CSU in Cham nominiert Michael Multerer für Landratswahl 2026 – mit 97,5 Prozent

Die CSU hat sich geschlossen hinter Michael Multerer gestellt. 97,5 Prozent der Delegierten aus dem ganzen Landkreis Cham nominierten den 56-jährigen Bürgermeister von Arnschwang am Samstag zum Kandidaten der Partei für das Amt des Landrats.
Die Rodinger Stadthalle war gut gefüllt, obwohl die Tagesordnung der CSU-Kreisvertreterversammlung wenig Spannung versprach. Schließlich hatten sich die Granden der Christ-Sozialen schon im Vorfeld darauf verständigt, dass Multerer am 8. März 2026 ins Rennen um die Nachfolge von Landrat Franz Löffler gehen soll. So kam es dann auch: Gegenkandidaten gab es nicht, 154 von 158 Anwesenden stimmten für den Arnschwanger.

Die Versammlung quittierte dieses Votum mit langem Beifall im Stehen. Bevor Multerer viele Hände schütteln durfte, bedankte er sich für die „brutale Unterstützung“ der Parteifreunde.
Multerer bedankt sich für „brutale Unterstützung“
Zuvor hatte der Kommunalpolitiker, der auch Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags im Landkreis Cham ist, in einer sachlichen Rede, die zahlreiche Themenfelder streifte und viele Fakten präsentierte, um das Vertrauen der Delegierten geworben. „Ich spüre eine positive Aufbruchstimmung im Landkreis“, sagte der Kandidat und kritisierte „Stimmungsmache gegen den Staat“ und das politische System an den Rändern des Parteienspektrums. Als Thema Nummer eins nannte Multerer die Wirtschaft. „Eine starke Wirtschaft ist die Grundlage für einen starken Sozialstaat und eine wehrhafte Demokratie“, sagte er.
Multerer stellte sich hinter die Energiewende. Sie sei eine Chance für die deutsche Wirtschaft. Das Ende der zentralen Energieversorgung mit Großkraftwerken biete die Möglichkeit, diese dezentral in der Region zu organisieren und so für die Region Wertschöpfung zu schaffen. Stichwort: Regionalwerke. Es sei ein Fehler, dieses Feld nur Investoren von außen zu überlassen.
Auch mit Blick auf die Wirtschaft ist Integration nach Multeres Worten ein wichtiges Thema – die Integration junger Menschen ins Arbeitsleben, die Integration von Migranten, die Integration von Arbeitslosen. Dabei helfe der hohe Standard der Bildungseinrichtungen im Landkreis, den es zu halten und auszubauen gelte.
Mit Blick auf die Digitalisierung forderte Multerer: „Wir müssen die Menschen mitnehmen.“ KI werde in vielen Bereichen hilfreich sein. Man müsse aber auch die verstehen, denen der Wandel zu schnell vonstatten geht.
Der Landkreis Cham hat seine Gesundheit nicht verkauft.Michael Multerer, Landratskandidat
Das Ehrenamt sei ihm wichtig, zu fördern und wertzuschätzen, betonte der Kandidat, ebenso die Beziehungen zu den tschechischen Nachbarn. Er gab auch ein Bekenntnis zur Krankenhauspolitik des Kreises ab. „Der Landkreis Cham hat seine Gesundheit nicht verkauft“, sagte er mit Blick auf den Einstieg des Klinikkonzerns Sana. „Wichtig ist, dass jeder Mensch in einem Notfall gut versorgt ist“.
Durchaus Raum in Multerers Rede nahm das Thema Natur ein, das ihm ein persönliches Anliegen sei: „Dem Menschen geht es gut, wenn es der Natur gut geht.“ Sie müsse mit Augenmaß erhalten, gepflegt und auch gelegentlich neu entdeckt werden. „Die Entkopplung von Mensch und Natur nimmt zum Teil bizarre Formen an“, sagte der Arnschwanger. So sei es nicht nachvollziehbar, warum wir Wasser aus Italien importieren und zugleich unser Trinkwasser für die Klospülung verwerden.

Ein wenig emotional wurde Michael Multerer am Ende seiner Rede, als er sich direkt an die Konkurrenz von rechts wandte: „Liebe AfD-Stimmungsmacher! Es ist einfach, auf Ausländer zu schimpfen, weil man damit im Moment durchaus Zustimmung erntet.“ Verantwortungsbewusst aber sei das nicht: „Wie brauchen diese Menschen“, sagte er. Natürlich müsse man mit Härte gegen die vorgehen, die sich nicht an Regeln halten: „Kriminelle haben hier nichts verloren“. Die anderen aber seien gute Kollegen am Arbeitsplatz und trügen ihren Teil zum Wohlstand der Region bei.
Er habe sich die Kandidatur wohl überlegt, sagte er am Ende seiner Rede. Und er traue sich das Amt zu, so Multerer. „Und jetzt will ich mit Vollgas ins Rennen gehen.“
Zuvor hatten der CSU-Kreisvorsitzende Dr. Gerhard Hopp. Landrat Franz Löffler und auch die Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf für Michael Multerer getrommelt. Angesichts zahlreicher Herausforderungen von außen und innen sei es von besonderer Bedeutung, wer neuer Landrat wird in Cham, so Hopp. Michael Multerer sei seit 30 Jahren in der Kommunalpolitik, 18 Jahre Bürgermeister, zwölf Jahre Kreisrat. Er habe hervorragende Arbeit abgeliefert in Arnschwang und gestalte den Weg des Kreises seit Jahren aktiv mit. Dabei sei er nicht nur „im Maschinenraum der Kommunalpolitik“ unterwegs, sondern auch „ein Mutmacher, der die Menschen mitnimmt und der unter den Leuten ist“. Im Gegensatz zu anderen Bewerbern wisse er, worauf er sich einlässt, und könne nach der Wahl nahtlos an die Arbeit gehen. „Der Landkreis Cham ist bei Dir mit Herz, Mut und Erfahrung in den besten Händen“, sagte der Kreisvorsitzende.
Landrat Löffler wirbt für seinen möglichen Nachfolger
Landrat Löffler lobte Multerers Erfolge als Bürgermeister, sein Engagement als Sprecher der Rathauschefs im Kreis und seine Arbeit in der Kreispolitik. Sein Nachfolger müsse nicht nur den eingeschlagenen Weg fortsetzen, sondern auch immer wieder regionale Antworten auf geopolitische Herausforderungen finden. „Das traue ich dir zu, so habe ich Dich kennengelernt“, sagte Löffler. „Deshalb unterstütze ich Dich mit vollem Herzen.“
Auch die Parlamentarische Staatssekretärin Englhardt-Kopf sprach sich klar für Multerer aus. Was von den extremen Rändern, von AfD und Linker, komme, das sei Populismus, keine Lösungen, sagte sie. „In herausfordernden Zeiten braucht es einen echten Macher“, so die Bundestagsabgeordnete. „Du hast bewiesen, dass Du es kannst, lieber Michael Multerer.“