Todesrätsel von Riekofen ist gelöst: Bemerkte die Fahrerin gar nichts vom Unfall?

Von Philip Hell · 19. Dezember 2025 um 13:22

Der Vorfall schockierte eine ganze Region: Im September 2024 ist ein 24-Jähriger auf der Landstraße zwischen Riekofen und Sünching (beides Landkreis Regensburg) überrollt worden. 15 Monate fehlte vom Todesfahrer jede Spur – bis jetzt.

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Am Freitag gaben die Ermittler eine Pressekonferenz, um einen Fahndungserfolg zu präsentieren, der es in sich hat. Bei der Tatverdächtigen handelt es sich um eine 52-Jährige aus dem Landkreis Straubing-Bogen. Die Landkreisgrenze befindet sich nur wenige Kilometer vom Unfallort entfernt.

Die Pressekonferenz zum tödlichen Unfall bei Riekofen finden Sie hier im Newsblog zum Nachlesen

Am Mittwoch wurde die Frau vernommen. Sie gestand dabei ein, in dieser Nacht gefahren zu sein, sagte Thomas Wagner, Chef der Polizeiinspektion Wörth an der Donau, die die Ermittlungen führte. Was genau in der verhängnisvollen Nacht passiert ist, ist nach wie vor allerdings fraglich. Es geht unter anderem um die Frage, ob die Frau überhaupt bemerkt hat, dass sie den jungen Mann überrollte. Laut Polizei wurde der damals 24-Jährige nämlich nicht mit den Reifen überrollt. Vielmehr wurde er wohl von einem Teil der Fahrzeugunterseite erfasst, als die mutmaßliche Täterin über ihn fuhr. Die Details soll nun ein Gutachter klären, erläuterten die Beamten am Freitag.

Unfall in Riekofen: Handydaten führten auf Spur

Erste Hinweise auf die mutmaßliche Todesfahrerin hätten sich im August ergeben, sagte Josef Neft, Wörther Polizei-Vize und Ermittlungsleiter. Unter anderem die Auswertung von Handydaten habe auf die Spur der Niederbayerin geführt. Zu Details schwieg sich Neft allerdings aus. Es handele sich noch um ein laufendes Verfahren.

Die mutmaßliche Todesfahrerin habe durchaus mit „Gewissensproblemen“ zu kämpfen gehabt, sagte Wagner. „Sie war schon betroffen. Ich hatte den Eindruck, dass etwas von ihr abgefallen ist.“

Die Ermittlungen der Polizei glichen der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Am Tatort selbst wurden keine Spuren gefunden – mit Ausnahme eines Lacksplitters. Es gab keine Bremsspuren. Trotz des Unfalls mitten in der Nacht seien „sintflutartig“ Hinweise eingegangen. Man habe jeden einzelnen abgearbeitet, bis zum Schluss, betonte Neft. Zugleich untersuchten Beamte rund 2500 Fahrzeuge aus der Umgebung des Tatorts. Auch die Überprüfung der Handydaten glich einer Sisyphosarbeit. 13.000 Funkzellenbewegungen habe man zur fraglichen Zeit registriert.

Unfall in Riekofen: Böse Gerüchte um Unternehmer

Dabei geriet auch ein niederbayerischer Unternehmer ins Visier der Ermittler. Dessen Fahrzeug wurde von der Polizei beschlagnahmt, was in dem kleinen niederbayerischen Ort schnell die Runde machte. Böse Gerüchte kamen auf – letztendlich war nichts dran. Der Mann, das bestätigte die Polizei am Freitag erneut, habe rein gar nichts mit der Tat zu tun.

Die Ermittler seien lange davon ausgegangen, dass der Unfallfahrer mit einem Toyota unterwegs gewesen sein musste – das sei allerdings nicht der Fall gewesen, bestätigten die Beamten im Rahmen der Pressekonferenz. Zum genauen Autotyp schwieg sich die Polizei allerdings aus. Nur so viel: Das Fahrzeug sei seit dem Unfall ganz normal weitergefahren worden. Der Pick-up der Frau ist nun von der Polizei beschlagnahmt worden. Gleiches gilt für technische Geräte der mutmaßlichen Todesfahrerin und ihrer Familie.

Tatverdächtige nach tödlichem Unfall nicht in Haft

Die 52-Jährige sitzt derzeit nicht in Untersuchungshaft, sagte die Polizei am Freitag. Gegen die Niederbayerin laufen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung bei einem Verkehrsunfall und Unfallflucht. Auch wenn sie sich rund 15 Monate nicht bei der Polizei gemeldet hat, bestehe keine Fluchtgefahr, sagten die Beamten. Diese Entscheidung habe die zuständige Staatsanwaltschaft Regensburg getroffen. Grund dafür seien die persönlichen Umstände der Frau. „So eine Entscheidung wird nicht leichtfertig getroffen“, erläuterte Polizeisprecherin Corinna Wild. Zu den Details, warum die Frau nicht in Haft sitzt, könne man derzeit aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht mehr sagen. Die Ausgangslage für die Polizei beschrieb Neft eindrücklich: „Ein junger Mensch lag tot auf der Straße und wir hatten überhaupt nichts: keine Zeugen, keine Spuren.“ Der Unfall sei mysteriös gewesen. Letztendlich sei die einzige Spur am Tatort, besagter winziger Lackrest, ausschlaggebend gewesen.

Der Wörther Polizei-Chef Thomas Wagner informierte die Schwester des Verstorbenen persönlich über den Durchbruch in den Ermittlungen. Man habe nicht gewollt, dass sie über Dritte von den Ergebnissen erfährt. „Sie hat sehr gefasst reagiert.“ Auch Josef Neft sprach von Erleichterung. „Das ist jetzt nicht einfach abgeschlossen. Man merkt, wie der Fall von einem Besitz ergreift.“ Während der Ermittlungen habe es zahlreiche Rückschläge gegeben. „Das setzt einem schon zu.“ Die Hoffnung habe man allerdings nie aufgegeben – zurecht, wie sich nun zeigt.

Am Unfallort selbst haben Hinterbliebene eine kleine Gedenktafel abgelegt. Darauf ein Bild des Verstorbenen und ein Vers: „S‘ist Feierab‘nd, s‘ist Feierab‘nd, dei Tagwerk ist vollbracht. Du gehst etz deiner Heimat zu, ganz sachte schleicht die Nacht.“