Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie muss 2026 weitere 2500 Jobs streichen

Nach einem echten Tiefpunkt vor einem Jahr hatten die Betriebe der Metall- und Elektroindustrie (M+E) im Sommer Hoffnung geschöpft. Doch sie warten weiter auf eine echte Wirtschaftswende der Bundesregierung. „Hoffnung und vorsichtige Zuversicht sind verflogen“, sagt Alexandra Bornemann, Vorsitzende der Arbeitgebervertretung bayme vbm Oberpfalz und Werkleiterin bei Aumovio (ehemals Continental). Am Mittwoch stellte sie die Ergebnisse der halbjährlichen Konjunkturumfrage vor.
Erwartungen sind „signifikant eingebrochen“
Das Bild fällt insgesamt negativ aus, ist auf den zweiten Blick allerdings durchaus gemischt. Die Geschäftslage im Inland bewerten 18,8 Prozent der Mitgliederunternehmen positiv, fast ein Drittel jedoch negativ. Andersrum sieht es beim Auslandsgeschäft aus: Hier gaben 32 Prozent positive und nur 18,8 Prozent negative Rückmeldung.
Aber: „Wenn wir auf die Erwartungen schauen, sind diese wirklich signifikant eingebrochen“, sagt Bornemann. Für beide Bereiche. Während die Erwartungen für das Inlandsgeschäft im Sommer mit plus 15,6 Prozentpunkten noch überwiegend positiv waren, fällt die Bewertung jetzt mit minus 20,5 Prozentpunkten insgesamt stark negativ aus. Für das Ausland ist die Prognose mit minus einem Prozentpunkt zwar nicht ganz so dramatisch, aber auch hier sind die plus 16,4 Prozentpunkte sommerlicher Hoffnung verflogen.
Investiert werden soll vor allem im Ausland – aber auch im Inland
Angesichts dieser Aussichten überraschen die insgesamt positiv ausfallenden Pläne für Produktion und Investitionen. Zwar plant die Mehrheit der Betriebe keine Veränderung was die Produktion angeht, immerhin wollen aber 18,3 Prozent mehr im Inland investieren. Ein Drittel der Gelder soll in Innovationen gesteckt werden. Wie geht das zusammen mit der verflogenen Hoffnung und den pessimistischen Prognosen?
„Wir haben in der Oberpfalz große Unternehmen, die gerade beim Thema Künstliche Intelligenz viel Geld in die Hand nehmen müssen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben“, so erklärt sich Bornemann diese Zahlen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Produktions- und Investitionspläne an Auslandsstandorten deutlich stärker sind.
Fachkräftemangel befeuert Produktionsverlagerung ins Ausland
Dass der Wirtschaftsstandort Deutschland weiterhin das Problem zu sein scheint, wird auch beim Thema Fachkräftemangel deutlich. „Wir haben ein Mitgliedsunternehmen hier in der Oberpfalz, das viele Millionen Euro in Indien investiert, weil sie hier keine Ingenieure finden“, berichtet Bornemann. Früher habe man gegen Indien und China konkurriert, weil man bei den Produktionskosten nicht mithalten konnte. Heute sei es der Fachkräftemangel, wegen dem Produktion ins Ausland verlagert wird.
Nirgendwo sieht man die Auswirkungen einer verfehlten Industrie- und Standortpolitik mehr als bei der Beschäftigung.Alexandra Bornemann, bayme vbm Vorsitzende Regensburg und Werkleiterin Aumovio
„Nirgendwo sieht man die Auswirkungen einer verfehlten Industrie- und Standortpolitik mehr als bei der Beschäftigung“, sagt Bornemann. Denn trotz Fachkräftemangel auf der einen Seite, rechne man auf der anderen Seite mit Stellenabbau. „Für 2026 prognostizieren wir einen Rückgang um 2500 Arbeitsplätze auf 91 500.“ Die versprochene Wirtschaftswende der Regierung bleibt aus Sicht des Verbandes weiterhin aus.
Schwachstelle Sozialpolitik
„Die Betriebe hatten ihre Hoffnungen vor allem in die schwarz-rote Bundesregierung gesetzt“, sagt Bornemann. Anfangs sei man noch optimistisch gewesen, die Pläne hätten einen „guten Willen erkennen lassen“. Industriestrompreis, Sondervermögen, Deutschlandfonds, Bürokratieabbau – vielversprechende Ideen, auf deren konkrete Umsetzung die Betriebe noch warten.
Eine besondere Schwachstelle der Bundesregierung ist aus Sicht der M+E-Arbeitgeber die Sozialpolitik. Die Beschlüsse des im Dezember in Berlin heiß diskutierten Rentenpakets seien langfristig nicht finanzierbar. „Wir erwarten nachhaltige Reformen der Sozialsysteme, weil wir sonst den Anstieg der Beiträge nicht stoppen können“, erklärt die Regensburger Verbandsvorsitzende. Höhere Beiträge bedeuten entweder weniger netto vom brutto für die Arbeitnehmer oder höhere Personalkosten für die Arbeitgeber. Für die in diesem Jahr anstehenden Tarifverhandlungen erwartet Bornemann deshalb erschwerte Bedingungen.