Ganztagsplätze: Banges Warten für die Regensburger Eltern – Wie viele Schüler kommen unter?

Von Marion Koller · 23. Dezember 2025 um 09:00

Noch ist unklar, wie viele Grundschüler in Regensburg in der gewünschten Betreuung unterkommen. Im Sommer startet der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für die Erstklässler.

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Marion Platzer arbeitet 30 Stunden in der Woche als Küchenhilfe bei der Medbo. Die Alleinerziehende holt ihre Tochter immer kurz nach Dienstschluss gegen 14.45 Uhr im Kindergarten ab. Nächsten Herbst wechselt das Mädchen in die Wolfgangsschule. Platzer zieht aus zwei Gründen den Hortplatz der Ganztagsschule vor: Der Hort ist auch in den Ferien geöffnet und zeitlich flexibler. „Dort kann ich meine Tochter gleich nach der Arbeit abholen und spare Zeit.“ Die Ganztagsschule dauert länger. Platzer ist alleinerziehend und deshalb auf einen Platz dringend angewiesen.

Post von den Grundschulen flattert in diesen Tagen den Eltern der künftigen Erstklässler ins Haus. Sie werden zu Infoabenden über die Ganztagsbetreuung eingeladen und darauf hingewiesen, dass sie bei der Hortanmeldung schnell reagieren sollten. Der Hintergrund: Ab August 2026 kommt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung – zunächst für die Schulanfänger. Und deswegen werden die Erstklässler anders als bisher bevorzugt. Ob alle den gewünschten Platz erhalten, ist noch unklar.

In Ferien springt Firma ein

Es gibt etliche Betreuungsarten: den offenen und gebundenen Ganztag an den Schulen, den städtischen oder von freien Trägern geführten Hort und die Mittagsbetreuung. Je nach Lebenssituation haben die Familien unterschiedliche Bedürfnisse. Der sechsjährige Sohn von Familie Wolfram aus dem Regensburger Westen kommt im September in die Kreuzschule. Beim Infoabend haben die Eltern erfahren, dass es mit der Ganztagsbetreuung klappt, aber nicht, ob es sich um den Hort oder eine schulische Lösung handeln wird. „Für uns wäre der Hort am besten, weil wir viel arbeiten“, sind sich die Eltern einig. Auch sie schätzen die zeitliche Flexibilität. Außerdem liegt der Hort in der Lessingstraße gleich um die Ecke. „Unser Kind soll bis etwa 15 Uhr betreut werden“, wünscht sich Laura Wolfram (40, Name geändert). Auf die Ferienbetreuung sind die Eltern nicht angewiesen. Das bieten ihre Arbeitgeber. Der Sohn könnte dort sogar mitessen.

Eine städtische Umfrage bei Eltern hat 2024 ergeben, dass diese sehr unterschiedliche Wünsche haben: Mehr als 34 Prozent plädierten für den offenen Ganztag, also eine Mischung aus Hausaufgabenbetreuung, Mittagessen und Freizeitaktivitäten. Über 31 Prozent sprachen sich für den Hort aus und jeweils mehr als 17 Prozent für gebundenen Ganztag und Mittagsbetreuung.

Der schulische Ganztag sieht bisher keine Betreuung am Freitagnachmittag vor. Doch bei der Befragung hatte auch nur ein gutes Fünftel der Eltern angegeben, freitags bis 16 Uhr buchen zu wollen. Für Montag bis Donnerstag favorisierten das fast 40 Prozent.

Michaela Dengler vom Brandlberg etwa findet, dass die Mittagsbetreuung bis 14 Uhr für ihre Erstklässlerin ausreicht. „Ganztags ist mir zu lange für die erste Klasse“, sagt die 35-Jährige.

Für uns wäre der Hort am besten, weil wir viel arbeitenLaura Wolfram, Mutter

In Regensburg besuchen aktuell 5161 Kinder die Grundschulen, 834 davon werden an privaten Einrichtungen unterrichtet. Insgesamt nutzen 4015 Kinder laut Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra eine Betreuung. Die Quote beträgt fast 78 Prozent (mit Hausaufgabenbetreuung). An den öffentlichen Grundschulen liegt die Quote bei rund 74, an den privaten bei 97 Prozent.

Aktuell erfüllt noch kein Betreuungsangebot in allen Punkten die gesetzlichen Anforderungen des Rechtsanspruchs. „Das liegt besonders daran, dass der Rechtsanspruch neue, bislang im System nicht verankerte Kriterien einführt – etwa eine verlässliche Betreuung auch am Freitag und eine Begrenzung der jährlichen Schließzeiten auf 20 Werktage“, sagt von Roenne-Styra. Die Angebote werden weiterentwickelt, sobald der Freistaat die rechtlichen Vorgaben konkretisiert hat.

Die Hälfte ist bis 16 Uhr da

Eine Betreuung bis mindestens 16 Uhr an vier Tagen pro Woche bieten derzeit rund 2770 Plätze. Das entspricht knapp 54 Prozent der Grundschulkinder.

Sandra Markl, stellvertretende Leiterin des Waldkindergartens Märchenzwerge in Pettendorf, hofft, dass ihr sechsjähriger Sohn im nächsten Jahr einen Platz in der Ganztagsbetreuung der Grundschule Prüfening bekommt. Zurzeit verbringt der Erstklässler nach dem Unterricht ein wenig Zeit in der Mittagsbetreuung, bis ihn die Mama abholt. Markl begrüßt es, dass die Ganztagskinder nachmittags unter Aufsicht die Turnhalle und das Schulgelände nutzen können.

Die Zahl der Erstklässler ist im laufenden Schuljahr um 113 gesunken. Ginge das so weiter, könnte sich die Betreuungssituation entspannen. Doch Stadtsprecherin Roenne-Styra winkt ab: „Ein dauerhafter Trend ist nicht zu erkennen.“ Im Grundschulbereich werde wieder mit einer Zunahme gerechnet.

Transparenz fehlt noch

Absagen: Wie viele Familien haben heuer nicht den gewünschten Betreuungsplatz bekommen? Eine belastbare, stadtweite Zahl liegt der Stadt nicht vor, da Eltern ihre Kinder bei unterschiedlichen Trägern und Angeboten parallel anmelden und keine gemeinsame Warteliste rechtssicher geführt werden darf. Deshalb setzt sich Regensburg für ein einheitliches, rechtssicheres Verfahren zur Bedarfsmeldung und Platzvergabe ein, um mehr Transparenz für die Familien und Träger zu schaffen.

Rechtsanspruch: Das Anrecht auf Ganztagsbetreuung wird ab August 2026 stufenweise eingeführt. Es gilt zunächst für die Jahrgänge, die ab diesem Zeitpunkt eingeschult werden, und wird schrittweise bis zu den vierten Klassen ausgeweitet.