Zweiter Weltkrieg: Zerstörung und Wiederaufbau in der Stadt Furth im Wald

Die Stadt Furth im Wald im Landkreis Cham war erst wenige Tage vor Kriegsende von Luftangriffen betroffen. Ein Projekt des Haus der Bayerischen Geschichte hat die Zerstörung und die Toten dokumentiert. Auch wie es in den Jahren danach mit Flüchtlingsströmen und schließlich Wiederaufbau weiterging, wird beschrieben.
Vor 80 Jahren, am 3. April 1945, erst wenige Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht (8. Mai), erfolgte ein erster Tieffliegerangriff auf die Stadt Furth im Wald. Wie es im Anschluss weitergegangen ist und wie der Wiederaufbau bis 1972 erfolgte, hat das Haus der Bayerischen Geschichten in einem einzigartigen Projekt dokumentiert.
Der Atlas zum Wiederaufbau hat die Geschehnisse während des Krieges und was danach geschah für viele Orte in Bayern wissenschaftlich aufgearbeitet. Furth im Wald war demnach am 17. April von einem Luftangriff betroffen, am 22. und 23. April erfolgten weitere Tieffliegerangriffe.
Japanische Kriegsgefangene
In der Nacht vom 24. auf den 25. April kam die Drachenstadt ebenfalls nicht zur Ruhe. Grund war ein Störfeuer einer US-Artilleriebatterie, die im 30-Minuten-Takt jeweils 15 Sprenggranaten absetzte. Schließlich gab es am 26. April gegen 14 Uhr aus dem Bereich Ösbühl-Daberg noch Beschuss durch eine deutsche Artillerie. Nach Vermittlung des damaligen Bürgermeisters Hörmann wurden die Kampfhandlungen eingestellt.
So konnte der kampflose Einmarsch des 359. Infanterieregiments der US-Armee sichergestellt werden. Drei Tage zuvor (23. April) war die Eisenbahnbrücke bei der Späthenmühle nahe Dieberg gesprengt worden. Ebenfalls auf Hörmanns Einwirken war an diesem Tag der größte Teil der Verteidigungseinheiten abgezogen. Noch war die Sache nicht ganz ausgestanden, denn wiederum am 27. April kam es zu erneuten Kampfhandlungen zwischen deutschen Einheiten in Ösbühl-Daberg und den vorrückenden US-Verbänden.
Bei dem Luftangriff am 17. April starben fünf Menschen, während des US-Einmarsches am 26. April war ein toter deutscher Soldat zu beklagen und aufgrund des deutschen Artilleriebeschusses kam ein Mensch ums Leben.
Furth im Wald war Zentrum für Kriegsgefangene und Flüchtlingsströme
Durch Bordwaffenbeschuss beim ersten Tieffliegerangriff wurde vor allem der Bereich Bayplatz und das Betriebsgebäude der Holzschuhfabrik Rank-Seidl arg in Mitleidenschaft gezogen. Die weiteren Angriffe verursachten zum Teil erhebliche Gebäudeschäden. Allein im Stadtkern waren demnach 25 Anwesen betroffen. Der Friedhof, das evangelische Pfarrhaus, der Bereich des Holzlagers der Firma Edelmann, der Stadtplatz, Gebäude am Schießstättenweg und am Lagerweg wurden getroffen. Die einmarschierenden US-Truppen haben am 26. April bei der Sprengung von deutscher Munition ein Anwesen in der Eschlkamer Straße beschädigt.
Als Grenzstadt mit Bahnhof war Furth im Wald in den Monaten und Jahren nach dem Krieg Zentrum für Kriegsgefangene und Flüchtlingsströme. Ende Juli 1945 war der Postgarten mit einem Gefangenenlager für Japaner belegt. Ab Januar 1946 trafen Heimatvertriebenen-Transporte in Furth im Wald ein. Durch den Zustrom von Evakuierten und Flüchtlingen stieg die Bevölkerungszahl von 6039 im Jahr 1939 auf 9678 im Jahr eins nach Kriegsende. Danach waren die Bevölkerungszahlen wieder rückläufig und pendelten sich auf 8177 im Jahr 1968 ein. Als Auffang- und Grenzdurchgangslager hatte die Stadt von 1946 bis 1957 die gewaltige Zahl von 706.000 Menschen zu bewältigen.

Keine Zeit also, die Hände in den Schoß zu legen. Bereits ein Jahr nach Kriegsende begannen die Stadtverantwortlichen mit dem Wohnungsbau. In den 1950er Jahren erfolgten zahlreiche Betriebsansiedlungen und der Fremdenverkehr trieb erste Blüten. 1952 wurde die Staatliche Mittelschule errichtet und am 30. August 1956 die Patenschaft für den Heimatkreis Bischofteinitz übernommen.
1972: Eingemeindungen
Beim Bischofteinitzer Heimattreffen 1979 wurde das Glockenspiel am alten Amtsgerichtsgebäude am Stadtplatz geweiht. Auf der Internetseite des Heimatkreises heißt es: „Dieses Geschenk der Bischofteinitzer an die Stadt Furth im Wald sollte ein Dank sein an Furth und seine Bevölkerung für die herzliche Aufnahme und Unterstützung, als rund eine Million Vertriebene durch die Further Senke geschleust wurden und hier zum ersten Mal wieder nach Wochen und Monaten der Demütigung, Entehrung und Entrechtung zivilisierte Umgangsformen vorfanden.“
In den 1960er Jahren wurde die Infrastruktur weiter verbessert sowie Sport- und Freizeiteinrichtungen geschaffen. Im Juli 1964 erfolgte die Wiedereröffnung des Straßen-Grenzübergangs Schafberg in die damalige Tschechoslowakei. Im Zuge der Gebietsreform im Jahr 1972 wurden dann die Ortschaften Ränkam, Sengenbühl sowie Voithenberg und Voithenberghütte eingemeindet.