Kunst im Untergrund: So rückt ein Österreicher den Bahnhof Abensberg ins Blickfeld

Die Bahnunterführung in Abensberg im Landkreis Kelheim ist fertig: Was die mit dem Kuchlbauerturm und dem Kunsthaus zu tun hat, lesen Sie hier.
Kuchlbauerturm, Kunsthaus, Rathaus, Stadtsilhouette – und das alles in bunt und nebeneinander: „Ist echt schön geworden“, sagt ein Mann, der gerade unter den Gleisen hindurch geht und sein Handy zückt.
Die Unterführung am Bahnhof Abensberg ist seit Kurzem offen und verbindet nun die Traubenstraße mit dem Bahnhofvorplatz. Und sie ist ein wahrer Blickfang, eine kleine „Kunstgalerie“ im Untergrund,wie man sie normalerweise nur in größeren Städten findet: Wie eine Visitenkarte für die Stadt ziehen sich die bekanntesten Ansichten an der Wand entlang.
Wie es 1:1 ausschaut, da bin ich gespanntPeter Pelikan
Ein bekannter Architekt hat Abensberg einmal mehr seinen Stempel aufgedrückt. Zu sehen ist eine freilich fiktive Skyline mit allen wichtigen Gebäuden, die das Stadtbild prägen. Die Idee und die entsprechenden Gestaltungsentwürfe stammen vom Österreicher Peter Pelikan, der auch für die Gestaltung des Kuchlbauerturms und des Kunsthauses verantwortlich zeichnet. „Die DB hat mich angerufen und ich habe versucht, die Gebäude so zu gestalten, dass es passt.“ Er selbst hat das Ganze im Übrigen noch gar nicht gesehen: „Ich habe den Entwurf im Maßstab 1: 50 , 1:100 gemacht. Wie es 1:1 ausschaut, da bin ich gespannt.“

Die Ausarbeitung im Detail übernahm die Springmann Architektur GmbH. Architekt Heinz M. Springmann arbeitete ebenfalls eng mit Friedensreich Hundertwasser zusammen.
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Kein Einheitsbrei
Statt grauem Einheitsbrei zieht sich nun ein buntes Wandbild durch die Unterführung und lässt die Reisenden innehalten. Und nicht nur die erfreuen sich an dem Anblick. „Ich finde es gigantisch“, meint beispielsweise Hans-Peter Rickinger, Leiter der Bierwelt und des Tourismus bei Kuchlbauer, „es ist ein weiterer Punkt, an dem wir uns abgrenzen, an dem wir uns einmalig machen.“ Auch Bürgermeister Bernhard Resch gefällt‘s: „Ich halte zum einen die Kunstwerke für sehr schön, zum anderen ist die Stadt Abensberg mitunter für das Kunsthaus und den Hundertwasserturm bekannt. Eine schöne Analogie.“

An den Treppenaufgängen riecht es noch nach frischem Holz: Die Handläufe sind noch ganz neu. So ganz barrierefrei ist das alles aber noch nicht: Die beiden Aufzüge sind noch nicht in Betrieb, „defekt“ steht darauf. Reisende tragen ihr Fahrrad noch die Treppen hoch. Laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn sollen sie aber bis Ende 2025 funktionieren, zumindest „voraussichtlich“, wie auf Nachfrage zu hören war. .Die Unterführung wurde im Rahmen des barrierefreien Ausbaus der Deutsche Bahn (wir berichteten) gebaut. Bislang war nur der Hausbahnsteig an Gleis 1 barrierefrei.
Nun wurde auch der zweite Bahnsteig entsprechend angepasst. So entstand ein neuer Außenbahnsteig an Gleis 2. Mit einer Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern über Schienenoberkannte ermöglicht er ein ebenerdiges Ein- und Aussteigen. Der Bahnsteig erhielt zudem eine moderne Ausstattung mit einem taktilen Leitsystem für sehbehinderte Menschen, neuen Infomonitoren sowie zwei Wetterschutzanlagen. Die Gesamtkosten des barrierefreien Ausbaus betragen rund 13 Millionen Euro.
Besuch im Frühjahr
Rundherum ist freilich noch nicht alles fertig. Die landschaftspflegerischen Begleitarbeiten müssen bis zum Frühjahr warten.
Dann werden auch die endgültigen Treppeneinhausungen an den Bahnsteigen montiert und die Baueinrichtungsflächen rückgebaut. Reisende erwartet künftig also ein einladendes Bahnhofsareal. Vielleicht ist einer der Reisenden auch Pelikan. Denn er will sich im kommenden Jahr mit seiner Frau ansehen, wie sein Entwurf umgesetzt wurde. „Das machen wir im Frühling“, sagte er am Telefon.
Zur Person: Das ist Peter Pelikan
Weggefährte: Der 1941 geborene österreichische Architekt Peter Pelikan arbeitete seit den 1980er Jahren an der Realisierung von Projekten von Friedensreich Hundertwasser mit. Eines der bedeutensten Werke, bei denen er bei der Planung dabei war, ist das Hundertwasserhaus in Wien.
Projekte: Der Kuchlbauerturm ist ein Projekt mit Anleihen von Hundertwasser, geplant, geändert und bearbeitet von Architekt Pelikan. Ursprünglich hatte Hundertwasser für den damaligen Brauereichef Leonhard Salleck einen 70 Meter hohen Turm geplant – der nicht umgesetzt werden konnte. Nach dem Tod von Hundertwasser diente dessen Entwurf als Inspiration für seinen langjährigen Freund und Mitarbeiter Pelikan und dessen eigenständige Bearbeitung sowie Neuplanung des Turms. Das Kunsthaus trägt auch Pelikans Handschrift. Hundertwasser selbst, der in diesen Tagen 97 Jahre alt geworden wäre, hat den Turm im Übrigen nie gesehen.