Oberpfälzer Tastaturhersteller in der Krise: Jetzt tritt der Chef zurück

Oliver Kaltner gibt den Vorstandsvorsitz bei der Cherry SE aus Auerbach im Landkreis Amberg-Sulzbach zum Ende des Jahres ab. Der Aufsichtsratschef verabschiedet ihn mit lobenden Worten – obwohl der Aktienkurs in der Amtszeit Kaltners massiv eingebrochen ist.
Der strauchelnde Tastaturhersteller Cherry aus Auerbach (Lkr. Amberg-Sulzbach) bekommt zum Jahresstart einen neuen Chef. Wie das Unternehmen in der vergangenen Woche mitteilte, sei Oliver Kaltner auf eigenen Wunsch zurückgetreten. Er scheide zum Ablauf seiner Amtszeit am 31. Dezember aus dem Vorstand aus. Der Mitteilung zufolge soll er den Konzern aber weiter bei Fusions- und Übernahmethemen „beratend unterstützen“ – Cherry hatte kürzlich einen wichtigen Verkaufsprozess angestoßen.
Das Unternehmen will eine seiner beiden Sparten verkaufen. Der Konzern gliedert sich bislang in das Segment „Digital Health & Solutions“ – etwa Lesegeräte für Gesundheitskarten und Software für Arztpraxen – und die Sparte „Peripherals“, zu der unter anderem Tastaturen und Mäuse für den Büro- und Gamingbereich gehören. Er freue sich darauf, Cherry weiter beraten zu können, wird Kaltner in der Mitteilung zitiert. Ob tatsächlich der anstehende Verkauf in seinen Aufgabenbereich fällt, geht daraus allerdings nicht hervor.

Kaltner hatte den Vorstandsvorsitz Anfang 2023 übernommen. „Nach drei sehr intensiven Jahren, geprägt von schwierigen Restrukturierungsmaßnahmen in einem herausfordernden Umfeld, ist für mich der Zeitpunkt gekommen, zurückzutreten“, sagt er. Während der Amtszeit Kaltners ist der Aktienkurs des Unternehmens von fast acht Euro auf nun knapp 60 Cent zurückgegangen – ein Rückgang um 92,5 Prozent.
Cherry laut Kaltner mit „positiver Zukunftsperspektive“
Mit seiner Performance ist der Vorstandschef aber offenbar dennoch zufrieden: „Gemeinsam mit einem außergewöhnlich engagierten Team haben wir das wahre Potenzial von Cherry neu entfaltet, sodass die traditionsreiche Marke eine positive Zukunftsperspektive erhält.“ Aufsichtsratsvorsitzender Marcel Stolk dankte Kaltner für dessen „herausragende Führung in den vergangenen herausfordernden Jahren“.
Das Gremium hat auch bereits einen Nachfolger bestimmt: Rogier Volmer werde den Vorstandsvorsitz ab Januar interimistisch übernehmen, heißt es in der Mitteilung. Volmer war unter anderem lange im Management des Computerzubehör-Herstellers Logitech tätig. „Ich fühle mich geehrt, die Führung von Cherry in einem Moment bedeutender strategischer Chancen zu übernehmen“, wird der Neue an der Unternehmensspitze in der Mitteilung zitiert.