Fliegender Wechsel in Regensburger Gastro: Kult-Asiate zieht in dieses markante Haus

Paukenschlag in der Regensburger Gastro-Welt: Urplötzlich schloss das bekannte asiatische Restaurant Soy in der Drei-Mohren-Straße, Ecke Ludwigstraße zwischen Regensburger Haid- und Arnulfsplatz. Jetzt wurde bekannt, wieso. An seine Stelle tritt ein bei vielen Regensburgern beliebtes, alteingesessenes asiatisches Restaurant. So kam es zu dem fliegenden Wechsel im Herzen der Altstadt.
Video aus dem Jahr 2024
Nach rund 25 Jahren in der Unteren Bachgasse beziehungsweise am Kohlenmarkt wird das Ha Tien seinen Standort verlassen. Das teilten der Geschäftsführer der Brauerei Kuchlbauer, Jakob Horsch, und der Geschäftsführer des alteingesessenen Betriebes Ha Tien in einer Erklärung an die Mittelbayerische mit. Das Ha Tien stehe „vor dem größten Schritt seiner Geschichte“, heißt es in der Erklärung. Und weiter: „Nach außen wirkte dieser Schritt wie ein Standortwechsel. Tatsächlich ging es um die Fortführung des Restaurants selbst.“ Denn das Gebäude Am Kohlenmarkt 1, in dem das Ha Tien seit 25 Jahren geführt wird, wurde verkauft. Für den Betreiber, Ducanh Nguyen Long, stellte sich die Frage, ob er das asiatische Restaurant überhaupt in die Zukunft führen kann.
200 Jahre lang gab es hier Lebensmittel zu kaufen
Schon seit Anfang Januar wundern sich viele Regensburger, wieso das Soy, das das einstige Rive Droite beerbt hatte, geschlossen ist. Die Fenster sind verhangen. Auf einem Zettel am Eingang hieß es lediglich, dass Sanierungsarbeiten durchgeführt werden sollen. Das Soy hatte sich vor allem als Sushi-Restaurant in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht. Jetzt ist klar, was geschehen ist: Der bisherige Betreiber habe das Soy „aus wirtschaftlichen und privaten Gründen nicht weiterführen“ können, heißt es in der Erklärung.
Das Gebäude in der Drei-Mohren-Straße aber ist im Eigentum des Kuchlbauer-Geschäftsführers. Das markante Haus mit dem Fachwerk ist historisch einzigartig: Es gehört laut dem sogenannten „Großen Bauer“, dem Standardwerk für denkmalgeschützte Häuser in Regensburg, „zu den in unserem Raum seltenen Fachwerkbauten“. Und weiter: „Wie dekorative Malerei wirken die dunklen Holzriegel zwischen den hellen Putzflächen.“ Das Fachwerk stamme aus dem 18. Jahrhundert. Doch im heutigen Gasthaus selbst ist im Kern sogar noch romanisches Mauerwerk verbaut. Nur noch ältere Regensburger kennen das Gebäude als Lebensmittelgeschäft Pflaum, das dort über 200 Jahre lang, von 1732 bis 1965, seinen Standort hatte.

Doch zurück zum bisherigen Standort des Ha Tien am Kohlenmarkt, Ecke Untere Bachgasse: Der neue Eigentümer des Gebäudes kündigte eine Kernsanierung an. Der Mietvertrag wurde nicht verlängert. „Damit hatte der Standort, der über Jahrzehnte Arbeitsplatz, Lebensgrundlage und Identifikationspunkt war, ein festes Enddatum.“ Zudem waren die Mietverhältnisse des Ha Tien über Jahre hinweg immer jeweils nur für ein Jahr abgeschlossen. Der Betrieb musste innerhalb von fünf Monaten eine neue Bleibe finden.
Nachdem der bisherige Betreiber des Soy in der Drei-Mohren-Straße das Pachtverhältnis gekündigt hatte, suchte auch Jakob Horsch für die Kuchlbauer-Gastronomie einen neuen Pächter. „Dass das Ha Tien dieses Objekt übernehmen konnte, war kein Zufall“, heißt es in der von Horsch versandten Mitteilung. „Es war das Ergebnis von Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und einer Haltung, die beide Seiten verbindet.“ Nach eigenen Angaben kennen sich Kuchlbauer-Geschäftsführer Horsch und der Ha-Tien-Betreiber Long aus der gemeinsamen Schulzeit, sie legten in Regensburg ihr Abitur ab. „Die persönliche Verbindung war dabei nicht ausschlaggebend, wohl aber das gegenseitige Verständnis für Verantwortung in familiengeführten Unternehmen“, erklärten beide.

85 Sitzplätze innen und 50 Außenplätze
Nun ist die neu übernommene Gaststätte nochmals eine ganz andere Größenordnung als das Ha Tien in der Unteren Bachgasse. Mit 85 Innenplätzen und etwa 50 Außenplätzen ist das bisherige Soy gerade im Sommer ein Anziehungspunkt für viele Regensburger.

Die Küche selbst wird nur behutsam angepasst, um Abläufe zu optimierenAus der Erklärung des Ha-Tien-Betreibers und dem Kuchlbauer-Chef
Der alte Pächter des Ha Tien am Kohlenmarkt wird also nun der neue Pächter im bekannten Gastronomie-Objekt in der Drei-Mohren-Straße. Bis Ende März soll das Ha Tien am bisherigen Standort geöffnet bleiben. Derweil wird das bisherige Soy für den Umzug auf Vordermann gebracht. „Gastraum, Bar und Technik werden umfassend modernisiert“, heißt es in der Mitteilung. „Die Küche selbst wird nur behutsam angepasst, um Abläufe zu optimieren“, heißt es weiter. Denn an der Küche selbst soll sich nicht viel ändern, „die kulinarische Handschrift bleibt erhalten“. Das bestehende Speisenangebot soll demzufolge vollständig bestehenbleiben. Bei der Eröffnung des neuen Ha Tien wird allerdings auch Sushi aufgenommen, das Angebot wird also an das bisher dort vorhandene des Soy angepasst.