Wenn das Alleinsein weh tut: So hilft Regensburg gegen die Einsamkeit

Ein Drittel der Deutschen fühlt sich zumindest teilweise einsam – ein Gefühl, das durch die Feiertage meist noch verstärkt wird. In Regensburg gibt es zahlreiche Initiativen gegen Einsamkeit.
Wie viele Regensburger einsam sind, vermag die Stadtverwaltung auf Anfrage nicht zu sagen - wie auch? Nicht jeder Mensch meldet sich bei den Behörden, wenn er sich allein fühlt. Klar ist: Einsamkeit betrifft alle Generationen – die älteren aber ganz besonders. Nach Erfahrungen der Stadt sei das allerdings kein Automatismus, sagt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra. „Aber Begleitfaktoren wie Pflegebedürftigkeit, eingeschränkte Mobilität, Care Arbeit, Altersarmut, Migrationserfahrungen sowie Altersdiskriminierung führen dazu, dass die soziale Teilhabe nicht mehr gewährleistet ist und Menschen sich auch subjektiv einsam fühlen.“
Telefonseelsorge in Regensburg: Anrufer in Not
Das Seniorenamt der Stadt hat zahlreiche Angebote für einsame Menschen – darunter Treffpunkte in verschiedenen Vierteln. „Die Angebote der Stadt sind kostenlos. Auch Menschen, die über wenig finanzielle Ressourcen verfügen, können teilnehmen. Insgesamt werden die Angebote sehr gut angenommen.“
Solche Initiativen sollen Einsamkeit strukturell verhindern – bei akuten Problemen ist es ratsam, bei der Telefonseelsorge unter den Nummern (08 00) 1 11 01 11 oder (08 00) 1 11 02 22 anzurufen. Die Seelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei zu erreichen. Michaela Fröhlich von der Telefonseelsorge sagt: „Etwa jede vierte Person, die uns anruft, erlebt Einsamkeit.“ Manchmal würden diese offen benannt, manchmal zeigten sie sich erst im Hintergrund anderer Probleme. „In allen Fällen geht es um Menschen, die Kontakt suchen und gehört werden möchten.“ Die Ehrenamtlichen von der Telefonseelsorge hören aufmerksam zu, begegnen ihrem Gegenüber mit echtem Interesse und großem Verständnis für die jeweilige Lebenssituation, sagt Fröhlich. „Durch diese zugewandte Haltung entsteht ein Raum, in dem sich Anrufende gesehen und ernst genommen fühlen.“
Nicht selten sei die Telefonseelsorge der einzige Ort, an dem Menschen jemanden haben, der ihnen zuhört. „Schon die Möglichkeit, mit einem anderen Menschen sprechen zu können, kann in solchen Momenten eine große Hilfe sein.“ Dabei sei Einsamkeit kein Altersproblem. „Das Thema betrifft immer mehr unterschiedliche Lebensphasen.“ Auch junge Menschen erlebten zunehmend, wie schwer es sei, jemanden zum Reden zu finden.
Der fatale Griff zur Flasche: So führt Sucht in die Einsamkeit
Einsamkeit betrifft auch Menschen aus bestimmten Milieus – zum Beispiel Suchterkrankte oder Obdachlose. Marion Santl ist Leiterin der Caritas Suchthilfe. „In der Suchtberatung merken wir, dass immer mehr Menschen kommen, um der Einsamkeit entgegenzuwirken und der zunehmenden Langeweile zu entfliehen.“ Ihre Kollegin Monika Gerhardinger, Suchtberaterin und verantwortlich für das Betreuungsangebot für Senioren, ergänzt: „Einsamkeit wird häufig als Grund für erhöhten Alkohol- oder auch Medikamentenkonsum genannt, beispielsweise als Trostspender, um sich was Gutes zu tun, oder um vermeintlich besser einschlafen zu können.“ Gleichzeitig verstärke ein Alkohol- und Medikamentenproblem oft die Einsamkeit, betont Gerhardinger. „Aus Scham oder aus der Angst heraus, entdeckt zu werden, ziehen sich viele zurück oder ihre Mobilität nimmt dadurch noch mehr ab.“ Das betreffe auch Angehörige, die sich einsam oder allein gelassen fühlten.
Die FreiwilligenAgentur Regensburg ist in zweierlei Hinsicht eine Anlaufstelle für Menschen, die sich einsam fühlen. Sie bringt Leute, die helfen wollen, mit Menschen zusammen, die Hilfe brauchen. Leiterin Maria Simon ist überzeugt: „Freiwilliges Engagement fördert den Zusammenhalt.“ Zu Helfen beuge mitunter auch Einsamkeit vor. Simon berichtet davon, dass sie in Gesprächen mit potenziellen Ehrenamtlichen immer wieder höre, dass die Menschen soziale Kontakte suchen. „Es ist eine Win-Win-Situation.“ Das Angebot der FreiwilligenAgentur, deren Träger der Paritätische Bezirksverband ist, ist dabei sehr breit. Auf einer Engagementbörse auf der Webseite können Ehrenamtliche einsehen, welche Stellen es gibt. Zudem können sich Organisationen, die nach Ehrenamtlichen suchen, melden.