Christian Schindler (32) ist Landrats-Kandidat – Der Chamer geht für die Freien Wähler ins Rennen

Nun ist es also offiziell: Christian Schindler (32) ist der Landrats-Kandidat der Freien Wähler. Das hat der Kreisvorstand am Mittwochabend den Ortsvorsitzenden im Kolpinghaus mitgeteilt und anschließend der Presse bekanntgegeben. Erstmals hat sich dabei auch Schindler selbst zu seinen Ambitionen geäußert. Vor allem der endgültige Entschluss war demnach eine etwas andere Geschichte.
Wochenlang hatten die Freien Wähler zu allen Spekulationen eisern geschwiegen. Nun hat es der stellvertretende Kreisvorsitzende Michael Schwarzfischer übernommen und den Tipp des Bayerwald-Echos bestätigt: Christian Schindler macht’s! Er ist damit nach Michael Multerer (CSU), Christian Oberthür (Linke) und Christl Fischer (AfD) der vierte Kandidat, der seinen Hut in den Ring wirft und Nachfolger des scheidenden Landrats Franz Löffler werden will. Auch die SPD hat einen Kandidaten angekündigt.
Die Nachricht auf dem Brenner-Pass
Die Freien Wähler, so Schindler, werden weiter dem ursprünglich vorgeschriebenen Weg folgen. Er sieht eine endgültige Nominierungsversammlung am 14. November in Cham vor. Der Kreisvorsitzende war vor einer Woche von seinem erweiterten Kreisvorstand einstimmig als Kandidat vorgeschlagen worden.
Als spannende und etwas andere Geschichte erweist sich Schindlers Bericht, wann für ihm klar wurde, dass es nun ernst wird: Es geschah auf der Hochzeitreise mitten auf dem Brenner-Pass. „Thema ist die Landrats-Kandidatur bei uns ja schon länger gewesen. Aber in dem Moment hat jeder gewusst, dass es jetzt richtig ernst wird. Da hatten wir auf der Hochzeitsreise ein echtes Thema…“, sagt Schindler und lacht.
Der designierte Landrats-Kandidat der Freien Wähler hat sich auch schon mit dem befasst, was auf ihn zukommt. Wahlkampf ist es ja auf jeden Fall. Dort wird er vermutlich mit einem Argument konfrontiert, das die CSU gerne bei ihrem vorgeschlagenen Kandidaten Michael Multerer bringt: Erfahrung in kommunalen Ämtern. Als Bürgermeister zum Beispiel. Darauf war Schindler offensichtlich auch gefasst und beantwortet die Frage mit einem Konter: Der amtierende Landrat habe sich für das Amt ja offensichtlich auch über eine Verwaltungs-Laufbahn qualifiziert. „Die hab ich auch“, sagt Schindler. Er erinnert daran, dass er über Jahre stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes in Cham war.
Aktuell ist der 32-jährige Sachgebietsleiter in der Unteren Verkehrsbehörde im Landratsamt in Regensburg. „Ich bin zuständig für die Zulassungsstelle, die Fahrerlaubnisbehörde und die Straßenverkehrsbehörde“, so Schindler.
Am Ende des Tages, so der Kandidat der Freien Wähler, gehe es um politische Führungsverantwortung. „Da kann ich gut mithalten“, sagt er. Schindler ist Kreisvorsitzender und stellvertretender Bezirksvorsitzender der Freien Wähler. Im Ehrenamt trainiert er seit Jahren den Chamer Handballnachwuchs.
Auf allen Ebenen hat er schon um Nachsicht gebeten. Als Trainer wird er kürzertreten. In der 1. Mannschaft der Chamer Handballer wird – zumindest erst einmal im Wahlkampf – sein Posten als Torwart frei. Das hat er bereits im Vorfeld seiner Mannschaft mitgeteilt.
„Landrat ist kein Erbhof“
„Die Familie steht zu 110 Prozent hinter meiner Entscheidung“, sagt Schindler. Er ist gerade erst frisch verheiratet, aber seine Frau hat sich bereits daran gewöhnt, dass er oft unterwegs ist. „Dadurch, dass wir kein Kind haben, ist die Entscheidung auch leichter gefallen. Man weiß ja, was da auf einen zukommt“, sagt Schindler.
„Wie lange die Auszeit dauert, entscheidet am Ende sowieso der Wähler“, sagt er. Und noch einen kleinen Hinweis verkneift sich der Kandidat nicht: „Das Amt des Landrats ist kein Erbhof…“
Kommentar von Redaktionsleiter Martin Hennings: „Mit Hirn und Herz entscheiden“
Langsam lichtet sich der Nebel, der lange über dem Feld der Landratsbewerber lag. Die Freien Wähler haben am Mittwoch Christian Schindler aufgestellt, die CSU wird am Samstag Michael Multerer auch offiziell ins Rennen schicken. AfD (Christl Fischer) und Linke (Christian Oberthür) haben längst nominiert, die SPD kündigt einen Wahlvorschlag für Mitte Oktober an.
Die Bewerber der beiden großen bürgerlichen Parteien haben wir in den vergangenen Wochen richtig vorausgesagt. Bei der Frage, wer Landrat Franz Löffler beerben wird, halten wir uns aber zumindest im Moment mit Prognosen lieber zurück. Was bedeutet: Dass auf dem Landratssessel auch künftig ein CSUler sitzt, ist kein Selbstläufer.
Die momentane Stärke der zumindest in Teilen rechtsextremen AfD hat das politische Koordinatensystem auch im Landkreis Cham verschoben. Viele der Bewerber haben zwar eine starke Basis in ihrer politischen und tatsächlichen Heimat, müssen ihre kreisweite Strahlkraft aber noch unter Beweis stellen. Und bei einzelnen Wahlvorschlägen sollte sich der Wähler schlicht fragen, ob er oder sie überhaupt geeignet ist, das wichtige und verantwortungsvolle Amt des Landrats auszufüllen.
Die gute Nachricht für Wahlkämpfer und Wähler: Bis zum Urnengang bleiben 164 Tage. Zeit, das eigene Profil zu schärfen und den Bekanntheitsgrad zu steigern. Zeit aber auch, sich ein Bild von der Person eines Bewerbers zu machen und – genauso wichtig – von seinen Ideen und Vorstellungen.
Unserem Landkreis und unserer Demokratie würde es gut tun, wenn möglichst viele Wählerinnen und Wähler möglichst viele Wahlkampfveranstaltungen besuchen. Damit der Landkreis am Ende seinen Landrat mit Hirn und Herz wählt, nicht nur aus dem Bauch heraus.