Zu wenig Lkw-Fahrer auch in Regensburg: Drohen jetzt leere Regale?

Von Marion Koller · 19. Januar 2026 um 09:00

Der Bundesverband Güterverkehr schlägt Alarm. Auch den Regensburger Speditionen setzt der Fahrermangel schwer zu. Sie sagen, dass Lieferketten gefährdet sind. Das bedrohe die ganze Wirtschaft. Mit Prämien, fairen Arbeitszeiten und flacher Hierarchie wollen sie Neueinsteiger überzeugen.

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Bei der Spedition Scheidacker am Auweg parken die Lastwagen auf einer großen Asphaltfläche, die früher ein Wald war. Am Rand des Betriebsgeländes streckt sich der Heizungsturm der früheren Sauerkrautfabrik Hengstenberg in die Höhe. Die Umzugsfirma hat die Fläche 1986 gekauft. Geschäftsführer Andreas Scheidacker empfängt im Büro. „Heute ist das Personal besonders knapp“, sagt der 41-Jährige.

Speditionen stehen stark unter Druck, vor allem fehlen zunehmend die Berufskraftfahrer. „Das spüren wir“, sagt Scheidacker. Die geburtenstarken Jahrgänge wechseln in den Ruhestand, zugleich suchen zahlreiche Firmen.

Kostspieliger Führerschein

Die Tätigkeit ist anstrengend. Bei Umzugsfirmen sitzen die Fahrer nicht nur am Steuer, sondern verladen auch: Möbel, Computeranlagen, Schaltschränke und Maschinen. Zwei Fahrer würde Scheidacker noch einstellen. Er sucht laufend auf Social Media und über die Zeitung. „Es ist schwierig“, sagt er. Wenn Not am Mann ist, steigt der Geschäftsführer selbst in den Lkw.

Die Branche schlägt Alarm. Bundesweit fehlten etwa 120 000 Lkw-Fahrer, sagt Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Pro Jahr gingen bis zu 35 000 Fahrer in Rente. Dem stünden allenfalls 20 000 Nachfolger gegenüber. Die Lücke vergrößert sich also. „Wir hören von Transportunternehmen, dass sie Fahrzeuge stilllegen und Bestellungen stornieren, weil die Fahrer fehlen.“

Patrick Piwinski, Leiter der Spedition Streit und Co., würde gerne fünf weitere Fahrer anheuern – unmöglich. Derzeit sind 60 für die Firma auf Achse. „Durch den Fahrermangel sind die Lieferketten gefährdet. Das bedroht die gesamte Wirtschaft“, betont er. Die Unternehmen seien angewiesen auf zeitlich genau getaktete Just-in-time und Just-in-sequence-Lieferungen. Bleiben Güter liegen, muss beispielsweise die Industrie auf Teile warten. Streit zahlt den Beschäftigten Prämien, wenn sie neue Fahrer gewinnen und wirbt mit Anzeigen auf Social Media.

Vielleicht ist mal das Regal im Supermarkt oder in der Tankstelle leer.Ludwig Almer, Spediteur

Beim MZ-Anruf trennt Ludwig Almer gerade mit dem Bagger den Sperrmüll. „Es fehlt alles“, sagt er. „Lkw-Fahrer, Mechaniker, Lackierer. Dann bleibt es halt stehen, dann fahren wir eben nicht so viel.“ 15 Fahrer beschäftigt die Spedition, die sich auf Entsorgung spezialisiert hat, aber auch Kies oder Baumaschinen transportiert. „20 könnte ich locker brauchen“, sagt der 56-Jährige. Almer schimpft zwar über seine Arbeitszeiten – am Heiligen Abend hat er den Müll der Donau-Arena weggefahren. Trotzdem liebt er den Beruf. Er sagt: „Die Fahrer jammern über den Verdienst.“ Aber 2600 bis 3200 Euro netto seien eigentlich gutes Geld. „Die wollen alle an die 4000 ran.“ Doch die Konkurrenz ist groß. „Rumänen und Bulgaren fahren billiger.“ Der Engpass hat auch mit dem teuren Führerschein zu tun. Scheidacker spricht von rund 15 000 Euro und einer aufwendigen Ausbildung. „Das schreckt ab.“ Bei der Bundeswehr wird die Ausbildung nicht mehr in der früheren Breite angeboten. Dass die Aussagen des Bundesverbands Güterkraftverkehr zutreffen, bestätigt eine Regensburger Spedition mit mehreren Hundert Lastwagen. Mehr will der Sprecher dazu nicht sagen.

Dirk Engelhardt, Sprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr - Foto: BGL Piotr Banczerowski

Prokurist Holger Schmitt von der EP-Trans Internationale Speditions-GmbH würde gerne bis zu 20 Prozent mehr Fahrer einstellen. Doch der Engpass erschwert das. Das Unternehmen betreibt in der Stadt 40 Lastwagen und in der gesamten Gruppe rund 300. Beschäftigte erhalten Prämien, wenn sie einen neuen Kollegen bringen. EP-Trans setzt auf ein gutes Arbeitsklima, flache Hierarchien und Arbeitszeiten, die nicht ausufern.

Dirk Engelhardt sagt: „Die schon heute zu sehenden Leerstellen in den Regalen rühren nicht nur daher, dass sich eine Supermarktkette mit einem Lebensmittelhersteller über die Preise streitet.“ Was bei Lieferengpässen passiere, habe man in der Corona-Zeit gesehen – „Stichwort Klopapier“.

78 Prozent auf der Straße

Ludwig Almer befürchtet ebenfalls, dass „irgendetwas auf der Strecke bleibt“. „Vielleicht ist mal das Regal im Supermarkt oder in der Tankstelle leer.“ Hier winkt aber Holger Schmitt von EP-Trans ab. Der Fahrermangel beeinträchtige die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. „Aber leere Regale wird es nicht geben.“ Eher steige der Fahrerlohn weiter.

Rund 78 Prozent der Güter werden in Bayern laut dem Münchner Verkehrsministerium auf der Straße transportiert. Eine Entlastung durch autonomes Fahren erwartet der Branchenverband nicht. Fahrer dürften unverzichtbar bleiben, da sie Bewacher der ihnen anvertrauten Güter sind.

Auch Busfahrer sind knapp Das Stadtwerk hat dauerhaften Bedarf. Der öffentliche Dienst bietet Vorteile: Boni, Zuschüsse zur Kinderbetreuung und zu Bustickets. „Außerdem suchen wir nach Quereinsteigern und unterstützen beim Führerschein“, sagt Sprecher Martin Gottschalk.

Der Lohn

Bundesverband: Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr sagt, der Verdienst erreiche bis zu knapp 4000 Euro brutto im Monat. Spesen kämen hinzu. Die Lohnhöhe hängt stark vom Einsatzbereich ab.

Jobbörse Stepstone: Das Portal nennt ein Jahresgehalt von durchschnittlich 35.500 Euro brutto (2025), also knapp 3000 Euro im Monat.