Hebamme vermisste ihre Babys – Eine Essingerin und die „Geburtswehen“ einer eigenen Praxis

In Anbetracht ihrer Lage hatten Maria und Josef damals wohl keine Gedanken an eine Geburtshilfe verschwendet. Aber sicherlich quälten auch Maria in den Stunden der Geburt oder danach Fragen rund um das neugeborene Baby. Rebekka Meier kennt diese Fragen. Die Essingerin (Landkreis Kelheim) ist seit 17 Jahren Hebamme aus Leidenschaft und hat seit Herbst eine eigene Praxis.
Meier arbeitete bereits im Kreißsaal und leitete Hebammenpraxen in Regensburg und Nittendorf. Im Sommer richtete sie ihre Praxis „kätilöt“ in Essing ein. Im Oktober eröffnete sie die Praxis Am Schloßberg 13, in der sie von Beginn der Schwangerschaft bis Ende der Stillzeit für werdende Mütter und ihre Familien da ist. Lediglich Geburtshilfe und Rückbildungskurse bietet sie nicht an.
Die 38-Jährige hat selbst drei Kinder. Nach der Elternzeit eröffnete sie nun also eine Praxis in einer für Hebammen denkwürdigen Zeit. Im November trat der Hebammenhilfevertrag in Kraft. Eine Hilfe sei dieser Vertrag allerdings nur an wenigen Stellen, findet Rebekka Meier. Längere Termine in der Wochenbettbetreuung würden nun besser vergütet. Außerdem sei der Kilometersatz ein wenig erhöht worden.
Kein Kaffeekränzchen
Sie genieße das auch, dass sie für Frauen im Wochenbett jetzt mehr Zeit habe, aber Zeit verplempern wolle sie nicht. „Ich komme nicht zum Kaffee trinken“, stellt sie klar und daher ist der Hebammenhilfevertrag trotz kleiner Verbesserungen für sie der „Endgegner“. „Es ist einfach eine unglaubliche Bürokratie. Ich muss ständig nachschauen, wie lange ein Termin noch dauern darf, damit die Kasse ihn noch zahlt oder ich dann wieder für umsonst arbeite.“
Aktuell sei sie da oft mit dem Kopf schon wieder bei den Tabellen und nicht mehr bei der Frau. „Und das geht für mich einfach nicht!“, kritisiert sie. Im Vergleich zur Zeit vor ihrer Elternzeit, habe sie nun bei gleicher Arbeit bis zu 25 Prozent Einbußen. Und das, wo Meier nicht einmal Beleghebamme ist. Denn die würden die neuen Regelungen aus dem Hebammenhilfevertrag noch einmal härter treffen, weiß Meier. Trotzdem zweifelt sie nicht.
„Ich habe meine Mütter und meine Babys einfach so sehr vermisst und ich genieße diese besondere Zeit mit den Familien unheimlich“, erklärt sie die Entscheidung, wieder eine Praxis zu eröffnen. Und dabei ist es nicht so, dass sie keine anderen Möglichkeiten gehabt hätte. Meier arbeitet außerdem für einen Softwareanbieter, mit dem sie eine Hebammen-Software entwickelte, die sie nun selbst nutzt und für die sie Schulungen gibt. Dort hätte sie ganz einsteigen können.

Das wollte sie aber nicht. „Ich träume seit der 1. Klasse davon, Hebamme zu sein. Damals kam meine Cousine auf die Welt und ich habe die ersten Lebenswochen und die intensive Zeit mit der Hebamme mitbekommen. Seitdem war mein Berufswunsch immer klar“, erinnert sich Meier. Dass sie nun im Dachgeschoss ihres Elternhauses die Praxis einrichten durfte, ist ein Glücksfall. Der Mietpreis hält sich in Grenzen und so hofft sie, sich ihren Traumberuf weiter leisten zu können.
Gerade mit ihrem Hintergrund als Softwareentwicklerin ärgert sie noch ein weiterer Rückschritt, der mit dem Hebammenhilfevertrag Einzug hielt: „Wir dürfen keine Beratung per SMS oder E-Mail mehr machen. Das muss jetzt alles telefonisch sein“, erklärt sie. Sie findet, dass das auch für die Frauen ein Servicerückschritt ist. Sollten die Frauen eine Beratung per Email oder SMS wünschen, müssen sie diese selbst bezahlen.
Und auch ein Telefonat werde erst ab den vollendeten fünf Minuten gezahlt. Eine zusätzliche Hürde sei, dass jedes Telefonat unterschrieben werden müsse. „Oft sehe ich die Frauen aber gar nicht mehr. Dann muss ich einen Brief mit frankiertem Rücksendeumschlag schicken“, erklärt Meier und schüttelt den Kopf.
Fehlende Anerkennung
Auf die Frage, welche Dinge sie gerne ändern würde, um ihren Traumberuf wieder zum wahren Traumberuf zu machen, ist ihr vor allem die Sichtweise auf die Hebammenarbeit wichtig. „Wir sind medizinisches Fachpersonal mit fundiertem Wissen. Es würde mich freuen, wenn das auch die Frauenärzte so sehen würden“, erklärt sie.
Außerdem würde sie sich als Selbstständige auch mehr Selbstständigkeit wünschen. Jeder Handwerker dürfe seine Preise selbst bestimmen, aber den Hebammen seien hier die Hände gebunden. Eigene Preise können nur für Wahlleistungen festgelegt werden. Akupunktur, Homöopathie, K-Tapes oder auch Laser zur besseren Wundheilung bekommen die Frauen aber nicht von der Krankenkasse erstattet und daher werden diese Angebote oftmals abgelehnt.
Auch diese Entscheidung stimmt sie traurig: „Für ein neues Handy gibt man viel Geld aus. Für eine Akupunktur, die einem wirklich hilft, weniger Schmerzen zu haben, will man nicht in den Geldbeutel greifen.“ Gerade die Akupunktur liegt ihr am Herzen. In diesem Bereich absolvierte sie viele Weiterbildungen.
Für Frauen, die ihren Entbindungstermin im Februar, März oder April haben, hat Meier aktuell noch Plätze frei. Bleibt die Frage nach dem Namen der Praxis: Kätilöt. „Das ist finnisch und heißt Hebammen“, erklärt Meier lachend. Sie liebt die Mentalität der Finnen. „Ruhe und Naturverbundenheit ist genau, was wir in der Hebammenarbeit brauchen.“