Aus alter Schreinerei in der Kelheimer Altstadt sollen Wohnungen werden

Lange war das einstige Handwerker-Domizil in der Kelheimer Altstadt ein Leerstand – doch das soll sich ändern. Immobilien-Investor Andreas Wohlmuth zeigt alte, verlassene Räume und verrät, was daraus werden soll.
Viele Kelheimer dürften in den vergangenen Jahren dem hellblauen Haus in der Benefiziatengasse 9 in der Kelheimer Altstadt beim Vorübergehen keine große Aufmerksamkeit geschenkt haben. Lange war das einstige Handwerker-Domizil ein Leerstand. Das Interesse von Investoren weckte das Grundstück immer wieder. Anfang Dezember standen erste Baucontainer vor der Tür. Ein untrügliches Zeichen, das sich nun etwas tut.
Hinter dem Bauprojekt mit Namen „Grüne Schreinerei“ steht der Kelheimer Investor Andreas Wohlmuth. Den Kaufvertrag unterzeichnete er 2024, seit 2025 gehöre ihm das Anwesen, so der Kelheimer auf Nachfrage.
Seit 1910 hier daheim
Viele Ältere kennen dieses als Schreinerei der Familie Ammann. Diese war 1910 aus dem Erasmusturm in die Benefiziatengasse 9 gezogen. Bis 1979 betrieben dort erst der Großvater und dann Vater Rupert der bisherigen Eigenümerinnen eine Schreinerei in der Kelheimer Altstadt.
Im Anschluss hatte die Caritas als Mieter dort noch eine Lehrschreinerei, weiß Wohlmuth. Aber Mitte der 1980er war auch damit Schluss.
Lager und Leerstand
Danach war es keine Schreinerei mehr, sondern wurde überwiegend anders genutzt. Zuletzt als Lagerfläche. Die Wohnungen oben drüber standen seit Jahren leer.
Mindestens ein Investor vor ihm, dachte ans Abreißen, hat Wohlmuth gehört. Daran denke er aber nicht. „Mir ist wichtig, das Gebäude zu erhalten. Es gehört zur Kelheimer Altstadt und ist ein Teil der Kelheimer Geschichte.“

Wohlmuth will die ehemalige Schreinerei energetisch sanieren und sie zu vierzehn Mietwohnungen umnutzen, sagt er. Anfang Dezember startete die Baustelle. Vor Weihnachten standen noch Baustellensicherungs-, Grabungs- und Entkernungsmaßnahmen an. Beim Rundgang durchs Gebäude im November und auf Fotos waren noch einige Möbel und Gegenstände aus früheren Tagen zu sehen. Hier die braun-orange Tapete aus den 1970ern, dort die alten Wohnzimmersessel aus den 1980ern. Die alte Bürotür mit dem alten deutschen Handwerkszeichen darauf oder die selbst geschnitzte Lampe mit Schreiner-Figur zeugten von der Schreinersfamilie, die hier einmal arbeitete und lebte.

Wohlmuth betont, er wolle auf nachhaltige, regionale Materialen setzen und auch den kleinen Garten zur Benefiziatengasse hin erhalten. Der sei etwas besonderes.

Er hat nicht nur die Familie nach den Gebäuden gefragt, sondern auch Kelheims Stadtarchivar kontaktiert. Alte Pläne, unter anderem der Urkastasterplan von 1817, aber auch frühere Luftaufnahmen von 1938, 1955 und 1973 zeigten, wie sich die Gebäude immer wieder verändert hatten. Wie aus einer Scheune ein quadratisches Rückgebäude wurde oder der Werkstatt-Trakt im frühen 20. Jahrhundert angebaut worden war.
Im Bauausschuss fand das Bauvorhaben 2025 geteiltes Echo. Nicht, dass der lange Leerstand an sich verschwinden und neue Wohnungen entstehen, sorgte für Kritik. Dagegen könne wohl niemand etwas haben, hieß es. Einzelne Stadträte hätten allerdings lieber ein paar Wohnungen weniger realisiert gesehen. Die Mehrheit hatte gegen Andreas Wohlmuths Pläne aber nichts einzuwenden.

Ebenfalls 2025 war bekannt geworden, dass auch in das Gebäude neben der alten Schreinerei neues Leben einkehren soll. Im früheren Benefiziatenhaus will mittelfristig Kelheims neue Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie ihre Praxis öffnen. Davor muss auch dieses alte Gebäude grundlegend saniert werden.
Der Gebäudekomplex in der Benefiziatengasse 9 in Kelheim
• Der Gebäudekomplex an der Benefiziatengasse 9 stammt laut Kelheims Stadtarchivar Wolf Kulke aus dem Jahr 1795 oder früher.
• 1795 ist dort der Landwirt und Bräuamtsbote Valentin Utz steuerpflichtig. 1817 wurde das Areal im Urkaster-Plan der Stadt erfasst.
• 1878 war die Zimmerei Josef Rieghammer hier ansässig.