Nach Einbruch in der Silvesternacht in Hemau: Der Schmuck ist weg, der Ekel bleibt

Von Thomas Kreissl · 6. Januar 2026 um 05:15

Der Schmuck ist weg, das Bargeld ist weg. Geblieben sind Fassungslosigkeit, Unsicherheit – und Ekel. Edith und Karl Eichenseer aus Hemau (Landkreis Regensburg) sind in der Silvesternacht Opfer eines dreisten Einbruchs geworden. Das Ehepaar und die erwachsenen Töchter waren unterwegs, um in das neue Jahr hineinzufeiern, als die Täter zuschlugen und im ganzen Haus nach Beute suchten.

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„Das Widerliche ist, sie waren in unserem privatesten Bereich, haben unseren Rückzugsort beschmutzt“, beschreibt Karl Eichenseer die Gefühle, die ihn auch Tage nach dem Vorfall noch umtreiben. Nicht anders geht es seiner Frau und seinen Töchtern. „Es ekelt mich“, sagt Edith Eichenseer, die sofort nach der polizeilichen Freigabe Bettwäsche und Decken gewaschen hat – und das jetzt auch nach und nach mit der Wäsche in den Schränken machen wird.

Im Alltag könne sie den Einbruch zwar recht gut ausblenden, doch in stillen Momenten würden die Gedanken an die Täter in den eigenen vier Wänden dann doch schnell zurückkommen, gesteht sie. Immer wieder stellt sie sich die Frage, was geschehen wäre, wenn sie zuvor ins Haus zurückgekommen und den Einbrechern begegnet wäre.

Gar nicht fassen kann das Ehepaar, dass die Familie nun schon zum zweiten Mal Opfer von Einbrechern geworden ist. Fast genau vor 13 Jahren waren unbekannte Täter in das Haus von Karl Eichenseers Eltern eingedrungen.

Psychische Folgen sind meist schlimmer als materieller Schaden

Selbst die älteste Tochter, die mittlerweile wieder an ihren 700 Kilometer entfernten Studienort zurückgekehrt ist, habe erzählt, dass sie das Gefühl habe, die Einbrecher überall in ihrer dortigen Wohnung zu riechen. Tatsächlich bestätigt auch Tina Hagen, die stellvertretende Leiterin der zuständigen Polizeiinspektion Nittendorf, dass die psychischen Folgen bei den Opfern von Hauseinbrüchen oft sehr viel schlimmer sind als der rein materielle Schaden.

Im Haus der Eichenseers wählten die Einbrecher ihre Beute sehr gezielt aus. Sie nahmen ausschließlich Schmuck und Bargeld mit, elektronische Geräte wie Smartphones, Tablets und Laptops ließen sie unberührt. Sie durchsuchten jedes Zimmer, sogar den Keller und die Garage. Selbst eine Uhr und eine Kette nahmen sie mit, die in der Mittelkonsole des dort geparkten Autos lagen, weil sie demnächst zur Reparatur gebracht werden sollten. Die Beute packten die Täter offenbar in eine auffällig große schwarze Tasche, die sie ebenfalls mitnahmen.

Geldbeutel in Küchenschublade zurückgelegt

Die Einbrecher legten offenbar sehr viel Wert darauf, möglichst wenig sichtbare Spuren zu hinterlassen. Sie schlossen alle zuvor geöffneten Schranktüren und Schubladen. Selbst den Geldbeutel von Karl Eichenseer legten sie wieder feinsäuberlich in die Küchenschublade zurück, in der sie ihn gefunden hatten. „Es fehlt nur das Bargeld, alles andere haben sie drin gelassen“, berichtet Eichenseer, für den klar ist, dass sich die Täter offensichtlich bei ihrer Suche sehr viel Zeit gelassen haben.

Die Familie verließ das Haus um 19 Uhr und kehrte um 2.30 Uhr zurück. In diesem Zeitraum schlugen die Täter zu. Immerhin: Zumindest der Einbruchsschaden, den die Einbrecher anrichteten, ist überschaubar. Das ist auch der Grund, warum das Ehepaar nach der Rückkehr von der Silvesterfeier zunächst nichts bemerkte. Erst am nächsten Morgen fielen Karl Eichenseer im Garten jede Menge Fußspuren im Schnee auf. Er sah draußen nach und entdeckte die eingeschlagene Scheibe in der Glastür zum Büro seiner Frau.

Polizei hat keine konkreten Hinweise

Hier waren die Täter unbemerkt ins Haus gelangt. Dabei liegt es mitten in einer dicht bebauten Siedlung im Norden von Hemau. Rundherum stehen ebenfalls Einfamilienhäuser, von denen Grundstück und Haus zum Teil gut einsehbar sind. Doch abgesehen von einer dunkel gekleideten Gestalt auf der Straße und einem klirrenden Geräusch, das Nachbarn dem silvesterlichen Treiben zuordneten, haben die Nachfragen der Eichenseers bei den Nachbarn bislang nichts ergeben.

Die Täter mussten mit großer Wucht zuschlagen, um das doppelte Sicherheitsglas zu zertrümmern. - Foto: Eichenseer

Dass es noch keine konkreten Hinweise gibt, bestätigt Tina Hagen von der PI Nittendorf. Sie findet es außergewöhnlich, dass sich die Täter für ihren Einbruch das Haus in dem dicht bebauten und verwinkelten Wohngebiet aussuchten. Ihren Erfahrungen zufolge suchen sie sich eher Objekte mit besseren und schnellen Fluchtmöglichkeiten. Nach Auskunft von Hagen ist die Silvesternacht bundesweit bei Einbrechern durchaus beliebt. Im Einzugsbereich der PI Nittendorf war es beim diesjährigen Jahreswechsel jedoch der einzige Fall. Zu einem ähnlichen Vorfall war es allerdings am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages in Neutraubling gekommen. Auch dort brachen unbekannte Täter in ein Einfamilienhaus ein und nahmen genauso wie in Hemau vor allem Schmuck und Bargeld mit.

Nur die Eheringe sind geblieben

Der finanzielle Verlust ist für die Familie Eichenseer hier aber nur eine Seite. Wesentlich mehr trifft es sie, dass vor allem an einigen Schmuckgegenständen nicht zu ersetzende Erinnerungen hängen. Edith Eichenseer schmerzt es besonders, dass auch einige Erbstücke ihrer Eltern nicht mehr da sind, darunter die Eheringe. Reiner Zufall ist, dass ihr als einziger Schmuck ihre eigenen Eheringe, nebst der Armbanduhr, geblieben sind. Ganz gegen ihre Gewohnheit hatte sie sich am Silvesterabend dafür entschieden, die Ringe ausnahmsweise zu tragen.

Für Karl Eichenseer ist eines klar. Er wird jetzt an seinem Haus eine bessere Videoüberwachung installieren. „Ich will so etwas nicht noch einmal erleben“, sagt er. Zur Videoüberwachung rät auch die stellvertretende Nittendorfer Polizeichefin. „Das schreckt viele Täter ab – vor allem in Verbindung mit Bewegungsmeldern und Beleuchtung“, betont Tina Hagen und rät dazu, nicht nur die Eingangstüre, sondern auch Terrassentüren damit auszustatten. Über den Schutz vor Einbrechern informieren die Beratungsstellen der Polizei.