Steg für Radfahrer und Fußgänger in Pfaffenstein in Regensburg zehn Monate dicht

Ob in Sallern über den Regen, in Kneiting über die Donau oder die Autobahn über Sinzing – dass sich Bau- oder Sanierungsprojekte von Flussquerungen in Regensburg oft lange hinziehen, ist hier so bekannt, wie die Geschichte vom Bruckmandl. Das, was die Stadt nun vorhat, setzt in den Augen vieler aber noch einmal einen drauf.
Sie will den Geh- und Radwegsteg über den Staufstufenkanal bei Pfaffenstein sanieren. Der muss dafür ab Februar bis Ende 2026 gesperrt werden. Dabei nutzen ihn täglich Arbeitnehmer, Schüler oder Sportler – ob zu Fuß oder mit dem Rad –, um vom Stadtwesten in den -norden oder umgekehrt zu gelangen. Einige davon sind sich jetzt schon sicher: Die von der Stadt in einer Pressemitteilung vorgeschlagene Alternative über die Oberpfalzbrücke bedeutet für sie nicht nur unbequeme Umwege, die Zeit kosten. Diese Route ist in den Augen mancher auch weniger sicher.
Kosten für die Sanierung des Stegs: 1,65 Millionen Euro
Der Grund für die Sanierung: Die Brücke aus dem Jahr 1998 weise erhebliche Mängel auf, heißt es in einer Beschlussvorlage, die der Planungsausschuss und der Stadtrat im Februar einstimmig beschlossen. Brüchiger Beton an den Rampen, Korrosion an den Stahlträgern, -stützen und Rampen, verwitterte Bohlen – mittlerweile seien gravierende Schäden an der Konstruktion entstanden. Um die Rampen zu erneuern, den Stahl abzustrahlen und neu zu beschichten oder ihn sowie das Holz gleich ganz auszutauschen und neue Lampen zu installieren, sollen 1,65 Millionen Euro ausgegeben werden.
So soll die Sanierung ablaufen
• Zuerst soll laut der Stadtratsvorlage die Mitte des Stegs erneuert werden. Das soll nach Auskunft von Verena Bengler von der Pressestelle der Stadt während der dreiwöchigen Schleusensperrung im März geschehen, da während dieser Arbeiten kein Schiff in der Schleuse fahren könne.
• Denn für das Abstrahlen und Beschichten des Stahls sind laut Vorlage ein Gerüst und eine Einhausung nötig – auch unterhalb der Brücke. So passen keine Schiffe mehr durch.
• Während die beiden äußeren Abschnitte saniert werden, sollen die Schiffe laut Bengler aber wieder fahren können. Dafür soll der Kanal teilweise gesperrt werden.
• Zuletzt sollen die Rampen erneuert werden.
Dass diese Sanierung sein muss, stellt Samuel Vogl nicht in Frage. Er ist einer der Organisatoren des Runningclubs Regensburg. Für den freien Lauftreff, der immerhin fast 1000 Menschen zu fünf Läufen pro Woche einlädt, sei der Steg bei Pfaffenstein aber eine wichtige Achse. Stattdessen nun zehn Monate über die Oberpfalzbrücke laufen zu müssen, bedeute für die Sportler nicht nur einen Nachteil. „Da gibt es nur einen Gehweg. Der ist schmaler und unsicherer“, erklärt Vogl. Aufhalten lasse sich der Runningclub durch die Sperrung aber auf keinen Fall.
„Die Stelle ist superwichtig“, erklärt auch Kathrin Mayer, die Ausfahrten mit dem Rad für die Gruppe Velo Vibes organisiert und damit ebenfalls fast 1000 Menschen erreicht. Schon, um ins Fitnessstudio zu kommen, müsse sie sechsmal pro Woche über den Steg fahren. Der Weg über die Oberpfalzbrücke und erst recht der über den Eisernen Steg, auf dem sie wegen der steilen Rampen absteigen muss, werde sie jedes Mal einige Minuten an Zeit kosten, schätzt sie.

Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg im Bund Naturschutz, sorgt sich zudem um die vielen Schüler, die den Steg zu Fuß oder mit dem Rad nutzen. Klaus Wörle aus dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in Regensburg zählt auf: Betroffen sein könnten seiner Einschätzung nach etwa Kinder auf Schulen im Westen wie dem Goethe-Gymnasium, der Clermont-Ferrand-Mittelschule oder dem Bischof-Wittmann-Zentrum sowie im Norden dem Werner-von-Siemens-Gymnasium oder der Albert-Schweitzer-Realschule.
Während der vergangenen Sitzung der AG Radverkehr am 3. Dezember habe sich herausgestellt, dass die Verwaltung die betroffenen Schulen weder informiert hatte noch die Problematik der zu Fuß gehenden Schüler kannte, so dass es damals auch keine Ersatzlösung für den Schulweg gegeben habe, berichtet Wörle.
Schoberer spricht von dramatischen Umwegen für Arbeitnehmer und Erholungssuchende im Sommer: Immerhin führe der Steg sie auf dem Rad auch schnell zu großen Arbeitgebern wie Infineon, den Freizeitgebieten an Regen und Donau, ins Westbad oder zu den zahlreichen Sportanlagen zwischen Autobahnbrücke und Weinweg.
Geht für das Geld mehr?
Schoberer und Wörle fragen sich zudem: Kann für Kosten von 1,65 Millionen Euro nicht einfach ein neuer Steg eingehoben werden –und dies in wenigen Tagen? Wörle sagt zur Bauzeit: „In den Niederlanden machen sie in so einem Fall Gewaltaktionen. Da entstehen ganze Tunnel an einem Wochenende.“ Zuletzt betont Schoberer: Der Weg sei nicht „nice to have“, sondern zentral wichtig im Fuß- und Radwegenetz und planfestgestellt.

Gibt es also keine Möglichkeit, diese Baumaßnahme schneller über die Bühne gehen zu lassen? „Um diese Arbeiten durchführen zu können, wird ein aufwendiges und dichtes Arbeits- und Schutzgerüst benötigt, welches am Überbau angehängt wird“, antwortet Verena Bengler von der städtischen Pressestelle auf diese Frage.
Da der Schifffahrtsverkehr im Kanal nicht beeinträchtigt werden dürfe, müsse dieses Gerüst während der kompletten Bauzeit in drei Bauabschnitten über die gesamte Länge des Überbaus mehrfach verschoben werden. „Somit wird für diese grundhafte Instandsetzung des Bauwerks unter erschwerten Bedingungen über dem Europakanal fast das gesamte Jahr 2026 notwendig sein“, sagt sie.