Digitales Bezahlen mit Wero wird im Landkreis Kelheim zunehmend beliebter

Von Sophie Knorr · 23. Dezember 2025 um 15:00

Geld schnell per Smartphone von Konto zu Konto versenden – das ist längst keine Neuheit mehr. Bekannt ist das Verfahren von amerikanischen Zahlungsanbietern wie Paypal. Seit dem Sommer 2024 besteht diese Möglichkeit auch durch einen europäischen Anbieter: Wero.

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Auch in Kelheim gäbe es seitens der Kunden immer mehr Nachfragen zu Wero. „Die derzeit angespannte Weltlage und die Einführung von Zöllen in den USA sind Treiber für das Angebot“, sagt Ferdinand Reichmann, Leiter für elektronische Bankdienstleistungen der Raiffeisenbank im Kreis Kelheim. Viele Kunden suchten derzeit aktiv nach einer Alternative zu Paypal. Alleine im Monat November hätten sich bei der Raiffeisenbank Kreis Kelheim 600 Kunden registriert.

Und auch Niklas Neumeyer von der Sparkasse im Kreis Kelheim sagt: „Wero ist inzwischen bei den Sparkassenkunden weit verbreitet und wir verzeichnen sehr viel Nachfrage. Jetzt sind wir nach einem guten Jahr bei über 1,6 Millionen registrierten Nutzern – allein bei den Sparkassen.“ In der gesamten Genossenschaftsgruppe der Volksbanken-Raiffeisenbanken gäbe es laut Reichmann bislang eine Million Nutzer in Deutschland.

Der Name setzt sich aus den Begriffen „We“ (englisch: „wir“) und „Euro“ zusammen. „Mit Wero wolle man ein einheitliches, nutzerfreundliches Bezahlsystem für ganz Europa etablieren“, sagt Reichmann.

Neue europäische Zahlungslösung

„Wero ist eine neue europäische Zahlungslösung, die für Verbraucher und Händler in ganz Europa zur ersten Wahl werden soll“, sagt auch Neumeyer. Sowohl bei Sparkasse als auch Raiffeisenbank sei die Nutzung in die bereits bestehende Banking-App integriert. Für Privatkunden ist der Dienst dort kostenfrei nutzbar.

Betrieben wird der Bezahldienst von der European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss mehrerer Banken. Laut Stiftung Warentest wird Wero bereits von über 30 europäischen Banken angeboten. Bislang aber nur in Deutschland, Frankreich und Belgien.

Weitere Länder in Planung

In naher Zukunft sollen aber weitere europäische Länder folgen. Langfristiges Ziel sei es, Wero als Zahlungsmethode sowohl im stationären als auch im Online-Handel in allen Ländern Europas anzubieten, so Reichmann.

Laut Neumeyer arbeiteten Institutionen und Banken schon länger an alternativen Zahlungssystemen, die es Europa ermöglicht, die Kontrolle über ihre Zahlungs-Infrastruktur in die eigenen Hände zu nehmen, sagt Neumeyer. Die Vorteile des Zahlungsanbieters lägen dabei vor allem in der schnellen Echtzeit-Überweisung. Innerhalb von zehn Sekunden sei der Betrag auf dem Konto und auszahlbar. Bei anderen Anbietern müsse das Guthaben aus der App erst auf das Konto überwiesen werden. Bei Wero entfalle dieser Zwischenschritt, erklärt Reichmann. Außerdem seien Ansprechpartner, im Gegensatz zu amerikanischen Bezahldiensten, direkt vor Ort. Auch die Transaktionskosten für Händler seien geringer als bei anderen Online-Bezahldiensten, so Reichmann. „Für den Handel ist Wero mit 0,77 Prozent Transaktionsgebühr günstiger als viele andere“, sagt auch Neumeyer.

Datenschutz und Sicherheit nach EU-Standards

Weitere wichtige Argumente seien darüber hinaus Datenschutz und Sicherheit nach EU-Standards. Denn durch die direkte Verknüpfung mit dem Bankkonto sei die Eingabe einer IBAN nicht länger notwendig – lediglich die Nutzung von Wero durch den Sender und Empfänger.

Langfristig solle das Bezahlsystem aber weder Überweisung noch Girocard ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Auch Neumeyer sieht die beiden Zahlungsarten eher als komplementär an. „Allerdings wird Wero mehr sein als nur ein weiteres Zahlverfahren. Denn es bietet durch die Echtzeitabwicklung etwas, das die Girocard nicht hat: Händler, die in Echtzeit bezahlt werden wollen, können dies über Wero realisieren. Somit bietet Wero auch für den stationären Einzelhandel eine Alternative“, ergänzt Neumeyer.

Zukünftige Entwicklung unklar

Die langfristige Entwicklung sei jedoch bislang schwer zu prognostizieren: „Wir sind aber überzeugt, dass Wero schon jetzt für den Handel relevant ist. Klar ist: Wir brauchen hier einen langen Atem“.

Bei den Händlern in der Region sei das neue Bezahlsystem noch im Aufbau, „das Interesse ist aber definitiv da. Paypal ist vielen Händlern einfach zu teuer“, so Reichmann.

Um noch mehr Kunden auf den Zahlungsanbieter aufmerksam zu machen, gäbe es seit Kurzem den „Hoodie-Donnerstag“ in der Raiffeisenbank Kelheim: Jeden Donnerstag tragen die Service-Mitarbeiter dort Hoodies mit Wero-Logo. „Da man bei den Mitarbeitern einer Bank keine Kaputzenpullover erwartet, wird so das Interesse bei den Kunden geweckt“, sagt Ferdinand Reichmann.