Spendenpartys in der Kellerbar: Achim Denk sammelt im Kreis Cham Geld für Beerdigung von Sternenbaby

Von Tanja Fenzl · 21. Dezember 2025 um 05:00

Opa ist schuld. Das Andenken an seinen Großvater Hubert Kerzel hat Achim Denk aus Roding im Landkreis Cham auf die Idee gebracht, regelmäßig Geld zu spenden. Bei seinen Spenden-Partys sammelt er seit über einem Jahr Geld für Bedürftige in der Region. Diesmal hat er eine Spende übergeben, die ihm besonders am Herzen liegt: 2600 Euro für die Familie, die im Oktober bei Traitsching einen schweren Unfall hatte.

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„Opa hat immer regelmäßig Geld gespendet, vor allem an den Kindergarten in Pösing. Und letztes Jahr haben wir uns gedacht: Das machen wir auch“, schildert Denk die Geburtsstunde seiner Spenden-Partys.

Diese Woche hat der Rodinger wieder eine Spende übergeben, die ihm besonders am Herzen liegt: 2600 Euro spendeten Freunde und Bekannte im Laufe der letzten Wochen und Monate für die Familie, die im Oktober bei Traitsching einen schweren Unfall hatte. Die Familie: Freunde von Denk.

Der 44-Jährige kann sich noch genau erinnern, als er von dem Unfall erfahren hat. Erst zwei Tage zuvor hatte er die Einladungen für die Season-End-Party hinausgeschickt. Nach Feiern war nach der Nachricht niemandem mehr zumute. „Ich kenne die Familie schon ewig, Daniel ist nicht nur mein Trauzeuge, sondern auch in meinem Motorradclub; die Kinder kenne ich seit ihrer Geburt“, sagt Denk. „Das war ein Schlag, als das passiert ist.“

Schwere Unfallfolgen

Bei dem Unfall waren die damals 39-jährige Elke Odpiast, ihre 19 Jahre alte Tochter Mia und die erst dreijährige Tochter ihres Sohnes teils schwerst verletzt worden. Mia, im siebten Monat schwanger, verlor wegen der Folgen des Unfalls ihr ungeborenes Baby, musste bereits zahlreiche Operationen über sich ergehen lassen; noch immer ist unklar, ob sie jemals wieder richtig laufen können wird.

Mit dem Hubschrauber musste Mia nach dem Unfall bei Traitsching im Oktober in die Klinik geflogen werden. Sie war aus dem Auto geschleudert worden. - Foto: Kreisfeuerwehrverband

Ihre Mutter Elke kämpft ebenfalls noch immer mit den Folgen des Unfalls. Schnell war deshalb das nächste Spendenziel für Achim Denk klar: Unterstützung für seine Freunde, die erst einen Tag vor dem Unfall den Tod der Oma verkraften mussten. Die Party zum Saisonende bekommt einen tieferen Sinn.

„Dass dann so viel zusammen gekommen ist am Ende, freut uns natürlich“, sagt Denk. Das Geld kann die Familie aus Zell brauchen – für die Beerdigungskosten des Sternenbabys Lina, das neben der Oma beigesetzt wird, für die Fahrtkosten, für Medikamentenzuzahlungen, die schnell in die Hunderte, Tausende Euros gehen, für ein Bett für Mia, deren Beine wegen ihrer zahlreichen Brüche noch immer eingegipst sind, möglicherweise für den Rollstuhl, den die Krankenkasse bis jetzt nicht übernehmen will.

Motorradclubs als großzügige Unterstützer

Denk betont, dass vor allem auch einige Motorradclubs die Aktion großzügig unterstützt hätten: die Viking Riders, Hell-Fish Bavaria, der Devil Hogs MC, außerdem das Dachsberger Woidgsindl, die Kameradschaft Schwarzachtal und Gabi Stöcker, deren Arbeitskollegen bei Welco ebenfalls viel gespendet hätten. „Wir Motorradfreunde sind keine wilden Gesellen“, lacht Denk.

Zum Thema: Bestatterin organisiert Spendenaktion für Familie nach schwerem Unfall im Landkreis Cham

Die große Spendenbox in der Kellerbar hat Achim Denk selbst gebaut. - Foto: Tanja Fenzl

Die 80-jährige Nachbarin feiert mit

Auch in der Nachbarschaft sind die Partys kein Problem – im Gegenteil. Die 80-jährige Nachbarin schaut gerne auf ein Bier vorbei, wenn in der Kellerbar, Denks früheres Jugendzimmer, wieder einmal eine Party gefeiert wir. Oder wenn die Party im Sommer nach draußen in den Garten wandert, mit Feuertonnen, Essen vom Grill und Musik. Wo früher Opas Gartenbeete waren, befindet sich heute der Pavillon, unter dem die Leute sitzen und feiern können.

„Oft organisieren wir Motto-Partys“, beschreibt Denk die Aktionen, bei denen jeder in die selbst gebaute Spendenbox so viel Geld werfen kann, wie er es sich leisten kann. Böhse-Onkelz- oder Western-Partys haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche Spendenwillige in die sonst ruhige Rodinger Siedlung gelockt.

An der Wand hängen Berichte von den Spendenübergaben der vergangenen Monate. - Foto: Tanja Fenzl

Zahlreiche Spenden

So sind über die Monate bereits unter anderem Spenden an den Kindergarten Pösing – Opas Herzensangelegenheit –, an Ninos Kinderhaus, den Weißen Ring in Roding und die Kinderkrebshilfe Regensburg übergeben worden. Hinter der Theke Marke Eigenbau sind Fotos und Zeitungsberichte von den Spendenübergaben an die Wand gepinnt. „Die Leute sollen sehen, dass ihr Geld auch da ankommt, wo sie es haben wollen“, sagt Denk, der zusammen mit seiner Frau Christine und Tochter Lea auch noch privat einen Autositz für die kleine Emely gespendet hat.

Die erste Spendenbox, mit der Achim Denk im Andenken an seinen Opa Hubert Kerzel (auf dem gerahmten Bild) anfing, Spenden für einen guten Zweck zu sammeln - Foto: Achim Denk

Über 60 Leute waren es am Ende, die zur Spendenparty für Familie Odpiast gekommen waren. Und schon jetzt überlegt Achim Denk, wofür bei den kommenden Partys gespendet werden kann. „Bis jetzt steht noch nichts fest“, sagt er. „Aber wir machen auf jeden Fall weiter“, verspricht er. Opa würde sich freuen.

Hilfe für Familie Odpiast

Wer Familie Odpiast unterstützen möchte, kann die Spendensammlung auf der Plattform GoFundMe unterstützen, die Bestatterin Tina Ruhland-Feiner ins Leben gerufen hat. Im Update schreibt Ruhland-Feiner: „Es ist ein langer, mühsamer Weg, aber die Familie gibt nicht auf.“