Heimliche Nacktaufnahmen in der Sauna: Neumarkter Anwalt über absurdes Urteil

Von Mittelbayerische Zeitung · 18. Januar 2026 um 11:00

Ein Mann hat zwei Frauen beim Schwitzen in Leipzig gefilmt – und kommt damit ungestraft davon. Jetzt haben die Damen eine Online-Petition ins Leben gerufen, die Frauen beim Saunieren schützen soll. Der Neumarkter Rechtsanwalt Geedo Paprotta schreibt nicht nur über diesen Fall, sondern auch über heimliche Sex-Aufnahmen eines Lehrers.

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Bei unbekannten Nummern gehe ich nie ans Handy, aber vorgestern war ich unkonzentriert. Und wen hab ich dran? Das Sat.1 Frühstücksfernsehen. Die wollten wissen, ob ich mich mit Voyeuren auskenne, die heimlich in der Sauna Frauen filmen? Soll ich stolz darauf sein oder mich dafür schämen? Ich kenne mich tatsächlich damit aus, immerhin arbeite ich seit vielen Jahren als Opferanwalt. Wenn alles klappt, muss ich jedenfalls nächsten Dienstag wahnsinnig früh aufstehen und sitze dann in Berlin im Frühstücksfernsehen.

Die Geschichte dahinter ist übrigens ein echter Skandal: Im Juli 2025 besuchten zwei junge Frauen eine öffentliche Sauna in Leipzig. Und plötzlich bemerkten Rebecca und Anne, dass da ein schwitzender Mann kauerte, der sein Handy auf die beiden richtete und filmte. Sofort holten sie Personal dazu und kurz darauf war die Polizei da und kassierte den Spanner samt seinem Smartphone ein.

Ende gut, alles gut? Man würde erwarten, dass der Mann ein paar Wochen später vor dem Richter steht, oder? Von wegen: Er bekam sein Smartphone zurück, die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein. Hätte nur noch gefehlt, dass die Frauen sich bei ihm entschuldigen müssen!

Was stimmt da nicht mit unserem Strafgesetzbuch? Die Sache ist die: Nach § 201a StGB ist es zwar strafbar, heimliche Nacktaufnahmen von Menschen in geschützten Räumen zu machen. Die Leipziger Staatsanwälte kramten ein uraltes Urteil des OLG Koblenz von 2008 aus der Schublade. Dort steht: Eine öffentliche Sauna sei kein geschützter Raum, weil alles voller Menschen ist. Und wenn es kein geschützter Raum ist, darf man ungestraft Frauen filmen (Az. 1 Ws 535/08).

Online-Petition: „Heimliche Nackt-Aufnahmen strafbar machen“

Unerträglich, oder? Deshalb haben Rebecca und Anne eine Petition ins Leben gerufen, die dazu führen soll, dass sich diese absurde Rechtslage schnell ändert. Ich möchte die Leser dieser Kolumne ermutigen, unter www.innn.it „Heimliche Nackt-Aufnahmen strafbar machen“ diese Petition zu unterstützen!

Bevor Sie den Glauben an unseren Rechtsstaat ganz verlieren: Aus Bayern kommen gute Nachrichten. Da hatte ein Bundeswehrsoldat aus der Oberpfalz heimlich Frauen in der Umkleidekabine im Freibad gefilmt. Das Amtsgericht Weiden verpasste ihm dafür saftigen Strafbefehl wegen verbotener Voyeur-Aufnahmen und die Bundeswehr setzte noch eine Disziplinarmaßnahme oben drauf und erhielt vom Bundesverwaltungsgericht grünes Licht für die Herabsetzung seines Dienstgrades (Az. 2 WD 22.20).

Lehrer filmte Sex mit Mädchen

Auch ein Lehrer aus Bremen wurde vom Bundesgerichtshof nach § 201a StGB zu einem Jahr und sechs Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt, weil er Schülerinnen in seine Wohnung lockte, dort Sex mit ihnen hatte und das ganze heimlich filmte. Die Mädchen waren 15 und 16 Jahre alt. Ein bisschen ratlos lässt einen die milde Strafe schon zurück, wenigstens aber hat man den nicht laufen lassen (Az. 5 StR 198/16).

Joggerin aus Köln stellte Spanner zur Rede

Richtig gemacht hat es Yanni Gentsch aus Köln. Ein Mann schlich ihr beim Joggen hinterher und filmte ihren Po. Obwohl heimliche Aufnahmen vom nackten Gesäß, Brüsten und Genitalbereich oder der Unterwäsche in § 184k StGB mit bis zu zwei Jahren Haft bedroht werden, wundert es einen kaum, dass auch dieser Perverse nicht vor Gericht gestellt wurde. Die Begründung: Die Frau trug Leggings. Trotzdem bekam der Spanner die Höchststrafe – Yanni drehte sich um und konfrontierte ihn. Dann filmte sie ihn dabei, wie er stotternd das Video löschte und stellte es ins Internet. Dort kann man auch seine haarsträubende Rechtfertigung hören: Frauen seien selber schuld, wenn sie so enge Hosen tragen. Für mich sind Rebecca, Anne und Yanni Heldinnen.