So spannend war die Bauphase des Further Festspiel-Drachen Fanny

Auch wenn Drache Fanny bei ihrem Erscheinen jedes Mal ein Erlebnis ist, so vergisst man doch leicht, welch technisches Wunderwerk sie ist. Auf der Internetseite der Unternehmensgruppe Zollner, wo der größte Schreitroboter der Welt entwickelt und gebaut wurde, ist der Vorgang minutiös dokumentiert.
Das Hauptprojekt Tradinno, ein Wortspiel aus Tradition und Innovation, startete im Jahr 2007. Fragt man den Drachen heute, was wir im großen Landesgartenschau-Sommerinterview getan haben, bevorzugt der Further Lindwurm allerdings den Namen Fanny.
Im Guinness-Buch verewigt
Zunächst standen detaillierte Berechnungen und Simulationen an. Dazu wurde die Software Simpack verwendet. Diese ermöglicht Mehrkörpersimulationen. Damit können bewegliche Teile eines Systems aufeinander abgestimmt und optimiert werden. Simpack wird häufig in der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrttechnik sowie im Schienenverkehr eingesetzt.
Lebensdauer, Dauerfestigkeit und Temperatur wurden simuliert. Ein 15-köpfiges Entwicklerteam, bestehend aus Experten aus den Fachbereichen Mechanik, Elektronik sowie Softwareentwicklung arbeiteten Hand in Hand. Mechanik-Konstruktion, Tragstrukturen, Antrieb und die zugehörigen Steuergeräte mussten berechnet und entwickelt werden.
Auf der Internetseite heißt es dazu wörtliche: „Zu den elektronischen Highlights des Tradinno zählt die Eigenentwicklung der Hard- und Software von neun modular aufgebauten Steuergeräten. Diese beinhalten jeweils zwei Prozessoren, den für die Regelung und Steuerung zuständigen digitaler Signalprozessor von Texas Instruments sowie einen Fujitsu Mikrocontroller für die Kommunikation.“ Die gewaltigen Ausmaße von Fanny (siehe unten), die ihr 2012 auch einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als größter vierbeiniger Schreitroboter der Welt einbrachten, bereiteten den Entwicklern schlaflose Nächte. „Die Lösung, sieben bewegliche Freiheitsgrade pro Bein, die sowohl Kurvengänge als auch den parallel versetzten Hundegang ermöglichen, begeistert Roboter-Spezialisten weltweit“, heißt es seitens der Zollner-Unternehmensgruppe.
Flügel mit Spannweite von zwölf Metern
Der Aufbau des Steuerungskonzepts in Verbindung mit dem mathematischen Schreit-Algorithmus ist demnach mittlerweile durch die Zollner Elektronik AG patentiert. Um das revolutionäre Innenleben zu schützen und den Further Drachen realistisch aussehen zu lassen, wurden Flügel mit einer Spannweite von zwölf Metern angebracht, 80 Liter Kunstblut in die Adern gefüllt und eine Polyurethan- und GFK-Haut verwendet. Polyurethane sind Kunststoffe- und -harze, als GFK bezeichnet man Fiberglas.
Das Team der Entwickler, unter der Führung des heutigen Further Bürgermeisters Sandro Bauer, bestand aus jungen Hochschulabgängern und erfahrenen Entwicklern. Die Herausforderungen waren immens, vor allem weil es damals nichts dieser Art gab und man daher keine Vergleichswerte hatte. „Hoher Kosten- und Zeitdruck erforderten eine enge Verzahnung von Projektleitung, Mechanik-, Elektronik- und Softwareentwicklung.
Fertigstellung im Jahr 2010
Diese Zwänge ermöglichten nur den Aufbau eines Prototypen. Größere Mängel mussten bereits in einer sehr frühen Entwicklungsphase entdeckt und beseitigt werden.“ Mit welcher Präzession gearbeitet wurde, zeigt auch der Umstand, dass Fanny im Jahr 2010 ausgeliefert wurde und bis heute brav ihren Dienst tut. Und wenn es doch einmal hakt, dann ist immer schnell eine Lösung gefunden.
Technische Daten
Fanny ist 15,5 m lang, 3,8 m breit und 4,5 m hoch. Sie hat ein Gesamtgewicht von elf Tonnen und wird von einem zwei Liter Turbodiesel mit einer mechanischen Leistung von 80 kW und einer elektrischen Leistung von zehn kW angetrieben. 65 animierte Achsen und 238 Sensoren verbunden durch 300 Meter Hydraulikleitungen, 1300 Meter elektrische Leitungen sowie 110 Meter Pneumatikleitungen verdeutlichen den Umfang des mechatronischen Systems. Quelle: zollner. de