Aus drei mach’ vier: Familie Allescher eröffnet vierten Edeka-Supermarkt in Cham

Von David Salimi · 8. Januar 2026 um 19:15

Im Edeka-Supermarkt an der Darsteinstraße herrscht an diesem Donnerstag Ausnahmezustand. Wo sonst Kunden ihre Einkäufe erledigen, arbeiten Mitarbeiter konzentriert an Laptops, scannen Artikel und prüfen Listen. Der Markt ist wegen Inventur und umfangreicher Umstellungsarbeiten geschlossen. Im Hintergrund läuft der organisatorische Kraftakt einer Übernahme – die Familie Allescher führt ab diesem Freitag den bisherigen Edeka Steinberger-Markt im Chamer Osten.

Zwischen Paletten und Regalen erklärt Kaufmann Werner Allescher, was aktuell hinter den Kulissen passiert. Artikelstammdaten werden übernommen oder neu eingespielt, Warenwirtschaftssysteme voneinander getrennt, Kassen- und Abrechnungsprozesse umgestellt. Rund 25 000 bis 27 000 Artikel hält der Markt laut Allescher insgesamt bereit. Jede einzelne Position muss korrekt erfasst sein, bevor der Betrieb wieder regulär starten kann.

Kurzfristige Umrüstung des Supermarktes

Ende des Jahres ist Arnold Steinberger auf die Alleschers zugekommen, ob sie den etwa elf Jahre alten Lebensmittelmarkt an der Darsteinstraße übernehmen wollen. „Als Chamer waren wir an dem Standort natürlich sehr interessiert“, sagt Allescher. Nachdem der Familienrat getagt habe, sei die Entscheidung, nach Katzbach, Schorndorf und Wilting künftig einen vierten Markt zu betreiben, schnell gefallen.

Normalerweise braucht es für eine solche Übernahme ein halbes Jahr Planung.Werner Allescher, Edeka-Kaufmann

„Normalerweise braucht es für eine solche Übernahme ein halbes Jahr Planung gemeinsam mit einem Sortimentsplaner von Edeka“, erläutert Allescher. Dieses Mal sei alles deutlich schneller gegangen. Für die Kunden habe das einen Vorteil: Vorerst bleibe vieles so, wie es vertraut ist. Größere Veränderungen seien nicht vorgesehen. Stattdessen wolle man das Angebot Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Freuen sich auf den Start an der Darsteinstraße: Filialleiter Wolfgang Zellmer (links) und Betreiber Werner Allescher. - Foto: David Salimi

In der Frischeabteilung setzt Allescher auch künftig auf eine Mischung aus bewährten Edeka-Strukturen und regionalen Partnern. Neben Fleisch- und Wurstwaren der Südbayerischen Fleischwaren sollen Lieferanten aus der Region eingebunden werden, darunter die Metzgerei Breu aus Pitzling sowie Wolf + Kuntscher aus der Nähe von Straubing. Generell werde die Frischeabteilung sechs Tage pro Woche beliefert. Auch im Obst- und Gemüsebereich sei vorgesehen, verstärkt mit regionalen Erzeugern zusammenzuarbeiten.

Unverändert bleiben soll der Mittagstisch im Bistrobereich, der vor allem von Berufstätigen im Umfeld des Marktes genutzt wird. Darüber hinaus verfolgt Allescher ein Konzept, das über das reine Einkaufen hinausgeht. Der Markt solle auch ein Ort der Begegnung sein – gerade in Zeiten, in denen klassische Wirtshäuser zunehmend verschwinden. Breitere Gänge sollen es ermöglichen, stehen zu bleiben und miteinander ins Gespräch zu kommen, ohne andere Kunden zu behindern. Für Allescher ist das ein bewusster Gegenpol zur zunehmenden Hektik des Alltags. Trotz neuer Akzente legt der Kaufmann Wert auf Kontinuität. Einen Radikalschnitt wolle er vermeiden. Der vertraute Supermarkt im Chamer Osten solle erhalten bleiben. Dazu gehöre vor allem auch die Übernahme der rund 40 Beschäftigten des bisherigen Steinberger-Marktes. „Die Mitarbeiter vor Ort sind das Gesicht eines Marktes für die Kunden“, ist Allescher überzeugt. Er selbst sehe sich eher im Hintergrund.

Wertschätzung für Mitarbeiter ist zentrales Anliegen

Ein zentrales Anliegen sei ihm das Miteinander im Betrieb. Um die Angestellten zu entlasten, werden etwa die Öffnungszeiten angepasst. Künftig schließt der Markt montags bis samstags um 19 statt bisher um 20 Uhr. Der Backshop öffnet bereits um sechs Uhr. Ziel sei es, den Beschäftigten abends mehr Zeit für sich und ihre Familie zu ermöglichen. An den anderen Standorten habe man mit dieser Regelung überwiegend positive Rückmeldungen aus der Kundschaft erhalten. „Uns geht es auch darum, unseren Mitarbeitern, die täglich an der Front arbeiten, Wertschätzung zu vermitteln“, betont Allescher.

Am Donnerstag war der Lebensmittelmarkt geschlossen. Im Hintergrund wurde das Geschäft für die Neueröffnung am Freitag fit gemacht. - Foto: David Salimi

Neben den gut 40 Angestellten im Geschäft steht den Kunden in der Darsteinstraße ab sofort mit Manfred Zellmer ein Filialleiter zur Verfügung, der einigen bereits aus der Allescher-Filiale in Schorndorf bekannt sein dürfte. Dort war Zellmer, der seit 2009 bei der Firma Allescher beschäftigt ist, bislang eingesetzt.

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Umso mehr freut es Werner Allescher, am neuen Standort auf einen bewährten Mitarbeiter in der Filialführung zurückgreifen zu können. Und auch Zellmer ist voller Tatendrang: „Ich freue mich, wenn es hier losgeht“, sagt er. Für mögliche Anlaufschwierigkeiten bitten Allescher wie Zellmer die Kunden um Verständnis. In der Anfangsphase könne noch nicht alles reibungslos laufen.

Ich freue mich, wenn es hier losgeht.Manfred Zellmer, Filialleiter

Für die Familie Allescher schließt sich mit dem Standort an der Darsteinstraße ein Kreis. Neben dem Hauptsitz in Katzbach sowie den Märkten in Schorndorf und Wilting ist der Chamer Osten nun Teil des Netzes. Der Supermarkt, der viele Jahre als Neukauf von der Edeka-Gesellschaft betrieben und seit 2014 von Arnold Steinberger geführt wurde, bleibt damit ein wichtiger Nahversorger für den Osten der Kreisstadt – mit neuem Betreiber, aber vertrautem Gesicht.