Regensburgs Baulandmodell in der Kritik: Wäre ein Augsburger Weg die Alternative?

Zehn Regensburger Bauträger schrieben einen Brandbrief an die Stadt, weil die Fördertöpfe für geförderten Wohnraum leer sind, aber die Nachfrage nach Wohnungen groß. Einer der Bauträger erwähnte dabei, dass die Stadt Augsburg von ihrer Sozialquote absehen würde, wenn die Töpfe leer sind. Wir haben nachgefragt in der Metropole am Lech.
Das Thema Wohnen hat in Regensburg den Wahlkampf erreicht. Nicht zuletzt durch einen Brandbrief von Bauträgern und Baufinanzierern, die vor einer Katastrophe auf dem Mietmarkt warnen. Fakt ist: Derzeit erlebt die Stadt eine Gentrifizierung des Mittelstands. Zunehmend wird es schwierig, erschwinglichen Wohnraum zu finden. Auf ein Hindernis haben die Bauträger und Baufinanzierer in dem Brandbrief im November hingewiesen: Das Regensburger Baulandmodell sieht vor, dass 40 Prozent geförderter Wohnraum zu errichten sind.
Von 100 Neubau-Wohnungen müssen 20 Wohnungen im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung für die Einkommensstufen I und II und 20 Wohnungen für die Einkommensstufe III erstellt werden. Gegenfinanziert wird dies auch durch Fördergelder. Diese werden von der Regierung der Oberpfalz vergeben. Das Problem ist nur: Die Töpfe sind leer. Die Förderung sieht vor, einmalig 500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zu erhalten, zudem werden Nachhaltigkeits- und Energieeffizienz-Zuschüsse von bis zu 300 Euro pro Quadratmeter gewährt, die ein Bauträger errichtet.
Auch Immobilienexperten sehen in den leeren Fördertöpfen ein Problem. Tobias Just vom Immobilieninstitut Irebs an der Uni Regensburg teilte beispielsweise auf Anfrage mit: „Die gekürzten Fördermittel sind deswegen natürlich ein Problem, weil sie in einer Phase kommen, in der die Bau- und Immobilienbranche die Kosten- und vor allem Zinssteigerungen nicht vollständig verdaut hat.“ Insofern seien „die gestrichenen Mittel nicht das einzige, wohl aber ein durchaus nachvollziehbares zusätzliches Moment für die Branche. Die hohe Zahl der Genehmigungen spricht dafür, dass der Bedarf noch hoch ist“. Die Bauträger hatten in ihrem Brief argumentiert, dass es zwar derzeit knapp 1500 zur Förderung anstehende Wohnungen gebe – bei der derzeitigen Praxis diese aber erst in den kommenden neuneinhalb Jahren gebaut werden könnten. Der Regensburger Wohnungsmarkt lechzt aber geradezu nach viel mehr neuem Wohnraum.
Einer der Unterzeichner des Briefs, Bauträger Ferdinand Schmack, hatte im Gespräch mit dieser Zeitung auf Augsburg verwiesen. „Die schickt die Bauträger zur Regierung. Wenn die kein Geld mehr hat im Fördertopf, dann stellt sie die Bauträger von dem Baulandmodell frei“, sagte Schmack Ende November zur MZ. Eine Nachfrage bei der Stadt Augsburg ergab: Ausnahmen sind möglich, aber unter Bedingungen.
Zunächst einmal vorab: Auch in Augsburg sind die Fördertöpfe leer.Eine Sprecherin der Stadt Ausgburg auf eine MZ-Anfrage
„Zunächst einmal vorab: Auch in Augsburg sind die Fördertöpfe leer“, so eine Sprecherin der Stadt Augsburg. Auch in der Stadt am Lech habe man also die Situation wie in Regensburg. Auf die Frage hin, ob es zutrifft, dass man in Augsburg bei fehlender Förderzusage tatsächlich auf die Errichtung von geförderten Wohnungen verzichtet, antwortet die Sprecherin: „Kurzerhand lassen wir solche Ausnahmen allerdings nicht zu. Steht diese Situation der Umsetzung von Projekten im Weg, muss immer im Einzelfall geprüft werden, was machbar ist.“
In Augsburg gilt eine Quote von 30 Prozent, dort fordert die Stadtpolitik also weniger geförderten Wohnraum von den Bauträgern ein. Doch die Sprecherin bestätigt, dass es Ausnahmen gibt: „Ausnahmen hinsichtlich des oben genannten Grundsatzbeschlusses benötigen grundsätzlich die Zustimmung durch städtische Gremien – sei es vom zuständigen Ausschuss oder vom Stadtrat.“