30. Geburtstag: Kult-Café Zinnober feiert in Bad Kötzting große Party

Von Christina Hainzinger-Feigl · 23. September 2023 um 05:00

An diesem Samstag wird in der Kötztinger Institution Zinnober Geburtstag gefeiert. Betreiber Michael Irlbeck blickt auf bewegte Zeiten zurück.

Da gibt’s so ein Gerücht – dass Sepp Zach den Spitznamen „Zinnober Sepp“ hatte. Zach, einst eine bekannte Szenegröße in Kötzting, hat 1993 in der Bahnhofstraße das Café Zinnober eröffnet – eventuell kommt daher der Name, sagt Michael Irlbeck, der heute zusammen mit Philipp Lang das Zinnober betreibt. An diesem Samstag feiert die Bad Kötztinger Institution das 30-Jährige – wie immer ab 22 Uhr und natürlich im Zinnober.

Abriss und Neuanfang, Postkarten-Werbung und Social Media, Corona und jede Menge „sagenhafte Geschichten, die wir jeden Abend erleben“. Aber: „Es ist Ehrensache, dass man nicht öffentlich über nächtliche Begebenheiten spricht“, sagt Irlbeck. In 30 Jahren ist viel passiert. „Was aber immer noch gleich ist: Die Leute kommen ins Zinnober, um Spaß zu haben, das ist in allen Generationen gleich geblieben.“

Eine Krise und Corona

Doch von vorne: Wo heute das Sinocur steht, machte Sepp 1993 das Café Zinnober auf. Zusammen mit Mitgliedern seiner Familie betrieb er es bis etwa 1996. Vier Jahre später taten sich Michael Irlbeck, Philipp Lang und Thomas Kybelksties zusammen und eröffneten am 21. September 2000 das Zinnober neu. „Unser Pachtvertrag ging bis 2002“, erinnert sich Irlbeck. Die Krise, die danach kam, bezeichnet Irlbeck als mindestens so schlimm wie die Coronazeit: Die Gebäude in der Bahnhofstraße wurden abgerissen, monatelang wurde vergeblich nach einem neuen Quartier gesucht.

Im Sommer waren Irlbeck und Lang – Kybelksties wollte sich auf sein Studium konzentrieren – so weit, „dass wir aufgeben wollen“. Dann kam das Angebot von Michael Herre sen. Er hätte da ein Kohlenlager in der Arnbrucker Straße... „Das hatte nur zwei Seitenwände und ein Dach drauf – keinen Boden, keine Toiletten, es war nichts ausgebaut – aber wir waren sofort Feuer und Flamme.“ Zudem sei die Lage, gleich in der Nähe der damaligen Diskothek Flash, ideal gewesen.

Philosophie der Betreiber

In einem Vierteljahr machte Vermieter Herre die Halle nutzbar und die Mieter Lang und Irlbeck kümmerten sich um den Innenausbau. Am Wochenende vor Weihnachten 2002 eröffnete das Zinnober an der Arnbrucker Straße. Fun Fact am Rande: Ebenfalls am Wochenende vor Weihnachten machte das Duo Lang-Irlbeck später das Zinnober in Cham sowie den Mia Nightclub in Cham auf – „nicht aus Tradition, sondern weil das unsere Philosophie ist: aufzusperren, wenn die Leute weggehen. Und das tun sie vor, nicht nach Weihnachten“, sagt Irlbeck.

Heute gehört zu den beiden Zinnobern und dem Mia auch das Heart in Regensburg. In den vier Betrieben arbeiten rund 150 Leute, 100 davon als Angestellte, die übrigen über Dienstleistungsanbieter (etwa Security) oder als Selbstständige (zum Beispiel Discjockeys). Als Clubbetreiber sei es wichtig, die richtigen Leute fürs Team zu finden, die Spaß an der bisweilen auch anstrengenden Arbeit im Club hätten und diesen Spaß auch an die Gäste vermittelten. „Das gelingt uns zum Glück sehr gut.“

Michael Irlbeck verspricht, dass während der Jubiläumssaison viele Highlights auf dem Zinnober-Programm stünden. Viele Besucher werden bestimmt davon Fotos machen – neben Social Media-Accounts hat das Zinnober auch freies WLan. Als früher gefeiert wurde, seien nicht jeden Abend Hunderte von hochauflösenden Foto-Handys dabei gewesen, „so dass nicht immer die Gefahr bestand, dass die eine oder andere Peinlichkeit sofort in den sozialen Medien zu bestaunen war“. Früher sei das Nachtleben analog gewesen. Zu Werbezwecken wurden bis weit in die 2000er Postkarten an die Gäste verschickt. „Da war vorne immer ein schönes oder lustiges Zinnober-Motiv drauf und hinten standen Adresse und Infos für die anstehenden Events. Das war sehr mühsam, aber auch irgendwie schön.“ Heute feiere er privat etwas ruhiger als früher, sagt Michael Irlbeck. Aber: „Wenn’s mal richtig Party sein soll, führt am Kötztinger Café Zinnober kein Weg vorbei.“

Die Betreiber Philipp Lang (l.) und Michael Irlbeck 2003 am Mikrofon der Zinnober-Big Band
Thomas Kybelksties (heute The Horsetown Club) war in der Bahnhofstraße der dritte Betreiber im Bund.
Kickerturnier in der Bahnhofstraße: Das Zinnober ist auch für Veranstaltungen bekannt – wie die Zinnober-Big Band, deren Re-Union für das 20. Bühnenjubiläum an Weihnachten im Gespräch ist.
Thekentanzen – früher üblich (das Foto stammt aus dem Jahr 2002), heute eher weniger. „Heute haben wir Tanzflächen“, sagt Michael Irlbeck. Fotos: Michael Irlbeck/Philipp Lang