Hoffnungsschimmer für Kelheim Fibres: Ein neuer Investor bekundet Interesse

Die Gefühle der Mitarbeiter des Kelheimer Spezialfaser-Produzenten fahren Achterbahn. Am Dienstag macht das insolvente Unternehmen bekannt, dass sich „sehr kurzfristig“ ein Investor gemeldet hat. Nun tickt die Uhr, ob dieser zum „Strohhalm“ für das Faserwerk und viele Kelheimer Familien wird.
Gibt es doch noch einen „Strohhalm“ für Kelheim Fibres: Erst vor gut drei Wochen hatte sich die Nachricht vom gescheiterten Verkauf des insolventen Spezialfaser-Produzenten in Affecking wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitet. Nun teilte das Unternehmen seinen Mitarbeitern mit, dass sich „sehr kurzfristig ein potenzieller strategischer Investor“ gemeldet habe.
An der Regensburger Straße wurde zuletzt alle Kunden angeschrieben, ob sie noch Ware ordern wollen. Die Spezial-Viskosefasern aus Kelheim kommen unter anderem in Tampons, Teebeuteln oder feuchtem Toilettenpapier zum Einsatz. Seit vergangener Woche wird die Ausproduktion konkret geplant, sagt Betriebsratsvorsitzender Josef Rummel auf Nachfrage.
Mitarbeiter informiert
Doch am Montag hatte die Geschäftsleitung neue Nachrichten für die Belegschaft. Auf einer Betriebsversammlung hörte etwa die Hälfte der Mitarbeitenden, dass sich ein bislang völlig neuer, möglicher Investor gemeldet habe. Dieser prüft derzeit laut Pressemitteilung von Kelheim Fibres einen möglichen Einstieg beziehungsweise eine Übernahme. Allerdings befindet sich diese Prüfung in einem „frühen Stadium“. Der Ausgang ist offen.
Die Unternehmensleitung betont, sie unterstütze jede realistische Fortführung des Betriebs. Während Betriebsratsvorsitzender Josef Rummel „sehr zuversichtlich“ ist, wie er am Dienstagabend am Telefon sagt, weil man aktuell „weiter sei“ als mit dem abgesprungenen Finanzinvestor, reagierten viele seiner Fibres-Kollegen auf die Neuigkeit sehr skeptisch oder voller Zweifel. Mancher äußerte, diese sei nur eine Motivation, „damit wir bloß weiterarbeiten“. Ja, es besteht die Möglichkeit, dass es nichts wird, räumt Josef Rummel ein. Aber es ist ein „Lichtblick, ein Hoffnungsschimmer“.
Ganz davon abgesehen, gehe man die anvisierte Ausproduktion an. Der erste Plan dazu liege frisch auf dem Tisch.
Kündigungen seien aktuell noch keine ausgesprochen, sagt der Betriebsratschef auf Nachfrage weiter. Dies sei erst möglich, wenn Interessensausgleich und Sozialplan stünden. Bislang gebe es nur ein Eckpapier.
Zeit bis Mitte Januar
Bis Mitte Januar müsse der neue Investor entscheiden, ob er einsteigt oder Kelheim Fibres übernimmt. Denn dann stehen Interessensausgleich und Sozialplan und dann könnten Kündigungen ausgesprochen werden. „Und sind die einmal draußen, wird es schwierig die Mitarbeiter zu halten“, so Rummel.
Die Geschäftsführung verspricht in der am Mittwoch verschickten Pressemitteilung, die Belegschaft weiterhin „regelmäßig und transparent über den aktuellen Stand zu informieren“. Zugleich hofft diese, dass die Mitarbeiter vorläufig bleiben. Sowohl „das Gelingen einer geordneten Ausproduktion als auch eine mögliche Transaktion“ seien „wesentlich vom Engagement, der Unterstützung und der Mitwirkung der Mitarbeitenden abhängig“. Des Weiteren dankt die Geschäftsführung den Mitarbeitenden in dem Text „ausdrücklich für ihr außerordentliches Engagement, ihre Professionalität und ihre langjährige Treue“.
Wenn der Strohhalm doch nicht kommt, würde bis Ende März noch produziert. Danach würden die Anlagen stillgelegt. Dies ist ein Umstand, den sich in der Kreisstadt kaum einer vorstellen kann, weil „Kelheim Fibres zur Identität der Stadt gehört“.