Nicht nur die Autoindustrie im Blick: Schaeffler setzt auf neue Märkte

Der Konzern Schaeffler, der auch in Regensburg ein Werk betreibt, positioniert sich auf einer wichtigen Messe in Las Vegas als wichtiger Player bei humanoider Robotik. Eine etwas andere Strategie verfolgt Aumovio – das Unternehmen hat einen starken Mobilitäts-Fokus.
Humanoide Robotik ist eines der großen Themen der Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas. Die Fachmesse in der US-Großstadt, die am Dienstag eröffnet wurde, gilt als Indikator dafür, welche technologischen Entwicklungen Wirtschaft und Gesellschaft in den kommenden Jahren prägen dürften. Auch zahlreiche deutsche Firmen präsentieren vor Ort ihr Portfolio – darunter die großen Zulieferer Schaeffler und Aumovio, die beide in Regensburg wichtige Werke betreiben. Der fränkische Konzern Schaeffler, für den in der Oberpfalzmetropole etwa 3000 Menschen arbeiten, blickt aber längst nicht mehr nur auf die Fahrzeugindustrie.
Man sei „der ideale Partner, um Innovationen voranzutreiben und damit die Industrie der Zukunft zu gestalten“, erklärte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld im Vorfeld der CES. Humanoide Robotik bezeichnete der Vorstandsvorsitzende im Herbst im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern als faszinierenden Bereich mit Zukunft. „Humanoide Roboter bewegen sich wie Menschen – mit Gelenken, Aktuatoren, E-Motoren, Sensorik, Präzisionslagern“, erklärte Rosenfeld. Genau hier sieht Schaeffler die Chance, ein wichtiger Player in dem zukunftsträchtigen Markt. Auf der CES in Las Vegas zeige man nun , wie Schaeffler „jahrzehntelanges Mechanik-Know-how mit digitaler Intelligenz“ verbindet, wird der Konzernchef in einer Pressemitteilung zitiert.
Schaeffler-Umbau: Auch Vitesco hat einen Anteil daran
Auf der Messe präsentiert das fränkische Unternehmen ein speziell für menschenähnliche Roboter entwickeltes Antriebssystem, das unter anderem aus einem Getriebe und einem Elektromotor besteht. Schaeffler will sogenannte Humanoide in Zukunft auch selbst in seinen Werken einsetzen. Bis 2035 soll dort „eine mittlere vierstellige Zahl“ mit anpacken, teilte der Konzern im vergangenen Jahr mit.
Mit seinem Engagement im Robotik-Bereich verabschiedet sich Schaeffler immer mehr von der Rolle eines klassischen Autozulieferers. Auf der CES präsentiert das Unternehmen zudem Lager, die dafür sorgen sollen, das Anlagen beispielsweise bei der Wind- und Solarstromerzeugung sowie in Rechenzentren zuverlässiger und effizienter laufen. Das Thema Drohnen beschäftigt Schaeffler mittlerweile ebenfalls.
Dass der Konzern sich breiter aufstellt, ist auch ein Ergebnis der Übernahme des Regensburger Antriebsspezialisten Vitesco im Herbst 2024. „Früher haben wir bei Schaeffler vor allem in Sektoren gedacht. Automotive hier, Industrie dort“, sagte Rosenfeld im Herbst im Exklusiv-Interview. Mit Vitesco habe man diese Logik geändert und denke nun in „Produkt- und Kompetenzfeldern“.
Was der Vorstandsvorsitzende damit meint, wird nun auf der Messe in Las Vegas deutlich: Kompetenz im weiten Feld der E-Mobilität braucht es eben nicht nur im Automobilgeschäft, auch beispielsweise in der humanoiden Robotik kommen Elektromotoren zum Einsatz. Gleiches gilt eben für die Lagerlösungen von Schaeffler, die sowohl in Fahrzeugen als auch in Windkraftanlagen zum Einsatz kommen. Die Liste ließe sich weiter fortführen. Das Unternehmen bezeichnet sich dementsprechend nicht als Autozulieferer sondern als „Motion Technology Company“. Übersetzt bedeutet das so viel wie „Unternehmen für Bewegungstechnologie“.
Ein anderer großer Konzern mit über 4000 Beschäftigten in Regensburg fährt hier scheinbar eine andere Strategie: Aumovio. Die Abspaltung der Continental-Zulieferersparte, die im September 2025 eigenständig wurde, fokussiert sich stark auf die Autoindustrie. Man wolle die „Mobilität der Zukunft“ gestalten, heißt es auf der Webseite des Konzerns mit Sitz in Frankfurt.
Aumovio präsentiert eine Leinwand im Auto
Auf der CES stellt Aumovio – Hauptaktionär mit 46 Prozent der Anteile ist übrigens die Familie Schaeffler – deshalb unter anderem eine Neuerung für den Fahrzeuginnenraum vor: Damit werde die Cockpit-Oberfläche in eine Leinwand verwandelt, teilte das Unternehmen vor Start der Messe mit. Mit einer „hoch entwickelten Projektionstechnologie“ könne man auf einer „großen Darstellungsfläche dekorative Motive und emotionale Farb- und Lichteffekte sowie Fahrerinformationen, dezente Navigationsanweisungen oder Warnungen von Fahrerassistenzsystemen abbilden“.

Die bis zu drei hochauflösenden Miniaturprojektoren werden laut Aumovio direkt in die Dachelemente des Autos integriert. Farbe und Oberfläche der „Leinwand“ seien egal, heißt es von dem Unternehmen. Das System werde automatisch mit Anbruch der Dämmerung aktiviert.
Nichtsdestotrotz zeigt auch Schaeffler auf der CES, die noch heute läuft, zahlreiche Lösungen fürs Fahrzeug. Die präsentierten Technologien – unter anderem spezielle Sensoren – sollen die Autobauer „beim Übergang zu autonomen, elektrifizierten und softwaregestützten Fahrzeugen“ unterstützen, teilt das Unternehmen mit.