Maschine übernimmt das Steuer: Selbstfahrender Bus fährt 2026 in Regensburg

Von Benedikt Baumgartner · 17. Januar 2026 um 05:00

Die Maschine übernimmt das Steuer. 2026 soll ein autonomer Bus in einem Stadtviertel fahren – ganz ohne menschliches Begleitpersonal. Die Vorplanungen zum Projekt sind laut Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk abgeschlossen. Nun werde an der Umsetzung gearbeitet, sodass ein autonomer Bus Ende des Jahres, spätestens Anfang 2027, in Probebetrieb gehen kann.

Video ansehen

Gottschalk setzt bei seiner schriftlichen Antwort auf die MZ-Anfrage das „Probe“ in Klammern, ein Test des reinen Testens willen soll der fahrerlose Bus nicht werden. Ein Mehrwert im Öffentlichen Personennahverkehr soll her – und eines Tages die ÖPNV-Lücke durch das Stadtbahn-Aus schließen?

Das Fahrzeug soll auf dem sogenannten Level vier des autonomen Fahrens operieren. Das heißt, der Bus wird ohne Fahrer, Operator oder ähnliches unterwegs sein.Martin Gottschalk, Stadtwerk-Sprecher

Gottschalk kann nach Abschluss der Vorplanung zwei Entscheidungen und eine verbleibende offene Frage mitteilen. Unterwegs sein wird ein selbstfahrender Midi-Bus für etwa 15 Fahrgäste, in der Größe vergleichbar mit den neu angeschafften Mellor-Bussen oder dem Altstadt-Bus Emil. Außerdem steht laut Gottschalk die Zielsetzung hinsichtlich des Grades an Autonomität fest: „Das Fahrzeug soll auf dem sogenannten Level vier des autonomen Fahrens operieren. Das heißt, der Bus wird ohne Fahrer, Operator oder ähnliches unterwegs sein.“

Suche nach Route läuft

Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatzgebiet. Es sei Stand jetzt abgestimmt, dass das Fahrzeug in einem Stadtteil unterwegs sein und den bestehenden Linienbusverkehr ergänzen wird. Die Fahrpläne von Linienbussen werden nicht beeinträchtigt. Die Entscheidung, um welchen Stadtteil es sich handeln wird, sei noch nicht endgültig getroffen, wird laut Gottschalk aber zeitnah erfolgen.

Bus soll echten Mehrwert schaffen

Ein Kriterium bei der Auswahl sei unter anderem bestehender Bedarf an einem Ergänzungsangebot. „Der Bus soll einen echten Mehrwert schaffen durch die Anbindung zusätzlicher Haltestellen“, kündigt Gottschalk an. Andererseits gehe es darum, dass die Streckenführung gut befahrbar ist. „Besonders enge Straßen mit vielen Hindernissen sind sicherlich nicht geeignet für einen Testbetrieb.“

Schweigen zu Projektkosten

Wenig konkret wird Gottschalk selbst auf Nachfrage, wie viel der Probebetrieb Stadt und Stadtwerk kosten wird. Nur so viel: „Die Finanzierung, zu der auch die Anschaffung eines entsprechenden Fahrzeugs zu zählen ist, soll auch über Fördermittel gestemmt werden.“ Die Planungen dazu laufen.

Neue ÖPNV-Ansätze tun Not angesichts steigenden Verkehrsaufkommens und fehlenden Fahrpersonals. Können mittelfristig autonome E-Busse die Stadtbahn-Lücke schließen? Gottschalk winkt ab. „Einen Bezug zur Stadtbahn gibt es an dieser Stelle nicht.“ Das Ziel sei, Erfahrungen in Sachen autonomes Fahren zu sammeln und die Potenziale hinsichtlich der besseren ÖPNV-Erschließung einzelner Stadtteile zu prüfen. Das sei beim ersten Testbetrieb im Gewerbepark von 2021 bis 2023 der Fall gewesen und werde nun eben fortgesetzt.

So sehr steckt das nicht mehr in den Kinderschuhen. Das ist sehr, sehr vielversprechend.Michael Lehner, CSU-Stadtrat

Die Hoffnungen und Erwartungen, die die Stadtrats-Fraktionen in die Technik setzen, unterscheiden sich so stark, wie die generelle verkehrspolitischen Visionen der Parteien. Michael Lehner ist geradezu euphorisch, seit er mit der CSU-Fraktion selbst Fahrgast in einem autonomen Bus war. „So sehr steckt das nicht mehr in den Kinderschuhen“, sagt er, „das ist sehr, sehr vielversprechend“.

Kapazitätslücken schließt ein fahrerloser Bus überhaupt nicht.Klaus Rappert, SPD-Stadtrat

Mittelfristig könne man zum einen kleinteilige Routen bedienen und das Streckennetz ausbauen, hofft Lehner, und andererseits auf den Haupttrassen die Kapazität erhöhen sowie für flüssiges Vorankommen sorgen. „Das könnte eine massive Erleichterung beim limitierenden Hauptfaktor sein: fehlende Fahrern.“ SPD-Stadtrat Klaus Rappert widerspricht deutlich. „Kapazitätslücken schließt ein fahrerloser Bus überhaupt nicht.“ Im Vergleich zur Stadtbahn würden Busse zu wenigen Fahrgästen Platz bieten.

Autonome Systeme funktionieren vor allem bei schienengebundenem Verkehr.Maria Simon, Grünen-Stadträtin

Wofür autonome Fahrzeuge sorgen könnten, sei eine flexiblere Linienführung im Randbereich des Stadtbusnetzes. Als Zusatzangebot bezeichnet auch Grünen-Stadträtin Maria Simon das Potenzial selbstfahrender Busse. Man solle die Technik nicht isoliert für den Straßenverkehr betrachten, meint sie. „Autonome Systeme funktionieren vor allem bei schienengebundenem Verkehr.“

Ich glaube nicht, dass das im Stadtgebiet mehr als Zubringerverkehr auf die letzte Meile sein kann.Florian Rottke, Brücke-Stadtrat

Brücke-Stadtrat Florian Rottke findet es spannend, dass die Technik ausprobiert wird. Eine Revolution für den ÖPNV in der Stadt erwartet aber auch er nicht: „Ich glaube nicht, dass das im Stadtgebiet mehr als Zubringerverkehr auf die letzte Meile sein kann.“ Simon schlägt etwa die Distanz von der Landshuter Straße zum Sportpark Ost als Teststrecke vor. Größeres Potenzial sieht Rottke in weniger dicht besiedelten Gebieten im Landkreis.