Regensburger Geistliche überbringen ihre Botschaften zum Weihnachtsfest

Von Mittelbayerische Zeitung · 24. Dezember 2025 um 19:00

Regensburgs Stadtdekan Roman Gerl, Pfarrer der Dompfarreiengemeinschaft, und Karolin Gerleigner, Dekanin im Evang.-Luth. Dekanat Regensburg, teilen ihre Gedanken zu Weihnachten.

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Roman Gerl:

Unsere Welt wirkt angespannt. Worte werden schärfer, Fronten härter, Geduld knapper. Viele Menschen stehen unter Druck, fühlen sich bedroht, überfordert oder ohnmächtig. Aus Unsicherheit wächst Aggression. Aus Angst wird Abwertung. Und immer öfter richtet sich dieser Zorn gegen andere – gegen Minderheiten, gegen Fremde, gegen jüdische Menschen. Antisemitismus, von dem wir gehofft hatten, er gehöre der Vergangenheit an, tritt wieder offen zutage. Das ist erschreckend – und beschämend. Auch zur Zeit der Weihnachtsgeschichte war die Welt kein friedlicher Ort.

Roman Gerl - Foto: altrofoto.de, Archiv

Sie war geprägt von Kontrolle, Macht und Ausgrenzung. Menschen hatten ihren Platz zu kennen – und viele hatten keinen. Zwei junge Menschen suchen Schutz, doch die Türen bleiben geschlossen. „Es war kein Platz für sie.“ Dieser Satz beschreibt mehr als eine Herberge. Er beschreibt eine Haltung. Mitten in diese Wirklichkeit wird ein Kind geboren. Ohne Absicherung, ohne Bedeutung, ohne Schutz. Und genau darin liegt die Zumutung von Weihnachten: Gott kommt nicht als Machtdemonstration, sondern als Verletzlichkeit. Nicht als Richter, sondern als Ausgelieferter.

Menschen am Rand

Er stellt sich auf die Seite derer, die keinen Platz haben. Die ersten, die davon hören, sind Menschen am Rand. Hirten. Ungeachtet, misstrauisch beäugt, gesellschaftlich unten. Weihnachten beginnt nicht bei den Starken, sondern bei denen, die wissen, wie sich Ausschluss anfühlt. Das macht diese Geschichte hochaktuell. Denn auch heute entscheidet sich Menschlichkeit an der Frage: Wen lassen wir gelten? Wen hören wir an? Wem sprechen wir Würde zu? Gewalt, Hass und antisemitische Parolen entstehen dort, wo Menschen aufhören, im anderen einen Menschen zu sehen. Wo Schuld projiziert wird, weil die eigene Unsicherheit zu groß ist. Weihnachten widerspricht dieser Logik. Es sagt: Erlösung wächst nicht aus Härte, sondern aus Nähe. Nicht aus Abgrenzung, sondern aus Beziehung.

Gott sucht keine perfekten Verhältnisse, sondern offene Herzen. Keine Ideologien, sondern Mitgefühl. Vielleicht beginnt Frieden kleiner, als wir denken. In der bewussten Entscheidung, nicht mitzumachen beim Hass. In der Klarheit, Unrecht beim Namen zu nennen. In der Bereitschaft, für andere einzustehen – besonders dort, wo sie bedroht oder ausgegrenzt werden. Weihnachten ist kein Rückzug aus der Welt. Es ist ein Gegenzeichen. Ein leiser, aber entschlossener Widerspruch gegen Gewalt und Menschenverachtung. Es beginnt dort, wo wir Platz machen. Für Respekt. Für Verantwortung. Für das Menschliche. Füreinander.

Karolin Gerleigner:

„Fürchtet euch nicht!“ So spricht der Engel in der Weihnachtgeschichte bei Lukas (Lukas 2,10). Es sind Worte, die wie ein leiser Widerspruch klingen zu dem, was viele Menschen empfinden – heute wie damals. Die Welt wirkt unruhig, oft hart und unübersichtlich. Kriege, Krisen, persönliche Sorgen – all das lässt Angst wachsen. Und genau in diese Welt hinein spricht die Weihnachtsbotschaft: „Fürchtet euch nicht!“ Neben dem Widerspruch macht sich auf einmal leise Hoffnung breit. Es gibt mehr als die Furcht in unserer Welt. Weihnachten lässt uns das spüren und erahnen.

Karolin Gerleigner - Foto: Janine Monat

Denn Weihnachten erzählt nicht von einem fernen Gott, der über allem schwebt. Es erzählt von einem Gott, der sich klein macht. Nicht im Palast, nicht mit Macht und Glanz kommt er zur Welt, sondern in einem Stall, als verletzliches Kind. Gott sucht nicht den Abstand, sondern die Nähe. Er teilt unser Menschsein – mit allem, was dazu gehört: Freude und Hoffnung, aber auch Müdigkeit, Zweifel und Schmerz. Das ist der Kern des christlichen Glaubens: Gott begegnet uns nicht erst, wenn wir perfekt sind oder unser Leben „im Griff“ haben. Er kommt gerade dann, wenn wir uns schwach fühlen. In Jesus Christus sagt Gott: Ich bin da. Ich lasse dich nicht allein. Dein Leben ist mir wichtig. Verletzungen werden ernst genommen, aber sie haben nicht das letzte Wort. Schuld bleibt nicht für immer festgeschrieben. Hoffnung wächst gerade dort, wo Menschen sie verloren glaubten. Gott kommt mitten in die Welt, ganz nah. An Weihnachten werden wir eingeladen, diese Nähe neu zu entdecken. Vielleicht nicht in großen Gefühlen, sondern in kleinen Momenten: in einem Gespräch, das ehrlich ist; in einer Geste der Versöhnung; in der Zeit, die wir füreinander haben. Wo Liebe geteilt wird, wo Hoffnung aufscheint, da wird Weihnachten konkret.

Frieden beginnt im Herzen

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“, singen die Engel dann weiter. Dieser Frieden ist kein schneller Zauber, der alle Probleme verschwinden lässt. Es ist ein Frieden, der im Herzen beginnt – dort, wo wir uns von Gott angenommen wissen – ohne Furcht. Aus diesem inneren Frieden kann dann etwas wachsen: mehr Geduld, mehr Barmherzigkeit, mehr Mut, dem Guten Raum zu geben. Wir bekommen es ins Herz gelegt, denn Gott ist schon längst zu uns unterwegs. Auch heute. Auch jetzt. Darum dürfen wir hören, was damals den Hirten galt und heute uns: Fürchtet euch nicht. Gott ist da.

Ich wünsche Ihnen gesegnete und hoffnungsvolle Weihnachtstage.