Regensburger OB-Kandidat „Eigentlich wollte ich Fußballprofi werden“

Von Marion Koller · 25. Januar 2026 um 19:00

Heute strebt Michael Schien von den Freien Wählern das höchste Regensburger Amt an – Den Umgangston in der Kommunalpolitik möchte er ändern

Michael Schien hat von einer Karriere als Fußballprofi geträumt. Er kickte im Jugendkader von 1860 München. Die Löwen waren damals in der 1. Bundesliga. Er wollte so gut spielen wie sein Vorbild Lothar Matthäus. „Das war ein hohes Pokern. Mit 18 hat es dann nicht gereicht für die Profiliga“, sagt Schien. Sein Körper hat die Strapazen nicht mitgemacht. Spiele und fünf Trainings pro Woche wurden dem Gymnasiasten zu viel. „Aber ich bin gar nicht traurig“, sagt er rückblickend. Das Lehramtsstudium sei die nachhaltigere Alternative gewesen. Neben Englisch unterrichtet er Sport, lebt also seine Leidenschaft auch im Berufsalltag.

Man kann sich den 44-Jährigen gut vor einer Klasse vorstellen. Er strahlt Optimismus aus, wirkt beherzt und taucht tief in viele unterschiedliche Themenbereiche ein. „Es ist eine große Freude, junge Menschen auf ihrem Weg hin zu selbstbewussten Persönlichkeiten mit Herz, Verstand und Haltung zu begleiten“, sagt Schien. Die Lebenswelt Jugendlicher kennt der Freie Wähler nicht nur aus der Schule, sondern auch von seinem 15-jährigen Sohn.

Bisher nicht im Regensburger Stadtrat vertreten

Für das Interview nimmt sich der gebürtige Regensburger am Nachmittag Zeit, gleich nach dem Unterricht an der Realschule in Moosburg an der Isar. Schien pendelt mit dem Zug. Für das Gespräch im Café Weichmanns hat er sich vorbereitet, muss nie lange überlegen und bleibt keine Antwort schuldig. Erst einmal bestellt der Lehrer ein Wasser.

Michael Schien hat keinen Sitz im Stadtrat, ist jedoch 1. stellvertretender Vorsitzender der Freien Wähler (FW) Regensburg. Im Stadtrat reden Bürgermeister Ludwig Artinger, Kerstin Radler und Dr. Christoph Schießl mit, alle aus einer Familie. Schien war FW-Direktkandidat bei der Landtagswahl 2023, es reichte aber mit 11,6 Prozent der Erststimmen nicht für den Einzug ins Maximilianeum. Bei der OB-Wahl rechnet er sich Chancen aus. „Sonst würde ich es nicht machen.“ Die Bürger sollten die Wahl haben. Schien, der in Königswiesen Süd aufgewachsen ist, hat es nach dem Studium und einigen Arbeitsjahren in München wieder in die Heimat gezogen. Er fühlt sich wohl in Regensburg und ist in Vereinen verwurzelt, etwa als Vorsitzender des TC Rot-Blau. „Die Stadt ist klasse – mit vielleicht der einen oder anderen Verbesserung.“

Michael Schien möchte gestalten und Zuversicht vermitteln. Er sei bereit, zuzuhören. „Aber Politik muss Visionen entwickeln und bereit sein, sich in den Wind zu stellen und die eigenen Argumente zu verteidigen.“ Den Umgangston in der Stadtpolitik „in dieser Schärfe“ möchte er verbessern.

Gattin Claudia ist nicht aus allen Wolken gefallen, als sie von der Kandidatur erfuhr. „Sie hat geahnt, was sich da anbahnt, weil sie mich natürlich gut kennt.“

„Das war ein hohes Pokern. Mit 18 hat es dann nicht gereicht für die Profi-Liga“Michael Schien, OB-Kandidat der Freien Wähler

Seine Schüler von der Moosburger Realschule gehen humorvoll mit der Kandidatur um. Sie haben Schien schon mit „Guten Morgen, Herr Oberbürgermeister“ begrüßt. Andere fragten ihn, wie lange er nach einem Wahlsieg im März noch da sein werde.

Wichtigstes Thema für Schien als OB wäre die Wirtschaft. Die Verkehrsinfrastruktur müsse ausgebaut werden. Er plädiert für den Bau der Sallerner Regenbrücke, damit es während der Sanierung der Pfaffensteiner Brücke und der Tunnelerweiterung nicht zum Verkehrsinfarkt komme. Sanierung der Frankenbrücke und Bau des Holzgartenstegs für die Radfahrer stehen ebenfalls auf seiner Agenda. Einen neuerlichen Vorstoß für eine Tram würde es aus Kostengründen unter einem FW-Oberbürgermeister nicht geben.

In Regensburg steigt die Arbeitslosenquote. Die Industrie baut Jobs ab. Dazu sagt der Freie Wähler: „Man muss Neuansiedlungen anstreben und und versuchen, jetzige Arbeitsplätze zu halten.“

400 Stellen bei der Stadtverwaltung einsparen?

Der Wohnungsengpass beschäftigt ihn. „Wohin soll der Mietpreis noch steigen?“ Eine Flexibilisierung des Baulandmodells, das 40 Prozent Sozialwohnungen in großen Baugebieten verlangt, sei nötig, solange keine Fördergelder mehr fließen. Schien schlägt vor, Personalkosten in der Stadtverwaltung einzusparen und die Summe in den sozialen Wohnungsbau zu investieren. „Vielleicht würden 4000 statt 4400 Stellen ausreichen.“

Der Freie Wähler erwartet einen spannenden Wahlabend – und pokert als Kandidat wieder hoch. Das erwartet er auch vom SSV Jahn. „Regensburg hat auf jeden Fall Zweitliga-Fußball verdient.“

Zur Person

Wer? Michael Schien (44)

Was? OB-Kandidat der Freien Wähler und Realschullehrer

Wichtigstes Ziel nach der Wahl? Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.

Warum sollen wir Sie wählen? Weil ich genügend Berufs- und Lebenserfahrung besitze und durchsetzungsstark bin.

Das Foto: Entstand in der Gesandtenstraße, die das Weltkulturerbe prägt.