Umstrittene Nordspange in Regensburg: Die ersten Vorarbeiten starten

Bohrungen an der Nordgaustraße dauern bis März – Zugleich wächst der Widerstand gegen Erweiterung der Straße und Bau der Sallerner Regenbrücke im Regensburger Stadtnorden: Gegner sammeln 4600 Unterschriften.
Die Voruntersuchungen für die umstrittene Nordspange haben am Montag begonnen. Bis Anfang März finden an der Nordgaustraße Bohrungen zur Untersuchung des Erdreichs statt. Anwohner müssen mit Lärm rechnen, Autofahrer mit Beeinträchtigungen. Die Bauherren brauchen die geologischen Resultate, um den vierspurigen Ausbau detailliert planen zu können.
Zugleich wächst der Widerstand. Die Gegner vom Bündnis „Mobilität neu denken“ haben bereits mehr als 4600 Unterschriften für das Bürgerbegehren gesammelt. Insgesamt rund 6000 sind nötig. Wolfgang Bogie vom Bündnis, dem 23 Organisationen angehören, ist zufrieden. „Bis spätestens Ende Juni wollen wir fertig gesammelt haben.“ Er geht davon aus, dass es zum Bürgerentscheid kommt.
Bis zu 20 Meter tief gebohrt wird an 27 Stellen entlang der Nordgaustraße zwischen der Kreuzung Brennes-/Isarstraße und der Amberger Straße. Fachleute führen Messungen in den Bohrlöchern durch. Bodeneigenschaften werden ermittelt. Zur weiteren Analyse entnehmen die Bauarbeiter Bodenproben. Auch Rammsondierungen sind geplant, bei denen Messstäbe in das Erdreich eingebracht werden. „Diese Arbeiten sind im Umfeld der Nordgaustraße zu hören“, kündigt Johannes Maidorn von der Projektkommunikation Nordspange im Auftrag der Stadt und des Staatlichen Bauamts an.
104 Millionen für die Zufahrt
Die Baugrund-Untersuchung liefert Informationen über dessen Tragfähigkeit. Dies sei unverzichtbar für die Errichtung des Lärmschutzes: Wände sowie eine 399 Meter lange Einhausung auf Höhe der Straße Im Gschwander. Der begrünte Deckel soll laut Maidorn, mit Geh- und Radwegen ausgestattet, die Stadtteile Reinhausen sowie Sallern-Gallingkofen und Konradsiedlung-Wutzlhofen barrierefrei verbinden.
Die Gesamtkosten der Nordspange belaufen sich laut der Kostenfortschreibung (2024) auf rund 175 Millionen Euro. Die Finanzierung übernehmen Bund, Freistaat, Stadt und Landkreis. Der Ausbau der Nordgaustraße auf 1,1 Kilometern kommt laut Maidorn mit insgesamt etwa 104 Millionen Euro teurer als der Bau der Sallerner Regenbrücke mit Umbau des Lappersdorfer Kreisels (71 Millionen Euro). „Das hat viel mit der Einhausung zu tun“, erklärt der Sprecher. „Die ist vergleichbar mit einem Tunnel.“ Die Kosten werden wegen der steigenden Baupreise sicherlich noch zulegen. „Bei komplexen, langjährigen Infrastrukturprojekten ist es unvermeidbar, dass Kostenschätzungen an aktuelle Entwicklungen angepasst und fortgeschrieben werden müssen“, sagt Johannes Maidorn.
Wir müssen aufpassen, dass wir mit dem Bürgerentscheid nicht in die Sommerferien kommen.Wolfgang Bogie, Bündnis „Mobilität neu denken“
Die Stadt Regensburg wird für den Ausbau der Nordgau-straße und die kommunalen Kostenanteile am Umbau des Lappersdorfer Kreisels eine staatliche Förderung beantragen. Die Stadtverwaltung geht von einer Förderung in Höhe von mindestens 70 bis 75 Prozent der förderfähigen Kosten aus. „Damit würde der weitaus überwiegende Teil der städtischen Investitionen durch den Freistaat Bayern getragen“, sagt der Projektsprecher. Die hohe Förderquote sorge für eine erhebliche Reduzierung der finanziellen Belastung für Regensburg. Einen städtischen Etat für 2026 gibt es wegen Konflikten im Stadtrat noch nicht. Der Entwurf für die Fortschreibung des Investitionsprogramms sieht für 2026 die Sicherstellung der Planungsmittel vor. Auch das Staatliche Bauamt verfügt über die nötigen Gelder für seine Planungen. Der Brückenbau startet nicht vor 2028 und die Nordgaustraße wird nicht vor 2029 erweitert.
Die hohen Kosten haben viel mit der Einhausung zu tun.Projektsprecher Johannes Maidorn
Wolfgang Bogie vom „Bündnis Mobilität neu denken“ ist überzeugt, dass nach der Kommunalwahl vom 8. März viele weitere Unterschriften zusammenkommen werden. Zurzeit drehe sich alles um Politik. Unterschreiben kann man etwa bei Feine Räder, bei Garten Hauner und beim Bund Naturschutz. Helfer klappern die Sammelorte regelmäßig ab und holen die Listen. Für 11. Februar, 19 Uhr, plant das Bündnis eine Informationsveranstaltung im Aurelium. „Wir müssen aufpassen, dass wir mit dem Bürgerentscheid nicht in die Sommerferien kommen“, sagt Bogie. Das Bündnis strebt den Herbst an, weil im Sommer viele Menschen verreisen.
Bündnis für S-Bahn-Verkehr
Ein Bürgerentscheid würde bedeuten, dass die Regensburger über die Zukunft der Teilprojekte entscheiden, die auf Stadtgebiet geplant werden. Das sind der Ausbau der Nordgaustraße und anteilig der Bau der Sallerner Regenbrücke. „Die Nordspange wurde als Gesamtkonzept entwickelt, um eine leistungsfähige Mobilitätsachse für alle Verkehrsarten im Regensburger Norden zu schaffen und die angespannten Verkehrsverhältnisse zu verbessern“, heißt es von den Bauherren. Die Teilprojekte bilden eine funktionale Einheit. Nur durch die Umsetzung aller drei entstehe eine leistungsfähige Trasse, die den Anforderungen moderner Mobilität gerecht werde – für Autos und Lkw ebenso wie für Busse, Radfahrer und Fußgänger. Ein Bürgerentscheid könnte also das Gesamtprojekt stoppen, das sich die Wirtschaft wünscht.
Das Bündnis „Mobilität neu denken“ kritisiert die Kosten und befürchtet mehr Lärm, Feinstaub, Grünverlust und Versiegelung. Das Geld werde gebraucht für S-Bahn-ähnlichen Verkehr im 30-Minuten-Takt im Stadtnorden, Expressbusse im Landkreis und sichere Radwege zwischen Stadt und Land.
Bayerischer Bauminister kommt
Nordspange: Diese umfasst die Erweiterung der Nordgaustraße und den Neubau der Sallerner Regenbrücke. Auch wird der Lappersdorfer Kreisel umgebaut. Bund, Bayern, Stadt und Kreis Regensburg, Lappersdorf und die Autobahn GmbH sind beteiligt. Laut Behörden soll eine leistungsfähige Verkehrsachse im Stadtnorden entstehen. Baurecht besteht seit Ende 2024.
Ministerbesuch: Der bayerische Bauminister Christian Bernreiter informiert am Donnerstag bei einem Besuch in Regensburg über den Planungsstand. Es gehe um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Region, heißt es in der Ankündigung.