Immer weniger Tierärzte in Schwandorf: Hildegard Diermeier schließt ihre Praxis

Mit der Corona-Pandemie ist die Zahl der Haustiere sprunghaft angestiegen. Die Zahl der Tierärzte ist dagegen eher rückläufig, zumindest fernab der Großstädte. Diese Entwicklung beobachtet auch Dr. Hildegard Diermeier. Die Tierärztin betreibt seit mehr als 30 Jahren eine Praxis im Schwandorfer Stadtteil Fronberg. Ende Februar wird sie hier die letzten Patienten behandeln. Dann geht die 63-Jährige in den verdienten Ruhestand. Der Schritt fällt ihr mit Blick auf die Versorgungssituation nicht leicht.
Die Praxis in Fronberg mit dem tonnenschweren Granit-Elefanten vor der Eingangstür dürfte bei Tierbesitzern weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sein. In die Sprechstunde von Hildegard Diermeier kann jeder kommen – ohne Termin und vorherige Anmeldung. Es geht einfach der Reihe nach. Und so ist jeder Arbeitstag eine Überraschung für die Tiermedizinerin.
Eigentlich wollte die Ärztin ohne großes Aufsehen in den nahenden Ruhestand gehen und die Praxis zum 1. März 2026 schließen. Neben die Eingangstüre hat sie lediglich einen kleinen Aushang geklebt. „Fast 33 Jahre stand die Praxis im Mittelpunkt meines Lebens. Nun ist es an der Zeit, der Familie Priorität einzuräumen“, steht darauf.
Hildegard Diermeier wünscht sich junge Tierärzte für Schwandorf
Und doch ist es Hildegard Diermeier ein Anliegen, auf die immer schlechter werdende medizinische Versorgungssituation für Tiere im Bereich der Großen Kreisstadt aufmerksam zu machen. „Es gibt schon jetzt zu wenig Tierärzte in Schwandorf“, bilanziert die 63-Jährige. Es fehle an Nachwuchs. Ihr großer Wunsch wäre es, dass sich junge Tierärzte in der Stadt niederlassen. Mit Blick auf diese Situation falle es ihr sehr schwer, ihre Praxis zu schließen. Doch weil kein Nachfolger in Sicht ist und sich Tochter Franziska, ebenfalls Tierärztin, eher der Chirurgie verschrieben hat, steht Diermeiers Entscheidung. Ende Februar ist Schluss.

Damit endet in Schwandorf schon bald eine Tiermedizinkarriere, die immer mehr zur Seltenheit wird. Kleine Praxen, in denen nur der Tierarzt ohne Personal praktiziert, verschwinden immer mehr von der Bildfläche. Auch das bedauert Hildegard Diermeier. Wenn sie die Zeit zurückdrehen könnte, würde sie schließlich wieder alles genauso machen.
Und der Weg der gebürtigen Nabburgerin war dieser: Nach dem Abitur beginnt sie 1981 ein Tiermedizinstudium an der LMU in München. 1989 promoviert sie, hospitiert und arbeitet bei Tierärzten in Zwiesel und Würzburg. 1993 eröffnet sie ihre eigene Praxis in der Fronberger Straße 34. Das ist mehr als 30 Jahre her.
Tausende Hunde und Katzen in Fronberg behandelt
Hildegard Diermeier hat in dieser Zeit viele Tiere kommen und gehen sehen. Tausende Hunde und Katzen – manche von ihnen bis zu 23 Jahre alt – dürften es in all den Jahren gewesen sein. Auch Meerschweinchen, Kaninchen, Frettchen und Wellensittiche wurden in Fronberg behandelt. Und sogar an eine Würgeschlange und einen „ganz hübschen“ Frosch kann sich die 63-Jährige erinnern. Letzterer kam mit einem geschwollenen Auge in ihre Praxis. Diermeier konnte mit den richtigen Augentropfen die Entzündung vergessen machen.
Nicht der Arzt heilt, sondern der Körper.Hildegard Diermeier, Tierärztin
Die meisten ihrer Patienten hatten Beschwerden wie Durchfall, verletzte Pfoten, Ohren- oder Blasenentzündungen und Husten. Auch schwere Erkrankungen wie Krebs musste Diermeier immer wieder diagnostizieren. „Nicht der Arzt heilt, sondern der Körper“, war schon immer die Devise der Tiermedizinerin. Bei ihrem Anliegen, den Körper bei der Heilung zu unterstützen, griff sie auch immer wieder auf die Homöopathie zurück. „Es ist erstaunlich, was sich da manchmal tut“, sagt Diermeier.
Neben der Schulmedizin und der Homöopathie setzt sie auch auf altbewährte Hausmittel. Bei Durchfall empfiehlt sie beispielsweise Karottensuppe, Reis oder Hüttenkäse. Und ein Pfotenbad mit Kamillentee kann bei kleineren Entzündungen helfen.
Jedes Tier reagiert beim Tierarzt anders
Zu vielen ihrer Patienten hatte die Fronbergerin von Anfang an einen guten Draht, andere werden wohl nie ihre Freunde werden und sich freuen, dass sie nun endlich in Ruhestand geht. „Jedes Tier reagiert beim Tierarzt anders“, weiß die Medizinerin. Die Tiere und deren Halter werden Diermeier sehr fehlen.
Die 63-Jährige blickt gespannt auf die Zeit, die mit dem Ruhestand auf sie zukommt. Die Praxisräume will sie in eine altersgerechte Wohnung umbauen, und im Haus soll ein Großputz durchgeführt werden. Vielleicht lernt sie auch wieder Französisch, sagt Diermeier. Denn ihr Vokubalar sei doch arg eingestaubt. Wenn dann noch Zeit ist, will sie wieder mehr malen und zeichnen. Und vielleicht wird sie auch noch zur Hundehalterin. Denn bis auf ein paar Kaninchen lebten bei Hildegard Diermeier noch keine Haustiere.