Nun ist es raus: Michael Multerer soll Landratskandidat der CSU im Landkreis Cham werden

Nun ist es also amtlich: Michael Multerer (56) soll Landratskandidat für die CSU werden. Und zwar der einzige. Das Zustandekommen ist mindestens bemerkenswert: Der Arnschwanger Bürgermeister hat sich mit seinem Mitbewerber, dem Chamerauer Amtskollegen Stefan Baumgartner, in einem Vieraugen-Gespräch geeinigt.
Dort muss es wenigstens einigermaßen friedlich abgegangen sein. Jedenfalls stellt Baumgartner bei der Pressekonferenz in seiner gewohnt gerade Art fest, dass die Kampfspuren bereits wieder verheilt sind. An diesem Montagmittag präsentiert sich die CSU als schwarzer Block.
Herausfordernde Zeiten
Die Begründung dafür liefert Kreisvorsitzender MdL Dr. Gerhard Hopp: „Es sind herausfordernde Zeiten auf allen politischen Ebenen.“ Das wichtigste Gut sei das Vertrauen in die lokale Politik. Und davon habe sich die politische Spitze im Landkreis – allen voran der scheidende Landrat Franz Löffler – jede Menge erarbeitet. „Wir haben uns hier entwickelt, wie es uns wenige zugetraut haben“, so Hopp.
Nun müsse man auch verantwortungsvoll mit dem Thema der Nachfolge umgehen. Die CSU werde geschlossen in den Wahlkampf gehen: „Wir bekommen da mit unseren Ortsverbänden und den Bürgermeistern viel Kraft auf die Straße.“ Mit Stefan Baumgartner und Michael Multerer sind laut Hopp zwei herausragende Bürgermeister für die Kandidatur infrage gekommen. „Die beiden haben gesagt: Wir besprechen das untereinander. Und das ist passiert. Ortsverbände, Kreisverband und Kreistagsfraktion haben anschließend Michael Multerer einstimmig bestätigt als Kandidat“, teilte der Kreisvorsitzende mit.
Mut machen gegen Angst schüren
Hopp gab auch schon einen Vorgeschmack auf den Wahlkampf: „Wir werden Mut machen und angesichts vieler geopolitischer Probleme auch sagen, was gut läuft. Damit werden wir gegen Hass, Hetze, Polarisierung und das Schüren von Ängsten antreten.“
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Michael Multerer stellte fest, dass seine Kandidatur geprägt sei von großem Respekt vor den Leistungen seiner drei Vorgänger, die teils auch in Spitzenverbänden der bayerischen Politik tätig gewesen seien. „Aber wenn man immer nur von Fußstapfen redet, dann gibt es keine Landrats-Kandidaten“, so Multerer. Jede Zeit hat ihre Herausforderungen, sagt der Bewerber und fühlt sich mit der Unterstützung der Landkreis-CSU diesen bestens gewachsen. In einem Landkreis, der sich so gut entwickelt habe, sei „Was muss sich ändern?“ die falsche Frage: „Wenn es darum geht, bei der weiteren Entwicklung voranzugehen, dann traue ich mir das zu“, sagt Multerer.
Mit großer Demut...
In seinen Ämtern habe er bewiesen, dass er in der Lage sei, 39 Bürgermeister und Gemeinden zusammenzuhalten: „Da sind aus der Vergangenheit keinerlei Rechnungen offen“. Er werde mit großer Demut in die Nominierungsversammlung gehen und in die Wahl am 8. März: „Mir ist klar, dass wir uns mit Bundesthemen beschäftigen müssen, weil hier mit Pauschalbehauptungen gepunktet werden soll. Aber man kann da ja ganz gut zeigen, was das für den Landkreis bedeutet, wenn jemand die Ausländer raus haben will, aber unter den 55 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 11 000 Ausländer sind...“
Stefan Baumgartner blickt ohne Zorn auf die letzten Wochen zurück: „Ich habe mich entschieden, mein Ego zurückzustellen, und Chamerauer Bürgermeister zu bleiben. Und das ist eine gute Entscheidung.“ Schließlich, sagt der einstige Mitbewerber, ist es nicht verboten, bei einem Amtswechsel mit so einem Landratsposten zu liebäugeln. Aber er habe sich mit Multerer geeinigt und sehe auch in Chamerau genügend Herausforderungen. Baumgartner macht aber auch klar, dass mit ihm weiter zu rechnen ist: „Ich bin jetzt 45 Jahre, und es ist noch nicht aller Tage Abend.“
„Es wird hart genug“
Auf die Frage, wie man sich denn den Ablauf eines solchen Vieraugen-Gesprächs vorstellen müsse, wollen beide nicht so recht raus. Schließlich sagt Multerer: „Sein Sohn ist neun Jahre alt, meiner 21... zum Beispiel“ Beide betonen aber, dass es keinerlei Absprachen gibt. Baumgartner: „Vizelandrat ? – Nein! Man verteilt das Fell des Bären einfach nicht, bevor er erlegt ist. Wir können doch stolz sein. Andere haben gar keinen Kandidaten. So jemanden kann man sich nicht einfach bei Quelle bestellen. Wir hatten zwei und sind uns jetzt einig. Es wird hart genug.“
In Letzterem sind sich alle einig. Auch Fraktionsvorsitzender Karl Holmeier, der selber nochmal antreten will, wenn es die Gesundheit zulässt, schlägt in dieselbe Kerbe: „Es wird hart. Und es ist schon etwas Besonderes, wie sich die beiden zusammengerauft haben. Multerer habe die notwendige politische Erfahrung, um erfolgreich zu sein, so Holmeier.
Landrat: „Ich bin froh“
Auch Landrat Franz Löffler spricht von spricht von bewegten Zeiten: geopolitisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch. Da sei Stabilität auf kommunalpolitischer Ebene gefragter denn je. „Ich bin froh, dass wir mit Michael Multerer einen gefunden haben, der dieses Profil mitbringt, um den Landkreis zukunftsfähig zu halten“, sagt Löffler.
Es sei traurig, dass man das heutzutage ansprechen müsse, aber Multerer bekenne sich zur demokratischen, rechtsstaatlichen Ordnung. „Heute gibt es Kräfte, die uns zwingen, positiv über unsere Demokratie zu reden“, sagt Löffler. Die Menschen werden erst merken, was sie verloren haben, wenn die Justiz ausgehöhlt und die Pressefreiheit abgeschafft ist, so der Landrat. Michael Multerer sei bei allen wichtigen Entscheidungen von Berufsschule bis Regionalwerke dabei gewesen: „Er erkennt die Zeichen der Zeit“, versichert Löffler.
Kommentar
Von Johannes Schiedermeier
Nun könnten wir sagen, dass wir es gleich gesagt haben. Aber das sagen wir natürlich nicht. Trotzdem: Wir haben es ja gleich gesagt – Mich Multerer macht’s. Aber wir geben gern zu, dass uns die CSU auch echt überrascht hat: Diese Partei, die eigentlich in der Vergangenheit dafür bekannt war, dass sie sich am publikumswirksamsten selber zerlegen kann – ein monolithischer schwarzer Block.
Fast möchte man sich etwas beruhigt zurücklehnen: Hat die CSU etwa die Zeichen der Zeit erkannt? Es scheint so. Zumindest hat man offensichtlich bemerkt, dass bei Streit und Fehlern jedes Mal andere absahnen, die nichts für diesen Landkreis getan und in sechs Jahren keinen einzigen Antrag in den Kreistag eingebracht haben.
Doch nun wird es spannend. Die CSU will mit Mutmachen und Sachpolitik punkten gegen Hass, Hetze und Polemik, die einfältige Lösungen für komplexe Fragen anbietet. Sagt die CSU. Ob diese Wahlkampftaktik aufgehen wird, weiß heute noch keiner. Wir hätten da schon einen Tipp. Aber dann würde es wieder heißen: Wir haben das immer schon gewusst. Und wir wollen ja keinen langweilen.