„Töten, um zu töten“: Tiere bestialisch zugerichtet – Geht ein Reh-Ripper um?

Wilderei sorgt für Aufsehen im Landkreis Regensburg: Innerhalb von wenigen Tagen wurden zwei Rehe bestialisch zugerichtet. Nun ermittelt die Polizei. Schon in der Vergangenheit machten Wilderer Schlagzeilen.
Der jüngste Fall wurde in Thanhausen, einer kleinen Ortschaft in der Gemeinde Wenzenbach, aktenkundig. Eine Spaziergängerin fand am Montag laut Polizeiinspektion Regenstauf ein totes Reh ohne Kopf in einem Waldstück. Sie rief einen Jäger, der die Polizei verständigte. Den Beamten bot sich laut Pressemitteilung im Wald ein grausiges Bild. Dem Reh waren nicht nur der Kopf, sondern auch die Vorderläufe fein säuberlich mit einem scharfen Schnitt abgetrennt worden. Das Tier selbst wies keine Schussverletzungen auf.
Kopf „mit einem scharfen Schnitt“ vom Körper getrennt: Totes Reh im Landkreis Regensburg übel zugerichtet
Dieser Fall bei Wenzenbach gleicht einem weiteren Vorkommnis bei Nittendorf. Ende vergangenen Jahres, am 27. Dezember, dem Samstag nach Weihnachten, fand eine Spaziergängerin bei Grafenried im Marktgemeindegebiet Nittendorf ein totes Rehkitz mit abgetrenntem Kopf am Wegesrand. Auch sie rief einen Jäger. Der stellte fest, dass der Kopf des Tieres mit einem scharfen Schnitt vom Körper getrennt wurde, um „Spuren einer nicht sachgerechten Tötung zu verschleiern“, hieß es Ende 2025 in einem Pressebericht der Polizeiinspektion Nittendorf.
Zwischen den beiden Taten liegen nur wenige Tage und etwa 20 Kilometer. Daher stellt sich durchaus die Frage: Treibt ein Wilderer sein Unwesen im Landkreis Regensburg?
Den Sinn und Zweck versteht man nicht.Michael Wurm, Leiter der Polizeiinspektion Nittendorf
Michael Wurm, Leiter der Polizeiinspektion Nittendorf, sagt auf Nachfrage, dass man bislang noch keinen Verdächtigen im Fall der Wilderei bei Grafenried ermitteln konnte. Er sei auch eher skeptisch, ob das gelingt. Schließlich gebe es kaum Ermittlungsansätze. Mit dem Entfernen des Kopfes habe der Täter womöglich verschleiern wollen, mit welchem Kaliber er das Tier erschossen hat. Vielleicht handele es sich um eine illegale Waffe, wirft Wurm in den Raum. „Es kann auch sein, dass jemand aus Lust und Laune Schießübungen gemacht hat.“ Eines steht für den Polizisten fest: „Den Sinn und Zweck versteht man nicht.“
Selbstverständlich werde man nach dem Vorfall bei Wenzenbach nun mit den zuständigen Kollegen der Polizeiinspektion Regenstauf sprechen, betont Wurm. Sollten sich die Vorfälle noch weiter mehren, könne man auch weitere Ermittlungsmethoden einsetzen. Eine Möglichkeit seien beispielsweise Wildkameras, sagt Wurm.
Auf der Jagd nach dem Wilderer: Polizeiinspektionen im Landkreis Regensburg arbeiten zusammen
Auch Ludwig Hastreiter, Leiter der Polizeiinspektion Regenstauf, betont auf Nachfrage der MZ, dass man nun mit den Kollegen der PI Nittendorf zusammenarbeiten werde. Noch stehe man am Anfang der Ermittlungen, betont der Beamte. Ob ein Zusammenhang besteht, könne man schlicht noch nicht sagen. Klar ist: „Nach dem Fall am Montag ist bislang kein neuer Vorfall bekannt geworden.“ Hastreiter sagt ebenso wie Wurm, dass die Spurenlage bei solchen Vorkommnissen sehr schwierig sei.
Die beiden Wilderei-Fälle sorgen dabei für Aufregung bei der Jägerschaft. Franz-Xaver Lindl ist Vorsitzender des Bezirksjagdverbands in Regensburg. Er betont, dass es sich um Einzelfälle handele, Wilderei sei kein flächendeckendes Problem. Die beiden Fälle hätten ihn allerdings schockiert. „Wenn man Kopf und Beine abtrennt, das ist ein ganz komisches Bild.“ Ziel des Jägers sei stets, ein Tier möglichst ganz zu verwerten, wenn man eines tötet. „Hier geht es um das Töten um des Tötens willen.“
Hier geht es um das Töten um des Tötens willen.Franz-Xaver Lindl, Jäger-Chef
Einem Jäger falle dabei durchaus auf, wenn ein Wilderer durch das eigene Revier streift, sagt Lindl. „Man spürt das am Wild.“ Der Fremde gehe anders mit dem Tier um, scheuche es auf. „Man wird dann als Jäger vorsichtiger“, berichtet Lindl. Es sei auch bei weitem nicht der erste Fall von Wilderei. Spontan erinnert sich Lindl an einen Vorfall aus dem Jahr 2019. Damals wurden mehrere Rehe bei Matting mit Pfeil und Bogen erlegt.
Eine erstaunliche Parallele: Auch bei Grafenried, wo vor Silvester ein bestialisch zugerichtetes Reh gefunden wurde, war schon einmal ein Wilderer unterwegs. 2022 fand ein Jäger dort ein enthauptetes Tier. Damals war die Polizei davon ausgegangen, dass ein Hundebesitzer dahintersteckt, dessen Tier das Reh angefallen hatte. Diesmal scheint die Sache anders zu liegen.
Wilderei: Gesetze und Zahlen
• Strafe: Wilderei ist kein Kavaliersdelikt. Laut Strafgesetzbuch drohen bis zu drei Jahre Haft. In besonders schweren Fällen drohen laut Gesetz sogar bis zu fünf Jahre Haft.
• Aufklärung: Das Problem ist allerdings, dass Wilderei so gut wie nie aufgeklärt wird. Die Polizei im Raum Regensburg erfasste zwischen 2020 und 2024 insgesamt 16 Fälle von Wilderei – zwei wurden geklärt.