Konzern in der Krise: Oberpfälzer Tastaturhersteller Cherry steht vor massivem Umbruch

Eine Mitteilung von Cherry aus Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) hat aufhorchen lassen. Verkauft das ins Straucheln geratene Oberpfälzer Unternehmen sein Geschäft mit Tastaturen und Co?
Der Oberpfälzer Konzern Cherry arbeitet daran, sich aus der wirtschaftlichen Schieflage zu befreien. Wie bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag bekannt wurde, hat das Unternehmen die Produktion mechanischer Schalter am operativen Hauptsitz in Auerbach im Kreis Amberg-Sulzbach mittlerweile wie angekündigt eingestellt. Gleichzeitig präsentierte das Unternehmen jedoch einen deutlich weiterreichenden Plan: Cherry steht offenbar vor einem massiven Umbruch.
Bereits am Mittwoch hatte das Unternehmen dazu eine Mitteilung veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass Cherry eine seiner beiden Sparten verkaufen will. Der Konzern gliedert sich bislang in das Segment „Digital Health & Solutions“ – etwa Lesegeräte für Gesundheitskarten und Software für Arztpraxen – und die Sparte „Peripherals“, zu der unter anderem Tastaturen und Mäuse für den Büro- und Gamingbereich gehören.
Cherry: Noch keine „finale Entscheidung“
Näher erläutern wollte Cherry die Pläne der Mitteilung zufolge bei der außerordentlichen Hauptversammlung. Die war aufgrund finanzieller Probleme notwendig geworden. Dort habe man „ausführlich dargelegt“, dass man die Veräußerung beider Segmente prüfe, teilte das Unternehmen am Freitag der Mediengruppe Bayern mit. Noch ist demnach offen, welche Sparte abgegeben werden soll: Da der Prozess gerade erst gestartet sei, könne noch keine „finale Entscheidung über das zu veräußernde Segment“ getroffen werden. Das Thema habe aber „höchste Priorität“ und der Vorstand arbeite „mit Hochdruck an einer zeitnahen und erfolgreichen Abwicklung“.
Gemäß den Publikationspflichten eines börsennotierten Unternehmens werde man „alle weiteren Fortschritte in diesem Prozess (...) umgehend und transparent veröffentlichen“, heißt es vom Unternehmen. Dazu zählen auch „Entscheidungen zu unseren Markenrechten“. Tatsächlich erscheint es kaum vorstellbar, dass die Sparte „Peripherals“ ohne die Marke Cherry verkauft werden kann. Vor allem bestimmte Schalter, die sowohl in den eigenen Gaming-Tastaturen als auch in Geräten zahlreicher anderer Hersteller verbaut sind, genießen in der Computerspiel-Szene seit Jahrzehnten einen Kultstatus.
Zweck des Verkaufs ist dem Unternehmen zufolge, „die Konzernstruktur zu verschlanken und das in der Cherry SE verbleibende Kerngeschäft nachhaltig zu stärken“. Ziel sei es, den Konzern auf einen „stabilen Wachstumskurs“ zurückzuführen.