Nach Wiesn-Besuch: Arnschwangs Bürgermeister erlebt Bahn-Odyssee – „Meine letzte Zugfahrt“

Von Alexander Frimberger · 22. September 2023 um 11:25

Was als schöner Ausflug nach München zum Oktoberfest begann, endete für 31 Zugfahrgäste mit einem echten Ärgernis. Sie strandeten am Bahnhof in Schwandorf, aus dem sie schließlich auch noch rausgeworfen wurden. Mittendrin im Bahn-Chaos: Michael Multerer, der Bürgermeister von Arnschwang im Landkreis Cham.

„Wir sind in Regensburg mit ein wenig Verspätung angekommen“, erzählt der wohl prominenteste Bahnfahrer der Runde. Weil die Strecke von dort nach Schwandorf nicht elektrifiziert ist, sei man informiert worden, dass eine Lokomotive aus Tschechien erwartet wird.

Am Bahnhof in Schwandorf gestrandet

Die ließ aber auf sich warten. Es gab eine Durchsage im Abteil, dass der Anschlusszug in Schwandorf wartet. „Da hat sich natürlich niemand darum gekümmert, dass er vom Bahnhof in Schwandorf abgeholt wird.“ Später erfolgte eine weitere Durchsage, dass der Anschlusszug doch nicht wartet. Die Zugbegleiter haben in Regensburg die Fahrgäste noch mal durchgezählt – das soll es dann gewesen sein. Als die Schicksalsgemeinschaft schließlich in Schwandorf ankam, stand man alleine auf weiter Bahnsteigflur. Inzwischen war es 23 Uhr, erste Telefonate wurden geführt, Taxis kontaktiert. „Eine Gruppe aus Arnschwang hat mir heute erzählt, sie haben 160 Euro für die Fahrt von Schwandorf nach Hause bezahlt.“ Zwischenzeitlich kamen Beamte der Bundespolizei vorbei und wunderten sich, dass die Zugbegleiter keine Taxischeine ausgegeben hatten.

Doch auch damit war die Odyssee noch nicht vorbei. „Um 1 Uhr morgens kam ein Mitarbeiter der Bahn und hat uns aus dem Bahnhof geworfen. Er muss jetzt zusperren, hat er zu uns gesagt“, berichtet Multerer. Eine weitere Mitfahrerin erzählt, dass ein Mann sich weigerte, den Bahnhof zu verlassen. Der wurde dann zunächst eingesperrt und erst auf wiederholtes lautes Klopfen frei gelassen. „Wir standen auf der Straße und haben gefroren“, so Multerer.

Letztlich konnten alle 31 Reisenden irgendwie ein Taxi oder Privatpersonen organisieren, die die Gestrandeten wohlbehalten nach Hause gebracht haben. „Eigentlich hätte ich um 0.03 Uhr in Arnschwang sein sollen. Es war dann 2.30 Uhr morgens“, sagt Multerer. Alle die dabei waren sind seit vielen Jahren mit dem Zug unterwegs. Ihnen wird es so gehen wie dem Arnschwanger Rathaus-Chef: „Das war meine letzte Zugfahrt.“

Laut Katerina Hagen, Pressesprecherin der Länderbahn, bedauert das Unternehmen den Vorfall und den entstandenen Vertrauensverlust aufrichtig. „Wir können uns bei den Fahrgästen nur in aller Form für diese Unannehmlichkeiten entschuldigen. “

Hagen bestätigt den beschriebenen Vorgang und ergänzt: „Da der Anschlusszug der Oberpfalzbahn RB 27 (ab Schwandorf 23.17 Uhr) der letzte des Tages ist, hatten unsere Fahrpersonale gebeten, dass dieser trotz der hohen Verspätung auf den alex aus München wartet. Das Verfahren dazu ist in diesem Falle folgendermaßen: Da beide Linien von der Länderbahn betrieben werden, erfolgte zunächst die Mitteilung an unsere Betriebsleitzentrale, die dann schon mal das Personal auf der Oberpfalzbahn in Kenntnis gesetzt hat und zweitensmuss zwingend eine Freigabe zur verspäteten Abfahrt durch die zuständige Betriebsleitzentrale des Infrastrukturbetreibers DB Netz (hier München) erfolgen. Leider war aus noch nicht geklärten Gründen die Betriebsleitzentrale der DB Netz in München zu diesem Zeitpunkt telefonisch nicht erreichbar, und es erfolgte dann die Anweisung der lokalen Fahrdienstleitung der DB Netz in Schwandorf zur Abfahrt der Oberpfalzbahn mit fünf Minuten Verspätung. Dem hat der Triebfahrzeugführer dann ebenfalls zwingend Folge zu leisten. Wir haben deshalb heute Beschwerde eingelegt bei der DB Netz München. “

Rückerstattung möglich

Katerina Hagen erklärt weiter, dass trotz der Bemühungen, einen Busnotverkehr zu organisieren, dies so kurzfristig nicht möglich war. „Daraufhin versuchte man, alternativ Taxis zu bekommen. Lediglich ein Fahrzeug stand schließlich dafür zur Verfügung. In diesem Fall, da es der letztmögliche Anschluss war und es keine Alternative gibt, hat der Fahrgast das Recht, Kosten für eine Hotelübernachtung über die Fahrgastrechte geltend zu machen. Auch die Kosten für eine Abholung mit dem Auto können geltend gemacht werden.“

Es gibt bei der Länderbahn laut Hagen eine ständig erreichbare Notfallnummer des Servicecenters: 089/548889725.

Arnschwangs Bürgermeister Michael Multerer Foto: Frimberger
Müde und genervt am Bahnhof in Schwandorf. Foto: Michael Multerer