Theater Regensburg hilft Joseph Beer auf die Sprünge

Von Marianne Sperb · 13. Januar 2026 um 16:46

Hätten die Nazis die Karriere von Joseph Beer nicht beendet: Dem Komponisten wäre die Welt offen gestanden, er hätte einen herausragenden Platz in der Musikgeschichte einnehmen können, ist Ronny Scholz überzeugt.

Der Chef-Dramaturg am Theater Regensburg denkt viel nach über das Schicksal des jüdischen Künstlers (1908-1987), der blutjung, erst Mitte 20, seine Operette „Der Prinz von Schiras“ schrieb, der mit „Polnische Hochzeit“ 1937 einen Triumph feierte, aber schon 1938 aus Wien fliehen musste, erst in Paris unterkam und schließlich in Nizza strandete. Mitglieder seiner Familie wurden ermordet, sein Freund und Librettist Fritz Löhner-Beda in Auschwitz erschlagen, sein eigener Name verblasste.

„Was für ein Verlust! Nicht auszudenken, was wir von ihm noch alles hätten hören können“, sagt Scholz am Montag in seinem Büro am Velodrom. Der Regisseur und Intendant Sebastian Ritschel pushen hartnäckig eine Renaissance von Joseph Beer: Sie entdeckten – eine Art programmierter Zufall für die passionierten Notenschnüffler – lang verschollen geglaubtes Material zum „Prinzen“ und als das Operettenjuwel 2023, 90 Jahre nach seiner Uraufführung, erstmals wieder auf die Bühne kam, und zwar in Regensburg, war das eine Sensation.

Wer den „Prinzen“ hören wollte, musste nach Regensburg

Allerdings: In diese quicklebendige Musik voll bittersüßem Schmelz einzutauchen, die den Jazz zitiert, ohne dass Joseph Beer zuvor jemals Stücke von George Gershwin oder seinen US-Kollegen gehört hätte, das war bislang ein ausgesprochen exklusives Vergnügen. Wer Titel wie „Du warst der selige Traum“ hören wollte, der musste sich von egal wo in der Welt persönlich an den Regensburger Bismarckplatz begeben und hier ganz analog eine Aufführung besuchen. Ein einigermaßen verrückter Zustand, der jetzt vorbei ist: Am 19. Februar kommt „Der Prinz von Schiras“ als Doppel-CD auf den Markt. Endlich!

Ein Wunsch vieler Fans erfüllt sich, wie das Beispiel einer Münchnerin zeigt, die, so erzählt es Ronny Scholz, sechs oder sieben Mal den „Prinzen“ besuchte und die Musik zu gern auf CD mitgenommen hätte. Warum erscheint die Scheibe so spät? Der Dramaturg verweist auf einen Auftragsstau, nachdem in der Pandemie bei den Produzenten so viele Projekte liegen blieben.

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Deutschlandfunk Kultur schnitt die Operette in Regensburg zwei Mal mit – bei der Generalprobe und bei der Premiere am 16. Dezember 2023 – und mixte die optimale Version. 700 CDs erscheinen nun in der Erstpressung, eine lächerlich kleine Zahl, aber das ist nicht der Punkt: Mit der Veröffentlichung ist der Weg frei fürs Streaming, bei Diensten wie Apple Music, YouTube und Spotify. Die Produktion dürfte Joseph Beer und seinem Erbe also ganz schön auf die Sprünge helfen.

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Ronny Scholz steckt unterdessen tief in den Proben für „Polnische Hochzeit“ von Joseph Beer, die am 7. Februar in Regensburg Premiere hat. Klar, dass da auch Tochter Suzanne Beer, Philosphie-Professorin in Paris, im Saal sitzen wird. Der Regisseur will die Operette radikal anders erzählen als Sebastian Ritschel, der sie 2018 für die Oper Graz inszeniert hatte (mit Ronny Scholz als Dramaturg). In der Regensburger Fassung wird Joseph Beer himself sogar als Erzähler auftauchen – wie genau, wird bei der Matinee im Neuhaussaal zu erfahren sein.

Öffentliche Probe zu „Polnische Hochzeit“ ist am 26. Januar (19 Uhr), Matinee am 1. Februar (11 Uhr), Premiere am 7. Februar (19.30 Uhr), jeweils im Theater am Bismarckplatz. Die CD „Der Prinz von Schiras“ ist ab 19. Februar im Theater zu kaufen.