Stephan Thomas will für die CSU neuer Bürgermeister in Schönthal werden

„Nach zwölf Jahren als Gemeinderatsmitglied und 30 Jahren als Bürgermeister war es an der Zeit, ja überfällig, dass ich aufhören werde.“ So umschrieb Schönthals Bürgermeister Ludwig Wallinger am Sonntag in der Klosterschänke bei der Nominierungsversammlung der CSU-Ortsverbände Döfering und Schönthal zur Aufstellung eines Bürgermeisterkandidaten seine kommunalpolitische Zeit.
Aus fünfeinhalb selbstständigen Gemeinden sei 1978 im Rahmen der Gebietsreform eine einzige gebildet worden. Seither stellte immer die CSU den Bürgermeister. Fünfmal hätten ihm die Wähler in seinem Bürgermeisteramt das Vertrauen ausgesprochen. Es habe in diesem Zeitraum insgesamt 35 verschiedene Gemeinderäte gegeben. In den ersten beiden Jahren habe man sich erst „zusammenraufen“ müssen. Was die eine frühere Gemeinde wollte, beanspruchte auch eine andere für sich. Doch nach zwei Jahren habe die Sacharbeit im Vordergrund gestanden.
Er sei zuversichtlich, dass es in der Gemeinde gut weitergehe und habe versucht, ein bestelltes Haus zu hinterlassen. Seinen Nachfolger zu bestimmen, sei eine ganz wichtige Entscheidung für die Gemeinde.
Christian Piendl, Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Döfering, hatte zuvor neben Wallinger auch den CSU-Vorsitzenden von Schönthal, Stephan Thomas, den Landratskandidaten Michael Multerer und 20 anwesende wahlberechtigte Mitglieder der beiden Ortsverbände begrüßt. Die Versammlung wählte einstimmig Piendl zum Wahlvorsitzenden sowie Hans Schneider und Martin Hupf zu Wahlhelfern. Die letzten Wochen und Monate, so Piendl, seien auch für ihn geprägt gewesen von Überlegungen, sich als möglicher Kandidat zur Verfügung zu stellen. Doch schlussendlich gebe es bei ihm beruflich eine Veränderung, die er ebenso wie das Bürgermeisteramt nicht einschätzen könne, wenn man sie gleichzeitig machen müsse: „Das Herzerl hätte ja gesagt, der Verstand nein, das funktioniert nicht.“ Als dann vor drei Wochen Thomas auf ihn zugekommen sei, dass er bereit wäre zu kandidieren, habe das seinen Entschluss bekräftigt.
Schwierige Zeit der Kandidatensuche
Auch Bürgermeister Wallinger sprach von einer schwierigen Zeit der Kandidatensuche. Umso mehr sei er froh, dass Thomas ihm vor 14 Tagen erklärt habe, die Herausforderung für das Amt anzunehmen. Dieser könne die Kommune zusammen mit einer neuen, jungen Mannschaft – acht von zwölf Gemeinderäten kandidieren nicht mehr – zukunftsfähig machen. Daher wünsche er sich von allen, diesem das Vertrauen zu geben. Stephan Thomas wurde dann auch als einziger Bürgermeisterkandidat vorgeschlagen.
In seiner Vorstellung bekannte der 45-Jährige aus Hiltersried, sich die Entscheidung zur Kandidatur nicht leicht gemacht zu haben. Es habe zwei Aspekte gegeben, zu denen er auch stehe. Zum einen ging es darum, das mit einem gewissen Zeitaufwand verbundene Bürgermeisteramt mit seiner jungen Familie (verheiratet und zwei Kinder mit sechs und neun Jahren) vereinbaren zu können, zum anderen als Oberstudienrat an der FOS/BOS Cham (seit September 2022) um die Koppelung Beruf und ehrenamtlicher Bürgermeister. Sport und Politik seien seine Hobbys.
Neben den Ehrenämtern als Kassier der FFW Hiltersried und als Beisitzer im Vorstand des OGV Hiltersried-Premeischl (jeweils seit 2024) sei er seit 2021 Trainer der G-Jugend bei der SG Schönthal/Premeischl und seit 2022 Jugendtrainer in der Tennisabteilung des TV Waldmünchen, zudem dort seit heuer Jugendwart. Im politischen Bereich war Thomas ab der Gründung des gemeindeübergreifenden JU-Ortsverbands Schönthal 2002 bis 2006 dessen Vorsitzender und von 2004 bis 2009 auch stellvertretender Kreisvorsitzender der JU. Seit 2009 ist er CSU-Ortsvorsitzender, seit 2011 stellvertretender Kreisvorsitzender und Bereichsvorsitzender für den nördlichen Landkreis. Beruflich war Thomas nach seinem Studium für das Lehramt Gymnasium in Regensburg ab 2001 und dem Referendariat dort ab 2008 als Studienrat an der FOS/BOS Schweinfurt (2010 bis 2015) und Schwandorf (bis 2022) tätig.
Brücken zwischen Jung und Alt bauen
In geheimer Wahl wurde Stephan Thomas bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung mit 18 Ja-Stimmen (90 Prozent) zum Bürgermeisterkandidaten nominiert. Er sehe sich, wenn er gewählt würde, als Teamplayer, hoffe auf engagierte Gemeinderäte, wolle auf alle Bürger zugehen, versuche, Brücken zwischen Jung und Alt und zwischen den politischen Extremen zu bauen, und wünsche sich, dass die Ortsteile weiter zusammenhalten. Wallinger habe ihm auch eine kleine To-do-Liste mitgegeben: die Kindergarten-Renovierung Hiltersried, die Kirchenrenovierung Schönthal, Parkplätze am Friedhof in Schönthal, einige Straßensanierungen und die Sanierung des Turnhallenkellers sowie Baugebiete in den Ortsteilen füllen. An mancher Stelle könne er sich auch vorstellen, neue Wege zu gehen, etwa historische Orte besser in Szene zu setzen.