Ordensfrau aus der Oberpfalz mahnt Salzburger Rebellen-Nonnen zu Gehorsam

Von Christian Eckl · 12. Dezember 2025 um 19:00

Die aus der Oberpfalz stammende Ordensfrau Gabriela Zinkl hat sich im Streit um die Rückkkehr von drei hochbetagten Nonnen zu Wort gemeldet. Sie wirft den Schwestern Ungehorsam vor. Sie waren von einem Propst ins Altersheim eingeliefert worden, kehrten schließlich gegen seine Anweisung in ihr Kloster in Goldenstein bei Salzburg zurück. Ihr Rechtsberater hat nun den Vatikan eingeschaltet.

Der Fall hält die Öffentlichkeit, aber auch die Kirche in Atem: Die Schwestern Rita, Regina und Bernadette sind als die Rebellen-Nonnen von Goldenstein schon heute in die Geschichte eingegangen. Die drei Schwestern haben gegen den Willen ihres Vorgesetzen Propstes das Kloster in Goldenstein bei Salzburg wieder bezogen. Davor lebten sie im Altersheim, wohin sie gegen ihren Willen verfrachtet wurden.

Jetzt hat sich eine prominente Ordensfrau gegen die Schwestern gestellt. Gabriela Zinkl stammt aus der Oberpfalz, hatte als Kirchenrechtlerin im Bistum Regensburg gearbeitet, bevor sie Karriere und Partnerschaft aufgab und als Borromäerin nach Jerusalem ging. Heute ist die Ordensfrau selbst in der Leitung des Klosters Grafschaft (Rheinland-Pfalz). Auf der Plattform katholisch.de schrieb Zinkl harte Worte: „Wenn der Schutzraum der Klausur zur Bühne wird“, so die Überschrift ihres Beitrags.

„Der Fall hat alles, was ein Kirchenkrimi braucht“

Und weiter: „Der Fall hat alles, was ein Kirchenkrimi braucht: ein Trio von Ordensfrauen, “Ausbruch" aus dem Gefängnis alias Pflegeheim, eine Schar empörter Unterstützer und auf der anderen Seite ein strenger Prior.“ Doch Zinkl hat eine andere Perspektive auf die drei rebellischen Nonnen: „Hinter all dem Lärm steht eine Frage, die kaum jemand stellt: Was bedeutet Ordensleben eigentlich – und was geschieht, wenn jahrzehntelang gelebter Gehorsam plötzlich zum Konfliktfeld wird?“

„Gehorsam ist kein überholtes Prinzip“

Zinkl, die selbst aus dem Heiligen Land nach Deutschland zurückbeordert wurde, macht in ihrem Beitrag klar: „Entscheidungen der Oberen sind nicht immer angenehm, aber sie gehören zum gemeinsamen Unterwegssein in der Nachfolge Jesu.“ Sie bedauere, dass die Schwestern, „deren Kräfte sichtbar nachlassen“, in „mediale Erwartungen hineingezogen und unfreiwillig zu Stars“ werden. Ihr Fazit: „Gute Altenpflege widerspricht dem Ordensleben nicht. Und Gehorsam ist kein überholtes Prinzip, sondern ein Raum, in dem Gemeinschaft auch im Alter tragfähig bleibt.“

Ist der Fall der drei Nonnen also so eindeutig nicht? Der Rechtsberater der Klosterschwestern aus dem Kloster Goldenstein, Wolfgang Rothe, sagt zur Mediengruppe Bayern: „Das, was die Schwester Gabriela in ihrem kurzen Kommentar geschrieben hat, ist im Prinzip ja richtig.“ Allerdings fehle es an wichtigen Präzisierungen. In Salzburg liege der Fall in mehreren Punkten anders.

Nach Darstellung Rothes hätten die Verantwortlichen nicht erkannt – oder nicht erkennen wollen –, dass den Schwestern durch das Vorgehen ihre Selbstbestimmung und ihre Menschenwürde entzogen worden seien. Wer erkläre, man sei zu alt, um das Klosterleben aufrechtzuerhalten, müsse konsequenterweise auch Lösungen suchen, die den Bedürfnissen der Betroffenen entsprächen. Genau das sei in Goldenstein nicht geschehen.

„Man hat die Schwestern mit Knebelverträgen über den Tisch gezogen“

Stattdessen erhebt Rothe schwere Vorwürfe. „Man hat die Schwestern mit Knebelverträgen über den Tisch gezogen“, sagt er. Entscheidungen seien über die Ordensfrauen hinweg getroffen worden, ohne das Gespräch mit ihnen zu suchen. „Es wurde über sie bestimmt, ohne dass man mit ihnen gesprochen hätte“, sagt der Priester. Dass es auch anders gehen kann, habe er in anderen Ordensgemeinschaften erlebt. Als positives Beispiel nennt Rothe die Ursulinen von Landshut. Dort seien die Schwestern gemeinsam in ein Altenheim nach München gezogen. Sie hätten einen eigenen Trakt erhalten und ihr Gemeinschaftsleben fortsetzen können – ein Vorgehen, das aus seiner Sicht die Würde und Eigenständigkeit der Ordensfrauen respektiert habe.

Ganz anders die Situation in Goldenstein. „Sie hatten nicht einmal Kleidung dabei, als sie ins Altenheim verfrachtet wurden“, sagt Rothe. Eine Schwester sei sogar nur im Nachthemd dort angekommen. Besonders bewegt zeigt er sich von der Haltung der Betroffenen. „Diese heitere Unbedarftheit dieser drei Schwestern: Wie oft der Satz fällt, wir sind in Gottes Hand.“ Auch kirchenrechtlich sieht Rothe noch offene Baustellen. „Der Propst hat erklärt, mit seiner Weisheit am Ende zu sein und Rom eingeschaltet zu haben.“

Rom ist eingeschaltet

Das habe Rothe den Schwestern auch empfohlen, die das taten. „Zu meiner Überraschung kam umgehend aus Rom eine kurze Eingangsbestätigung“, sagt der Rechtsberater der Nonnen. „Inzwischen liegt liege sogar ein sehr freundlicher Brief aus dem Vatikan vor. Dort ist man gut informiert“, so Rothe. Nun müsse das Dikasterium für die Orden entscheiden, wie es weitergeht.