächtigen Fasane, die verschiedenen Hühnerrassen in allen Größen fehlten doch erheblich.
Familie Hecht zeigte sich gleichwohl „überrascht vom großen Angebot“. Den Kindern Elena, Felix und Lukas hatten es auch die Ziegen angetan, die genüsslich Heu fraßen. „Auf die Hühner hatten wir uns aber besonders gefreut. Elena kann mit ihren 17 Monaten seit kurzem Gockel sagen“, berichtet ihre Mutter Melanie, die selbst seit ihrer Kindheit eine besondere Beziehung zu Tieren hat: Zu Ehren ihres Großvaters, eines leidenschaftlichen Züchters, der heuer starb, hieß die diesjährige Ausstellung Alfred Rothmeier-Gedächtnisschau.
Tatsächlich gab es viel zu bestaunen, wie Grünflügeltauben, Kingtauben, Diamanttäubchen oder Portugiesische Tümmler. Auch Hasen, Kaninchen und Meerschweinchen durften nicht fehlen. Hier wurden interessante Lang- und Kurzhaarrassen gezeigt, wie Teddy-Meerschweinchen, Satin-Kaninchen mit besonders glänzendem Kupferfell, Blaue Wiener, Luxkaninchen oder Deutsche Riesen.

Auch ein Beitrag zur Erziehung
Kinder ab etwa fünf Jahren, so raten die Vereinsvorsitzenden, könnten mithilfe der Eltern bereits ein Tier betreuen. „Meerschweinchen sind besonders geeignet, sie quieken bei Hunger und beißen nicht“, rät Karl-Wolfgang Brunner. „Somit lernen Kinder früh, Verantwortung zu übernehmen.“
Bestandteil war zudem die zweite bundesweite Schau des Sondervereins der Regensburger Tümmler, von denen Mitglieder teils bis aus Norddeutschland angereist waren. Der Regensburger Tümmler gehört zur Gruppe der Tümmlertauben, also Tauben, die ursprünglich wegen ihrer Flugkünste gezüchtet wurden. Auch eine Delegation des Kleintierzuchtvereins aus Prestice war wieder gekommen.

Die Gäste aus der Politik, wie stellvertretender Landrat Richard Tischler (FW) oder Bürgermeister und Schirmherr Benjamin Boml (FW), zeigten bei der Eröffnung Verständnis für die Nöte der Züchter wegen der Vogelgrippe.

Kleintierzucht sei ein altes Kulturgut, betonte die ehemalige Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder. Auch sie zeigte sich nicht einverstanden mit der Sperre und forderte eine „einheitliche Linie“. Denn die Veterinärämter bestimmten eigenständig. In benachbarten Kreisgebieten könne der Fall also ganz anders beurteilt werden.
„Vielleicht finden wir einen Weg, das Geflügel zu zeigen. Man sollte sich zusammensetzen und beraten“, erklärte Tischler. Denn gerade bei der Regentalschau spüre man die Liebe zu den Tieren.