Er ist 18 und der einzige Mann in der Kita: Jeden Freitag hat Fritz in Kelheim viele kleine Fans

Von Beate Weigert · 22. Januar 2026 um 05:00

Spielen, Regeln erklären, trösten: Fritz John wird Erzieher. Bei den „Altmühl-Lausern“ in Kelheim bereichert er den Alltag von Kindern und Kolleginnen und erklärt, warum sein Traumberuf viel mehr ist als Basteln und Kaffee trinken.

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Ein junger Mann in der Kita. Das fällt sofort auf. Denn Männer im Kindergarten sind – zumindest im Landkreis Kelheim – immer noch die Ausnahme. „Doch es werden mehr“, sagt Fritz John. Der junge Paintener gehört zum ersten Jahrgang der neuen Fachakademie für Sozialpädagogik in Kelheim.

Immer freitags hat der 18-Jährige aktuell Praktikumstag bei den Altmühl-Lausern in Kelheim. Schnell ist er umringt von den Drei- bis Sechsjährigen, die mit ihm spielen, ihm etwas zeigen oder sagen wollen.

Unter der Woche „fragen die Kinder schon nach Fritz und fiebern dem Freitag entgegen. Sobald er kommt, ist er in Action“, sagt seine „Chefin“, Kita-Leiterin Monika Heckmeier-Walk. Dann werden mit den Mädchen und Buben Höhlen gebaut, Brettspiele gespielt. Aber auch pädagogische Angebote übernimmt Fritz. Den Morgenkreis, zum Beispiel.

Dabei hat Fritz die Kinder in die Gruppenregeln eingeführt und ihnen erklärt, dass sie andere nicht hauen oder an den Haaren ziehen dürfen. Und: Dass sie keine Spielsachen mit nach Hause nehmen dürfen.

Man darf kein Spielzeug mit nach Hause nehmen? Okay!

„Lustig war, dass dann alle etwas aus ihren Taschen gezogen haben“, erinnert sich Heckmeier-Walk und muss lachen. „Daran sieht man: Die Kinder wussten das einfach nicht.“

Nach der Frühstückspause geht es für die Kinder und damit auch für Fritz und die Kolleginnen nach draußen. Die frostigen Temperaturen stören den angehenden Erzieher nicht. „Ich bin gern draußen, mir macht das nichts.“

Fritz, ziehst du mir die Schuhe an? Klar, der Praktikant packt überall mit an. - Foto: Beate Weigert

Zuvor hatte er mit den Kolleginnen alle Kinder reihum dick in Stiefel, Mützen und Jacken gepackt. Dass dabei schon mal lautstark Tränen fließen, bringt den 18-Jährigen nicht aus der Ruhe. Gelassen macht er weiter und spricht mit den Kindern.

Dass er einmal etwas „Soziales“ machen wolle, wusste er schon in der Mittelschule, sagt Fritz John. Zunächst wollte er nach dem Abschluss weiter die Schulbank drücken und in Kelheim den M-Zug absolvieren. In letzter Minute entschied er sich anders und lernte Kinderpfleger an der Berufsfachschule am Beruflichen Schulzentrum.

Das ist zwei Jahre her. Nun gehört er zum ersten Jahrgang an der neuen Fachakademie. Zwei Studienjahre in Vollzeit (unterbrochen durch Praktikumstage) stehen an. Dann schließt sich ein praktisches Anerkennungsjahr an. Gleichzeitig wird Fritz die Fachhochschulreife erwerben, sagt er.

Während er an der Fachakademie bislang der einzige männliche Studierende ist, kommen bei den Kinderpflegern mehr junge Männer nach, sagt Yvonne Ruscheinsky von der Schulleitung. In den beiden zehnten Klassen gibt es aktuell elf männliche Schüler, in den beiden elften zwei. „Mechatroniker oder Heizungsbauer sind bei den Jungs aber noch üblicher.“

„Handwerk, das wäre nichts für mich gewesen“

Fritz John winkt dagegen beim Handwerk ab. „Das wäre überhaupt nichts für mich.“ Er wollte immer schon lieber mit Menschen arbeiten. Mancher glaube, dass Erzieher im Kindergarten „nur rumsitzen und Kaffee trinken“. Dem sei nicht so. Schon als Kinderpfleger lernte er, wie man Kinder fordert und fördert. Wie man ihre Stärken und Schwächen beobachtet und sie zur Entfaltung bringt.

Fritz‘ Freunde oder Bekannte kommentieren seine Berufswahl schon mal mit: „Krass, ich könnte das nicht. Mit Kindern zu arbeiten, das wäre mir viel zu anstrengend.“ Ja, das ist es mitunter auch. Und die Kleinen können echt laut sein, sagt Fritz und grinst. Eben heult ein Junge, weil ein anderes Kind seinen Lieblingslaster durch den Sandkasten schiebt. Wenige Meter weiter hantiert ein Bub unbedarft mit einer Schaufel aus Metall. Fritz erkennt die Gefahr. „Da muss man aufpassen, dass man sich und andere nicht damit verletzt“, erklärt er.

Auch im Garten ist der angehende Erzieher umringt von Mädchen und Buben. Ganz ruhig erklärt der 18-Jährige, dass man mit der Schaufel vorsichtig umgehen muss. - Foto: Beate Weigert

Nicht nur die Kinder finden es gut, dass sie auch von einem jungen Mann betreut werden. „Mehr Männer im pädagogischen Bereich sorgen für Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven“, sagt Monika Heckmeier-Walk. „Sie sind Vorbilder, lösen Rollenbilder auf und bereichern durch andere Herangehensweisen den pädagogischen Alltag.“

Zum Halbjahr wechselt Fritz die Praktikumsstelle. Für ihn geht es dann an eine Grundschule mit Hort. „Wir werden ihn vermissen“, sagt die Kita-Leiterin. Und auch dem 18-Jährigen hat die Zeit bei den Altmühl-Lausern gut gefallen. „Das hier erfüllt mich einfach“, sagt er.

Besondere Momente werden ihm im Kopf bleiben. So wie der, als ein Junge, der zuvor nur Englisch mit ihm gesprochen hatte, eines Tages seine Brotbox öffnete und mit ihm seine ersten Worte auf Deutsch sprach. „Da war ich baff.“

Fritz hat seinen Traumberuf gefunden, sagt er. - Foto: Beate Weigert

Später wolle er vielleicht doch mit Jugendlichen arbeiten, sagt Fritz John. Aber das sei das Tolle am Erzieher-Beruf. „Man kann mit den Null- bis 27-Jährigen arbeiten.“

Infoabende und Tag der offenen Tür

• Fachakademie: Die neue Fachakademie für Sozialpädagogik ist am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum an der Schützenstraße 30 zu finden. Am Donnerstag, 5. Februar, 18 Uhr, gibt es dort eine Infoveranstaltung. Eine Stunde zuvor startet ein Info-Termin an der ebenfalls dort ansässigen Berufsfachschule für Kinderpflege.

• Altmühl-Lauser: Am Freitag, 23. Januar, 15 Uhr, wird Kelheims jüngste „Kita“ in der Alleestraße 27 offiziell eingeweiht. Ab 15.20 Uhr kann man sich in Kindergarten, Kinderkrippe und der benachbarten Großtagespflege umschauen, es gibt Kinderschminken und zwei kreative Tische, an denen gebastelt werden kann. Interessierte haben bis 17 Uhr Gelegenheit, das gesamte Team und den Tagesablauf kennenzulernen, zudem kann man einen Blick in die Räume werfen. Der Elternbeirat organisiert Kaffee und Kuchen.