Holprige Nominierung der GLLW-Liste: Nur 44 von 59 stimmen für die Liste

Von Martin Hladik · 17. Dezember 2025 um 05:00

Die GLLW, die Gemeinsame Liste des ehemaligen Landkreises Waldmünchen, hat ihre Kandidaten für den Kreistag aufgestellt. Die Liste besteht aus 60 Kandidaten der CSU und der Freien Wähler aus dem Raum des Altlandkreises. Listenführer und damit Aushängeschild der Liste ist diesmal ein Freier Wähler, nämlich Wolfgang Kürzinger, der in Waldmünchen als Bürgermeister kandidiert. Auffällig war außerdem, dass die Liste nur mit 44 von 59 Stimmen gewählt wurde. Der Rest waren ungültige Stimmen und Nein. Das lässt Unstimmigkeiten bei der Reihung auf der Liste vermuten.

Für den Norden des Kreises

Die Liste tritt seit 1972 bei den Kommunalwahlen an. Ihr Zweck ist der vieler Regionallisten: Man will die Bedürfnisse einer Region, hier des nördlichen Landkreis Cham, im Kreistag gut vertreten sehen. Gleichzeitig erhofft man sich durch solche parteiübergreifenden Regionallisten bessere Wahlchancen. Das betonten in der Versammlung gleich mehrere Redner.

Der Versammlungsleiter Thomas Stephan aus Schönthal ging kurz auf die Geschichte der GLLW ein und stellte fest, dass die GLLW bislang fünf Kreisräte stellte. Trotz einer Umbruchphase habe man wieder eine gute Liste aufstellen können. „Darauf dürfen wir stolz sein“ , sagte er

Wolfgang Kürzinger sagte, für ihn habe die Beteiligung an der der gemeinsamen Liste bei der letzten Kommunalwahl einen „Lernprozess“ bedeutet. Als Freier Wähler in der CSU-Fraktion des Kreistages habe er sich „sehr wohl gefühlt“. Er sei immer gleichwertig behandelt worden. Er hob die verbesserten Wahlchancen durch die gemeinsame Liste hervor, „Keine andere Region hat so viele Bürgermeister im Kreistag.“ Die GLLW sei für ihn zu einem politischen Bekenntnis geworden.

Über den anwesenden Landratskandidaten der CSU, Michael Multerer, sagte der Freie Wähler, dass er „sehr gut“ mit ihm „zusammengearbeitet“ habe.

Bei der Vorstellung der ersten zehn Kandidaten fiel Michaela Hettler aus Rötz auf. Sie äußerte sich, dass ihr Platz 2 zugesagt worden sei, sie aber nur Platz 9 bekommen habe. Diese Unzufriedenheit könnte sich im Abstimmungsergebnis ausgewirkt haben. Zur Einordnung muss man allerdings erwähnen, dass vordere Listenplätze in der Regel amtierenden Mandatsträgern zugeordnet werden. Das ist Hettler nicht.

Die Versammlung nutzte der Landratskandidat der CSU, Michael Multerer, zu einer längeren Rede. Der Landratskandidat der Freien Wähler, Christian Schindler, war nicht anwesend. Multerer stellte zunächst die gute Entwicklung des Landkreises unter einer Reihe von CSU-Landräten heraus. Gleichzeitig warnte er vor den Herausforderungen der nächsten Jahre, zeigte sich aber zuversichtlich: „Der Landkreis Cham hat viele gute Unternehmen. Wir werden die nächste Zeit gut überstehen.“

In der Wirtschaft sieht Multerer die Grundlage des Sozialstaates. Deswegen müsse sie gefördert werden. Eine Chance sieht er dazu in einem zu schaffenden Gründerzentrum in Bad Kötzting. Der hervorragende Zustand der Schulen im Landkreis müsse in Furth und in Kötzting noch verbessert werden. Zudem könne es mit der Energieproduktion durch die Regionalwerke gelingen, günstigen Strom weiterzugeben. Im Bereich Demographie will Multerer als Landrat alternative Wohnformen wie Mehrgenerationenhäuser fördern. Der demografische Wandel werde ohne Zuzug nicht gestaltbar sein. Deswegen sei Integration wichtig.

Das Ehrenamt will Multerer durch eine Stelle am Landratsamt fördern. Bei der Infrastruktur sieht er Ausbaubedarf im ÖPNV und im Zivilschutz. Zudem wünscht er sich eine stärkere Zusammenarbeit der Gemeinden, um Kosten und Personal zu sparen.

„Wir haben uns getraut“

Auch Landrat Franz Löffler ging auf die auch überregional beachtete herausragende Entwicklung des Landkreis es seit 1972 ein. Sei man früher das „Armenhaus“ gewesen, schneide man jetzt in den Grenzlandkreisen von Hof bis Passau bei den Arbeitslosenzahlen am besten ab. „Gute Politik und Einsatz lohnten sich allemal“, sagte Löffler. Dafür habe der Landkreis die Rahmenbedingungen gesetzt. Zum Beispiel mit dem Glasfasernetz, das eigentlich keine Aufgabe eines Landkreises sei. „Aber wir haben uns getraut.“

Dennoch: Die Wirtschaft entwickle sich negativ. Also müsse die Steuerlast gesenkt werden. Löhne und Lohnnebenkosten seien „am oberen Ende der Skala“, die Energiekosten seien zu hoch, die Bürokratie zu groß. Als Landkreis könne man in diesen Bereichen wenig tun. Dennoch dürften die Lohnnebenkosten nicht weiter steigen, was einen Abschied von der „Vollversorgungsmentalität“ bedeute.

Bei den Krankenhäusern habe der Landkreis seine Arbeit gemacht. Nur weil es hier die Kooperation mit Sana gebe, sei das Geld zur Sanierung der Schulen frei gewesen. Und gute Bildung wiederum nütze der Jugend. „Ein Witz“ sei dagegen der Zustand der Bahn in Richtung Tschechien. Hier müsse mehr investiert werden. Ein großes Stück „Lebensqualität“ habe der Glasfaseranschluss für alle gebracht. Das gebe es in anderen Landkreisen nicht.