Kloster Rohr im Landkreis Kelheim arbeitet Missbrauchsfälle an Schülern auf

Von Martin Rutrecht · 21. Januar 2026 um 19:00

Das Benediktiner-Kloster Rohr in Niederbayern (Landkreis Kelheim) will Missbrauchsfälle an Schülern im Johannes-Nepomuk-Gymnasium Rohr und dem Internat aufarbeiten. Um wie viele Fälle es geht, lässt sich aktuell noch nicht sagen.

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„Im Kloster Rohr mit dem Gymnasium und dem Internat erlitten Schüler sexualisierte Gewalt und andere Formen von Missbrauch“, erklärt Abt Markus Eller OSB, Abtpräses der Bayerischen Benediktinerkongregation und zuständiger Administrator für Rohr, in einer Pressemitteilung. „Es gab in den vergangenen Jahren Meldungen“, ergänzt er auf Nachfrage unserer Zeitung. Wie viele wolle er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Die bayerischen Benediktiner haben zum Januar 2026 ein Projekt gestartet, „das diese dunkle Seite der Klostergeschichte umfassend aufarbeiten soll“, sagt Abt Eller OSB. Als unabhängige Forscherin habe die Kongregation die renommierte Historikerin Prof. Dr. Annette Eberle gewonnen. Sie ist Professorin an der Katholischen Stiftungshochschule München. Gerade werde „in der gebotenen Sorgfalt vorbereitet“, wie sich Betroffene und Zeitzeugen in einem geschützten, vertraulichen Rahmen in die Studie einbringen können. Ein öffentlicher Aufruf erfolgt im Lauf des Februars 2026.

Untersuchung bis zurück in die Anfänge der Schule

Die Aufarbeitung in Rohr sei gerade jetzt ein „sehr wichtiger Schritt“, da das Johannes-Nepomuk-Gymnasium in eine staatliche Einrichtung übergehe, so der Abt im Gespräch. Bis zurück in die Besiedlung in Rohr durch die Benediktiner im Jahr 1946 sollen die Erhebungen reichen. Das Internat wurde 2011 geschlossen. „Es wird ein langer, mühsamer Prozess.“ Rohr wird von Eller als Abt-Administrator vom Kloster Scheyern aus geführt.

Begleitet wird das Projekt vom „Ausschuss für unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bereich von Ordensgemeinschaften “. Auch er rückt den Blick von Betroffenen ins Zentrum. „Für viele der Menschen, die in Rohr sexualisierte Gewalt erlitten haben, kommt das Projekt zu spät. Sie mussten oder müssen mit den Folgen ihrer Erfahrungen leben. Jetzt übernimmt die Kongregation Verantwortung und arbeitet die Taten und den Umgang damit umfassend auf.“

Abt Markus Eller OSB, Präses der Bayerischen Benediktinerkongregation und Administrator für das Kloster Rohr, geht von einem längeren Aufarbeitungsprozess aus. - Foto: Limmer

Über Näheres werde die Öffentlichkeit im Februar informiert. Man bitte um Verständnis, „dass wir dem öffentlichen Aufruf an Betroffene und Zeitzeugen nicht im Detail vorgreifen können. Für uns zählt eine sorgfältige Vorbereitung, die der höchst sensiblen Situation gerecht wird.“ Um Entschädigungsleistungen gehe es derzeit nicht, „wir wollen uns einen Überblick verschaffen“.

Aufarbeitung von Missbrauchsfällen gab es in den vergangenen Jahren auch in verschiedenen Bistümern. Die Diözese Regensburg sprach im Herbst 2024 von 610 Opfer sexueller und körperlicher Gewalt, mehr als die Hälfte von ihnen waren Domspatzen. Sogenannte „Anerkennungsleistungen“ an sie wurden bis dahin in Höhe von knapp zwölf Millionen Euro geleistet.