Gebäude mit langer Geschichte: Aus Waisenhaus und Frauengefängnis entstehen neue Wohnungen

Das Haus mit der Adresse Brunnleite 1 an der Regensburger Weinlände blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. In dem Bau unmittelbar an der Donau waren zum Beispiel schon Waisen und Frauen untergebracht. In den kommenden Jahren wird das Gebäude zu einer Großbaustelle: Das Unternehmen Gruber Wohnbau saniert das Haus umfassend.
Im Jahr 1107 ist erstmals eine Bebauung an der Adresse erwähnt, seither hat das Gebäude mehrere Metamorphosen erlebt. Es wurde an- und überbaut – und auch der Zweck des Hauses änderte sich mehrfach. 1467 ersteigerte die Stadt das Gebäude, dass bis dahin ein Hof war. In der Folge wurde es als Getreidestadl und Torhaus genutzt. 1723 wurde das Haus umgebaut und diente als Armenhaus der Freien Reichsstadt Regensburg – allerdings nur zwei Jahre lang. 1725 zogen einerseits Waisen ein – andererseits wurde es auch ein Zuchthaus für Frauen. Eine Kombination, die durchaus für Ärger sorgte. Es ist beispielsweise überliefert, dass die weiblichen Gefangenen den Waisen bestimmte Sprüche beibrachten, die – nun ja – nicht besonders vornehm waren.

Knapp 100 Jahre später verwandelte sich das Haus erneut, das königliche Militär-Lazarett zog 1809 ein. Wer heute durch das Gebäude schreitet, fühlt sich in den Gängen bisweilen noch an ein Spital erinnert. 1893 wurde das Gebäude schließlich an die Familie Kaiser verkauft. Im Erdgeschoss errichtete diese eine Schlosserei – und im Haus selbst wurde stetig etwas hinzugebaut, Mieter zogen ein. 2025 endete dieses Kapitel in der Geschichte des Hauses schließlich. Die letzten Menschen verließen das Gebäude, nun steht es leer – das soll sich allerdings recht bald wieder ändern.
Neue Wohnungen in Regensburg geplant: „Es ist eine Herausforderung.“
Denn: Die Firma Gruber Wohnbau hat das Haus erworben und wird es komplett renovieren. Karlheinz Gruber, einer der beiden Gesellschafter und Geschäftsführer, hat seit geraumer Zeit ein Auge auf das Anwesen geworfen: „2010 gab es die ersten Kontakte.“ Sein Unternehmen hat bereits mehrere Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft renoviert – dabei wurde er auf die Brunnleite 1 aufmerksam. „Mich beeindruckt die Dominanz des Gebäudes. Dieser Glockenturm, die Uhr auf dem Dach – aber auch die Größe.“ Das reize ihn als Unternehmer natürlich. „Es ist eine Herausforderung.“ Das Gebäude hat 2400 Quadratmeter und ist damit das größte Projekt in der Geschichte seiner Firma. Es sollen 35 Wohnungen entstehen.
Die jahrhundertalte Historie des Gebäudes sei dabei genau das Spannende an seinem Vorhaben. „Man erhält Altes am Leben.“ Klar sei allerdings auch, dass das Haus in keinem guten Zustand ist. „Wir wollen dem Gebäude neuen Charme verleihen.“ Nur: Wo fängt man da an? „Zunächst kommen die ganzen Laminatböden raus.“ Dann folgen die Holverkleidungen und die Türen. Eine besondere Herausforderung sind die Fehlböden in dem Gebäude. Die Hohlräume zwischen den Stockwerken wurden früher mit Erde oder Bauschutt gefüllt – das sei allerdings nicht mehr zeitgemäß, sagt Gruber. „In den Böden halten sich Larven von Insekten.“ Wenn geheizt wird, fingen die Larven dann zum Leben an – ungünstig für die künftigen Bewohner. Daher wird die Erde ausgeschaufelt.
Luxus ist nicht, dass ich einen neuen Boden, neue Türen oder neue Bäder einbaue.Karlheinz Gruber, Wohnbau Gruber
Das Unternehmen plant, die markanten Züge des Gebäudes, also unter anderem die beiden Türme mit Glocke und Uhr, zu erhalten. Auch der namensgebende Brunnen im Innenhof bleibt. Die Wohnungen sollen allerdings Balkone bekommen, von denen man auf die Donau blicken kann. Eine Luxussanierung? Gruber protestiert vehement. Von dem Begriff hält er nichts. „Beim Luxus geht es wirklich ums Eingemachte. Luxus ist nicht, dass ich einen neuen Boden, neue Türen oder neue Bäder einbaue.“ Seine Firma plane eine zeitgemäße Sanierung. „Wenn jemand mehr will, machen wir das natürlich schon.“

Ein halbes Jahr habe seine Firma an den Plänen für die Brunnleite 1 gearbeitet. Das Alter des Gebäudes spielt dabei eine große Rolle, erläutert Christian Hendrik Wagner von der Gruber Wohnbau. Es laufen Untersuchungen an der Bausubstanz. „Was ist historisch, was kann man entfernen, was sollte man entfernen?“ Man müsse mit Augenmaß vorgehen, um die historische Substanz zu erhalten.
Im Prinzip wird das ganze Haus kartiert, man schaut, wo Besonderheiten liegen – und entscheidet dann, wie man damit umgeht. Deckenbalken seien zum Teil hundert Jahre, andere Teile seien deutlich jünger, weil es mal gebrannt hat. „Es ist halt anders als ein Neubau. Das läuft oft nach Schema F. Hier ist jede Wohnung individuell.“

Dieses Projekt sei etwas ganz Besonderes, sagt Wagner. „Das hat man nicht jedes Jahr.“ Im Februar beginnen die ersten Sanierungsarbeiten – die werden eine Zeit lang brauchen, sagt Firmenchef Gruber. „Mitte 2028 ist die Fertigstellung geplant.“ Dann beginnt ein neues Kapitel in der jahrhundertealten Geschichte des Gebäudes.
Wohnungen in der Brunnleite 1: Es sind nur noch wenige zu haben
• Verkauf: Rund dreiviertel der Wohnungen sind bereits verkauft. Viele der Käufer planten hier ihren Alterssitz, sagt Wagner. Die Lage sei dafür optimal, da Naherholungsgebiete und die Altstadt gleichermaßen nah seien.
• Gewerbe: Im Erdgeschoss soll in Richtung Donau auch eine Gewerbeeinheit entstehen. Was genau dort hineinkommt, stehe allerdings noch nicht fest, sagt Gruber.