Zwei Stunden Ausnahmezustand: Big Band bringt Café Zinnober in Bad Kötzting zum Beben

Von Mittelbayerische Zeitung · 29. Dezember 2025 um 17:00

Die Café Zinnober Big Band ist am zweiten Weihnachtsfeiertag im Café Zinnober in Bad Kötzting aufgetreten. Bandleader, Keyboarder und Pianist Hans Traurig junior hatte wieder eine hochkarätige Formation zusammengestellt. Das dritte Big Band Konzert der Neuzeit war mit Spannung erwartet worden, immerhin war die Show diesmal binnen sieben Minuten ausverkauft, berichtet Michael Irlbeck vom Café Zinnober.

So konnte man am zweiten Weihnachtstag abends die freudige Erwartung mit Händen greifen. Und die Band lieferte ab: Als um Punkt 22 Uhr die ersten Töne von „Paradise City“ erklangen, war das Publikum sofort im Boot. Das Leadgesang-Trio Carolin Juretschka, Katharina Klingseisen und Michael Kurnoth zeigte schon einmal, wohin die musikalische Reise die kommenden gut zwei Stunden führen sollte.

Mit „Easy Lover“ und „Don’t Stop Me Now“ ging es zur Seven Nation Army, als die Horn Section mit Simon Miethaner (Trompete), Annabell Prager (Trompete) und Daniel Huber (Saxophon) erstmals in größerem Umfang ins Geschehen eingriff. Die Stunde von Percussionist Mathias Schindlmeier schlug spätestens bei „Africa“ – ein gefühlvolles Stück für Genießer.

Rau wie Ike & Tina Turner

Als Anmoderation zur nächsten Nummer kündigte Katharina Klingseisen an, ‘nice und rough‘ wie Ike & Tina Turner’ zu spielen: „that’s the way we do Proud Mary“. Sprach‘s und ab ging die stolze Maria. Die Rhythmusgruppe um Bassist Philipp Houben und Andreas Adlhoch am Schlagzeug setzte den Kessel dermaßen unter Dampf, dass sich selbst der Weiße Regen zumindest für diesen Abend wie der Mississippi fühlen konnte.

Nach diesem Ausflug in die Südstaaten bilden die beiden Gitarren von Michael Gleißner und Matthias Kilger das rockige Bett für „Like The Way I Do“, ein Paradestück für Carolin Juretschka. Danach erklangen ganz sanft und zart die ersten Töne von „Man In The Mirror“, nur um sich zu der epischen Pop-Hymne auszuwachsen, die das Stück von Michael Jackson darstellt.

Starke Gesangsbesetzung (v. l.): Katharina Klingseisen, Michael Kurnoth, Carolin Juretschka - Foto: Christoph Serwuschock

Gegen Mitte der Show entern traditionell The Blues Brothers & Kyb Kalloway die Bühne. Das mittlerweile euphorisierte Publikum empfing Michael Irlbeck, Thomas Kybelksties und Philipp Lang mit frenetischem Applaus. Die drei gaben den Klassiker „Everybody Needs Somebody To Love“ zum Besten. Kenner sprechen gesanglich auch von einer leichten Verbesserung zu den Vorjahren. So durfte die obligatorische Zugabe „Heiße Nächte in Palermo“ nicht fehlen.

Nächstes Stück: „Bohemian Rhapsody“. Schwierig zu spielen und noch schwieriger zu singen. Da müssen alle ran und eine Glanzleistung liefern. Jetzt entscheidet sich, ob aus einem guten Abend ein grandioser werden kann. Das Wagnis gelingt. Richtig gut gemacht und abgeliefert. Jetzt passt zwischen Band und Publikum kein Notenblatt mehr.

Bandleader Hans Traurig jr. in Aktion - Foto: Markus Ziesche

Die Gunst des Augenblicks nutzt Carolin Juretschka und holt sich die Zinnoberettes auf die Sänger-Bühne: Daniela Torwarth, Katrin Multerer, Dr. Genoveva Brandl und Carolins Schwester Susanna Falter schmettern mit dem Publikum „We Are Family“. Das ist ein gefundenes Fressen für Michael Kurnoth, der mit Band und kraftvollem Bläsersatz bei „September“ das Publikum gesangsstark in Stimmung hält. „Uptown Funk“ und „So Lonely“ passen jetzt genau. Mitten im bayerischen Winter geht es danach aber zurück in den italienischen Sommer: „Un’ estate Italiana“ singt jeder mit. Notte Magica!

Im Schlussdrittel haben die Musiker nun einen Genussauftritt auf Wolke sieben. Bisher hat alles geklappt, die Spielfreude ist daher unermesslich. Das begeisterte Publikum trägt die Band durch den Abend. Ob „Rebell Yell“, „Rock In Black“, „Kids“ oder „Somebody To Love“ – jedes Stück wird zelebriert und vom Publikum gefeiert. Soli bereichern die Show. „Saxmachine“ Daniel Huber sorgt immer wieder für Begeisterung. Dennoch geht auch der schönste Abend einmal zu Ende. Mit „Addicted To Love“ führen die Musiker zum letzten Stück: Grönemeyers „Alkohol“ bildet den Rahmen zur Vorstellung der Band, bei der jeder einzelne Musiker noch einmal kräftigen Applaus bekommt.

Dreimal Zugabe der begeisterten Fans

Die begeisterten Fans wollen die Band aber nicht so einfach von der Bühne lassen. Und so kommt es zu drei Stücken Zugabe. „Urgent“ bildet den Auftakt. Einmal mehr werden die Musiker nach Leibeskräften vom Publikum unterstützt. Danach greift Kathi zu ‚ihrem‘ Klassiker „Nutbush City Limits“, ehe Mich Kurnoth und Caro mit „Up Where We Belong“ den Sack emotional endgültig zumachen. Alle im Raum sind selig.

The Blues Brothers & Kyb Kalloway mit (von links): Michael Irlbeck, Thomas Kybelksties, Philipp Lang - Foto: Jakob Gleißner

In diese Atmosphäre passt auch, dass die Band mit Freude verkündet, bereits im Sommer 2026 für ein Open Air Konzert in den Kötztinger Kurpark zurückzukehren. Und in den Schlussapplaus setzt DJ Thomas Stammberger schon die ersten Klänge der Afterparty, die bis zum frühen Morgen dauert und Publikum und Band gemeinsam tanzen lässt.