Kult-Kneipe und Unikat in der Regensburger Altstadt: Das Sauseneck ist verkauft

Das einzige frei stehende Haus in der Regensburger Altstadt hat den Besitzer gewechselt. Was hat der neue Eigentümer mit der Immobilie und der Kneipe im Erdgeschoss vor?
Es war eine Punktlandung: Als Sabine Lehner, Maklerin bei Remax-Immobilien in Regensburg, im Spätsommer mit der Suche nach einem Käufer für das Sauseneck in der Keplerstraße begann, setzte sie sich das Jahresende als Ziel-Zeitpunkt für die Abwicklung dieses Geschäfts. Jetzt, nach der Erledigung aller Formalitäten, kann sie Vollzug melden: „Der Verkauf ist über die Bühne, am 23. Dezember war Notartermin.“
In den vorangegangen drei Monaten hatte sie oft durch das einzige frei stehende Haus in der Altstadt geführt. „Die Nachfrage war von Anfang an gut. Es gab viele Interessenten, mehrere davon hatten letztlich auch ernsthafte Kaufabsichten“, berichtet die Maklerin. Eine Selbstverständlichkeit war dies vorab nicht, wobei der aufgerufene Festpreis von 995.000 Euro wohl weniger abschreckend wirkte als der Zustand des Objekts. Der ist 45 Jahre nach der letzten Sanierung alles andere als taufrisch.
Es soll „bodenständig und einfach“ bleiben
Dieser Umstand wurde sogar in der Verkaufsanzeige in seltener Offenheit eingeräumt. „Geben Sie sich keinen Illusionen hin – Sie werden Zeit, Arbeit und Geld investieren müssen, um dieses Juwel erneut zum Strahlen zu bringen“, war hier anstatt beschönigender Floskeln zu lesen.
„So kompliziert ist das auch wieder nicht“, sagt hingegen Thomas Straubinger. Der Mitinhaber der Regensburger Ingenieurgesellschaft Prock und Straubinger hat das Rennen gemacht und ist nun der neue Eigentümer vom 700 Jahre alten Sauseneck. Er räumt ein, dass er als Bauingenieur leichter reden hat als ein Laie. Andererseits betont er: „Es kommt auch immer auf die Betrachtungsweise an, wie man an so ein Projekt herangeht. Hier ist eine Renovierung geplant, keine Generalsanierung.“
Wer sich den Unterschied zwischen diesen beiden Vorgängen nicht auf Anhieb erschließen kann, muss nur ein paar Meter weiter westwärts schauen. Das Seyboth-Haus am Eisernen Steg ist seit Monaten mit Planen verhangen, weil es von A bis Z runderneuert wird. Straubinger kennt diese Baustelle ganz genau, „weil wir da mit der Firma auch mit drin sind“. Im Sauseneck aber soll es etliche Nummern kleiner ablaufen. „Eine Luxus-Sanierung wird das auf keinen Fall.“
Ein Heurigenlokal könnte ich mir zum Beispiel vorstellen. Die Suche nach einem Wirt läuft bereits.Thomas Straubinger, Käufer
So wird auch die sonst übliche maximale Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Quadratmeter wohl wegfallen. „Wahrscheinlich bleibt es oben bei einer Wohnung“, lässt der Käufer durchblicken, dass er keine Grundriss-Änderungen im Sinn hat. Die für die Öffentlichkeit wichtigere Botschaft aber betrifft das Erdgeschoss: Hier wird es bei der gastronomischen Nutzung bleiben.
Regelmäßige Sauseneck-Gäste wie Joachim Buck, den Vorsitzenden vom Arbeitskreis Kultur, wird das freuen. Als im September die Nachricht vom Verkauf des Hauses publik wurde, nannte er das Lokal liebevoll eine „Boazn“ und wünschte sich, dass es so bleiben möge: „Es hat ein reizvolles Ambiente und verkörpert einen anderen Typus von Gastronomie als das, was man sonst mittlerweile überall in der Stadt hat.“
Eine Million oder weniger? Keine Aussage zum Preis
Bei Straubinger rennt man mit so einer Sichtweise offene Türen ein. Wie das gesamte Gebäude will er auch die Kneipe nicht auf „zu schick und teuer“ drehen, sondern „ganz bodenständig und einfach“ bleiben. „Ein Heurigenlokal könnte ich mir zum Beispiel vorstellen. Die Suche nach einem Wirt läuft bereits.“ Beim Zeitplan wird er ähnlich konkret, schon „in der ersten Jahreshälfte“ soll das Sauseneck mit seinem idyllischen Freisitz wieder eine gastronomische Option sein.
Bleibt nur eine Frage offen: Hat der neue Eigentümer die in der Verkaufsanzeige aufgerufene Million wirklich hinblättern müssen oder ging es ein bisschen günstiger? „Von mir gibt es keine Auskunft zum Preis“, hält Maklerin Lehner dicht. Und auch Straubingers Offenheit endet beim Geld: „Ich habe mit dem Voreigentümer Stillschweigen vereinbart.“