Rebellen-Nonnen dürfen vorerst im Goldensteiner Kloster bleiben – unter harten Bedingungen

Die „rebellischen Nonnen“ von Schloss Goldenstein in Österreich haben ihr Ziel (fast) erreicht. Der für sie zuständige Probst Markus Grasl vom Stift Reichersberg lenkt ein: „Die Schwestern dürfen bis auf weiteres im Kloster Goldenstein wohnen“, heißt es in einer Presseaussendung seines PR-Sprechers und Krisenmanagers Harald Schiffl. Allerdings formuliert der Probst zahlreiche Bedingungen.
So müsse der Instagram-Account „nonnen_goldenstein“ mit mittlerweile fast 100.000 Followern geschlossen und sämtliche Medienkontakte eingestellt werden. Außerdem sollen sich die Helferinnen zurückziehen und die Schwestern „juristische Schritte gegen den Ordensoberen einstellen“. Falls die Schwestern dieses „Angebot“ nicht annehmen, müsse Rom entscheiden, ob die Schwestern noch ein klösterliches Leben führen dürfen.
Lesen Sie dazu auch: Propst wirft Rebellen-Nonnen wegen Klosterbesetzung Bruch der Gelübde vor
Die Vereinbarung kam für die Öffentlichkeit überraschend, aber im Hintergrund gab es immer wieder Gespräche zwischen dem Anwalt und Helferinnen der Nonnen auf der einen Seite und dem externen Krisenmanager des Stiftes Reichersberg, Harald Schiffl, sowie einem Vertreter der Erzdiözese Salzburg auf der anderen Seite. Am Mittwoch wurde von Schiffl eine Vereinbarung übergeben, in der Probst Grasl zwar das vertraglich ohnehin zugesicherte Wohnrecht der Schwestern im Kloster Goldenstein akzeptiert, aber zahlreiche Bedingungen stellt.
Ob die Schwestern diese Vereinbarung akzeptieren steht noch nicht fest. Als die Presseerklärung verteilt wurde, wussten die Augustiner Chorfrauen noch von nichts. „Eine geplante Besprechung mit den Schwestern am Donnerstagabend kam nicht mehr zustande, nach dem Besuch einer Familie einer der Schwestern waren alle drei am Abend müde und gingen früher zu Bett“, so Christina Wirtenberger, die Sprecherin der Helferinnen vor Ort. Ob die Schwestern Rita (82), Regina (86) und Bernadette (88) das „Angebot“ annehmen werden, lässt Wirtenberger offen.
Ordenspriester als „Aufpasser“ im Kloster?
Zum Angebot des Probstes, dass die Schwestern nun doch im Kloster wohnen bleiben dürfen, kommen noch zahlreiche Hilfen, die Stift Reichersberg nun offiziell organisieren will, also zum Beispiel eine 24-Stunden-Pflege und eine Ärztin, „die die notwendige medizinische Versorgung der Schwestern gewährleisten“. Für die Finanzierung soll das Kloster Goldenstein aufkommen, auf den Konten, die seit der Übernahme des Schlosses von Stift Reichersberg verwaltet werden, sollen 460.000 Euro liegen. Eine 24-Stunden-Pflegerin und eine Ärztin sind allerdings bereits jetzt für die Schwestern im Einsatz, organisiert von den ehemaligen Schülerinnen.

Außerdem soll ein Ordenspriester aus dem Stift Reichersberg „die geistliche Begleitung ermöglichen“. Auf Nachfrage, ob der Priester nur zum Lesen der Heiligen Messe kommt oder als eine Art „Aufpasser" im Kloster einziehen wird, antwortet Schiffl: „Die geistliche Betreuung wird nach den aktuellen Notwendigkeiten geregelt. Dies kann – falls sinnvoll – sein, dass der Priester regelmäßig anwesend oder auch wohnhaft im Kloster ist. Und: Nein, er ist keine Aufsichtsperson, sondern ermöglicht den Schwestern das, was ihnen so wichtig ist – klösterliches, geistlich-spirituelles Leben, zu dem auch die Feier der Heiligen Messe gehört.“
Wieder Anmeldung in einem Pflegeheim
Außerdem will der Probst die Schwestern wieder in einem Pflegeheim anmelden, dieses Mal allerdings in der „Heimatgemeinde“ der Schwestern, in Elsbethen. „Sobald die Schwestern in solcher Weise pflegebedürftig sind, dass die Betreuung im Kloster nicht mehr möglich ist und ein Platz im Pflegeheim frei ist, übersiedeln die Schwestern in das Haus in Elsbethen, in Sichtweite des Klosters“, so Markus Grasl in der Presseerklärung. Ob sich die Schwestern nach ihren Erfahrungen mit Probst-Zusagen darauf einlassen, ist eher unwahrscheinlich.
Helferinnen nur mehr als Gäste willkommen
Dem Probst ist offenbar bewusst, dass der Auszug der drei Nonnen aus dem Caritas-Pflegeheim in Oberalm und die Rückkehr ins Kloster Goldenstein nur mit der Hilfe von ehemaligen Schülerinnen möglich war, darum will er sie jetzt auf elegante Weise loswerden: „Die Helferinnen sind weiterhin gerne als Gäste im Kloster willkommen, ihr umfassender Einsatz ist aber nicht mehr notwendig“, so Grasl. Die drei Schwestern sollen die Helferinnen, wie andere Gäste auch, nur mehr in einem speziellen Besucherzimmer empfangen dürfen.
Wer betreibt den Instagram-Account?
Ein besonderer Dorn im Probst-Auge ist die sehr umfangreiche, internationale Berichterstattung über den Wiedereinzug der Nonnen in Goldenstein sowie ein eigener Instagram-Account, auf dem mittlerweile 98.000 Follower den Alltag der Schwestern und ihren Kampf gegen den Oberen aus Reichersberg verfolgen. Dieser Account müsse eingestellt werden, verlangt der Probst, wissend, dass nicht die Schwestern diesen Account führen und ihn daher auch nicht deaktivieren können. „Sämtliche Social-Media-Aktivitäten und aktive Medienkontakte sind einzustellen“, fordert aber die Vereinbarung. Was unter „aktive Medienkontakte“ gemeint ist, beantwortet Schiffl nicht.
Immerhin waren nicht die Schwestern aktiv beim Anrufen von Journalisten und Redaktionen, sondern umgekehrt haben Presse- und TV-Redaktionen die Nonnen und die Sprecherin der Helferinnen, Christina Wirtenberger, regelrecht belagert. Dass das überaus große, mediale Interesse ein gerichtliches Einschreiten in Form einer Räumungsklage gegen die „Hausbesetzung“ verhindert hat, ist auch dem Probst bewusst.