Im Malerhandwerk ist sie eine Wucht: Anna Kießlinger aus Maxhütte-Haidhof

Anna Kießlinger ist 21 alt, was allein keine Nachricht ausmacht. Dazu ist sie allerdings Maler- und Lackierergesellin, und das mit besonderem Talent. Schließlich war sie im zu Ende gehenden Jahr in ihrem Handwerk die Beste aus ihrem Jahrgang, sprich Kammersiegerin im Bereich der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz.
Mit diesem Sieg ist nicht nur Ehre verbunden, wie sie sich freut, sondern auch eine Begabtenförderung. Das beginnt bei einem Zuschuss für die Meisterausbildung, über die Möglichkeit von Auslandspraktika bis hin zu besonderen berufsbegleitenden Seminaren.
Die junge Frau ist erblich vorbelastet und wird die dritte Generation von Kießlinger nach Großvater und Vater. Für viele andere in ihrem Alter ist diese Berufswahl kein selbstverständlicher Gedanke. Im Malerbereich waren es von über 20 Auszubildenden zu Beginn sechs Frauen, wie sie erzählt. Zwar steige langsam der Frauenanteil, doch es werde noch lange dauern, bis sich das angleiche.
Überhaupt stellt sie fest, was die Kammern immer beklagen, die Lust auf eine Lehre im Handwerk lässt immer mehr nach. „Die Leute gehen lieber ins Büro und können vielleicht noch aus dem Homeoffice heraus arbeiten.“
Machos bietet sie selbstbewusst die Stirn
Den Mangel an Bewerbern kennt sie auch aus dem heimischen Betrieb. Seit über einem halben Jahr suche man beispielsweise nach einem Vorarbeiter. Frauen würden so gesehen im Handwerk dringend gebraucht. Allerdings, wenn man ihr zuhört, hat sich das noch nicht überall rumgesprochen. Es gebe immer noch Baustellen „da denkst du dir, das ist jetzt nicht dein Ernst“.
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Beispielsweise als ein Lastwagen-Fahrer Material in den heimischen Betrieb liefern sollte und bei der Einweisung zur Anfahrt meinte: „Von einer Frau lasse ich mir gar nichts sagen.“ Oder ein Architekt, der Kießlinger auf der Baustelle wie Luft behandelt hat. Wobei sie lächelnd, mit Blick auf den von ihr gewonnenen Wettbewerb hinzufügt: „Der Landespreis Bayern für die beste Malerin ging zwölfmal hintereinander an eine Frau.“
Der Beruf passt zu ihrem Charakter
Einfach sind solche Wettbewerbe nicht wenn man ihr zuhört. Mit ein paar Pinselstrichen ist da nichts getan. Farbtheorie, Umweltverträglichkeit, Objektdesign, Zeitmanagement, all das beinhalten diese Sonderprüfungen.
Trotzdem war für sie der Grund, die Familientradition fortzuführen, nicht, weil man das halt so macht, sondern weil der Beruf zu zwei Charakterzügen von ihr passt, die sich in diesem Handwerk ergänzen: Kreativität und praktische Arbeit mit den Händen.
Schon als kleines Mädchen habe sie gern gezeichnet, gebastelt, aber auch mit dem Papa Malerarbeiten gemacht, berichtet sie. Es folgten der Kunstzweig der Realschule Burglengenfeld und zwei Jahre Fachoberschule Weiden, Gestaltungszweig. Dazu hat ihr als Ergänzung, ebenfalls schon in der Schule, das Werken Spaß gemacht, die Arbeit mit konkreten Objekten: „Das Erschaffen von Neuem.“ Sie vergleicht das mit der Arbeit ihres Freundes, der ITler ist: „Wenn ich etwas mache, dann habe ich etwas in der Hand, dann sehe ich es.“ Die Arbeit ihres Freundes dagegen passiere im Hintergrund. Keiner denke bei einer Website daran, wie beispielsweise ein bestimmter Effekt zustande kam. Bei einer besonderen Wand hingegen denke der Betrachter sofort an die Gestaltungstechniken.
Viel mehr als das Streichen von Wänden
Von ihrem Berufsbild kann die junge Frau regelrecht schwärmen. Im Gespräch ist die Begeisterung präsent. Tatsächlich ist es auch wesentlich umfangreicher als der durchschnittliche Laie beim Begriff Maler denkt.
„Das ist heute nicht mehr nur das Streichen von Wänden“. Zum Bereich Maler gehöre Trockenbau, Bodenbelag, Akustikdecken, Wärmedämmung und auch Brandschutz. Wenn das an Aufgaben nicht reicht, findet Kießlinger im Betrieb noch mehr Herausforderungen wie Fließen- und Pflasterlegen oder Türen setzen.
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Zur Wahrheit gehört auch, dass die körperliche Belastung höher ist als im Bürostuhl. Auch für eine Frau sei das aber gut zu meistern. „Dass ich eine Arbeit nicht ausführen konnte, weil mir dafür Kraft oder Ausdauer gefehlt haben, das hatte ich noch nicht“, berichtet Kießlinger. Jedoch nicht immer könne der Pinsel auf die Minute genau aus der Hand gelegt werden.
Für die Zukunft wünscht sich die junge Frau mehr Kolleginnen: „Männer sind doch etwas mehr die Grobmotoriker. Motto: Das passt schon. Schickt man eine Frau auf die Baustelle sind selbst die penibelsten Kunden zufrieden.“ Außerdem tue es auch der Ausdrucksweise gut, wenn Frauen auf Baustellen häufiger zu finden wären.