Mach’s gut, Harry: Ärztlicher Direktor des Amberger Klinikums wurde verabschiedet

Nach mehr als einem Jahrzehnt ist am Klinikum St. Marien Amberg ein Führungswechsel vollzogen worden. Der bisherige Ärztliche Direktor Dr. Harald Hollnberger wurde im Rahmen einer Feierstunde im Amberger Rathaus offiziell verabschiedet und seine Nachfolgerin, Dr. Ramona König, begrüßt. Es war ein Abend mit viel Lob, aber auch ein paar kritischen Worten.
2006 war Dr. Harald Hollnberger ans Amberger Klinikum gekommen und hatte hier seit 2014 die Position des Ärztlichen Direktors inne. Von seinen zahlreichen Aufgabenfeldern – insgesamt 17, wie am Mittwoch betont wurde –, seien ihm die Personalentwicklung, das Qualitätsmanagement und die medizinische Strategieentwicklung besonders wichtig gewesen.
Immer kompromissbereit
„Du warst und bist ein Vorbild“, lobte Pflegedirektorin Kerstin Wittmann. Unter seiner Leitung sei es gelungen, dass alle Berufsgruppen am Klinikum gut und effizient zusammenarbeiten würden, fand sie. Die Pflegedirektorin hob auch seine Kompromissbereitschaft hervor, wenn es darum ging, etwas erreichen zu wollen. „Mach’s gut Harry“, meinte sie abschließend. Dr. Harald Hollnberger wird von Freunden kurz Harry genannt.
Mir ist klar, dass wir alle für unseren Erfolg oft unsere Komfortzone verlassen mussten, aber dadurch konnten wir gemeinsam auch Ziele verwirklichen, die vorher als nicht erreichbar erschienen.Dr. Harald Hollnberger in seiner Abschiedsrede bei der Feststunde am Mittwoch im Amberger Rathaus
Vor allem das Onkologische Zentrum hat er als Administrativer Leiter geprägt. Dabei sei die Integrative Onkologie sein „Baby“ gewesen, das er „aufgebaut und aufgepäppelt“ habe, meinte Klinikvorstand Manfred Wendl. Nach der Geburt habe sein „Baby“ eine schwierige Phase durchlebt, es wollte nicht wachsen und gedeihen. Dank der Fürsprache des damaligen bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek (CSU) hätten sich Unterstützer gefunden. „Nun wächst das Baby“, sagte Wendl.

Von allen Seiten wurde die gute Zusammenarbeit gelobt – nicht nur von den Verantwortlichen des Klinikums. Ambergs OB Michael Cerny (CSU) erklärte, dass Stadt und Klinikum „keine parallelen Welten“ seien, sondern eng zusammenarbeiteten. „Uns allen sollte bewusst sein, dass wir aufs Klinikum und das, was hier jeden Tag geleistet wird, stolz sein können.“ Cerny hob auch die Infoveranstaltungen zu neuen Gesundheits- und Behandlungsthemen im Rathaus hervor. Diese seien wichtig für die Bürger. Gleichzeitig zeige das Klinikum damit, dass es keine „Medizin im Glasturm“ sei.
Eine „unwahrscheinlich hilfsbereite“ Person
Auch Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) hat Dr. Hollnberger als „unwahrscheinlich hilfsbereiten“, offenen und dynamischen Kooperationspartner schätzen gelernt. Zusammen habe man sich Gedanken gemacht, wie die medizinische Versorgung auf dem Land sichergestellt werden könne. „Er denkt nicht nur ans Klinikum, er denkt an die Region“, so Birner. Das Klinikum Amberg ist nicht nur für die Neunburg wichtig, sondern auch für den gesamten Landkreis Schwandorf. Denn jeder fünfte Patient kommt mittlerweile aus dem Nachbarlandkreis.
„Ich würde mir einen Aufbruch der Sektorengrenzen wünschen und endlich einen strukturierten Dialog mit allen Beteiligten“, so Hollnberger in seiner Abschiedsrede. Denn während im Raum Schwandorf das Amberger Klinikum als Partner geschätzt werde, gebe es im Landkreis Amberg-Sulzbach Politiker, die jede Kooperationen ablehnen würden. Eigentlich müsse man miteinander reden, denn die Probleme im Gesundheitswesen ließen sich nur gemeinsam lösen, betonte Hollnberger auf Nachfrage.
Alle haben dasselbe Trikot
Die harten Fronten aufzubrechen und bestehende Parallelstrukturen abzubauen, obliegt nun der neuen Ärztlichen Direktorin Dr. Ramona König. In den vergangenen zwei Monaten konnte sich die 39-Jährige bereits in ihre Aufgabe einarbeiten. Als FC Bayern-Fan halte sie es wie die Münchner: „Mia san mia“. Nicht der Einzelne, sondern nur als Team sei man stark. Visionen für ein Klinikum würden nichts bringen, wenn man sie nicht gemeinsam umsetze, meinte Dr. König. „Im Krankenhaus haben alle dasselbe Trikot“, betonte sie.
Die Arbeit ihres Vorgänger werde sie fortsetzen, versprach die 39-Jährige. Das Klinikum werde so gut aufgestellt, um den Patienten die bestmögliche Versorgung zu bieten. Man werde „auch mal harte Niederlagen“ haben, aber zusammenhalten und als Team handeln, erklärte sie.
Hollnberger gab seiner Nachfolgerin mit auf den Weg, beharrlich zu bleiben und ihren eigenen Stil zu prägen. Sie sei nun die Ärztliche Direktorin eines „hervorragenden Klinikum mit hervorragenden Menschen“. Er selbst verabschiedet sich nicht ganz von der Medizin. Künftig will er in einer Anästhesiepraxis in Regensburg tätig sein.