Debatte um Kliniken: Kreistag verteidigt Landrat Richard Reisinger gegen Attacke aus Amberg

Von Gerhard Spies · 9. Dezember 2025 um 17:00

Es war laut Medien ein Generalangriff auf den Landrat, was sich da vor rund drei Wochen im Amberger Hauptausschuss zum Thema Krankenhäuser abgespielt hatte. „Wir sind transparent, der Landrat ist das nicht“, soll als Kritik gegenüber Richard Reisinger (CSU) gefallen sein. Prompt gab es jetzt im Kreistag die Gegenattacke, aus allen politischen Lagern, mit nur einer Ausnahme.

Die Botschaft, die der Kreistag bei der Sitzung am Montag an die Stadt Amberg und den Amberger Stadtrat senden wollte, war eindeutig: Beim Thema Krankenhäuser steht eine geschlossene Front hinter Landrat Richard Reisinger, über alle Parteigrenzen hinweg. Wer bei den Redebeiträgen aber genau hinhörte, konnte auch eine Stimme wahrnehmen, die ein Ende der Konfrontation und mehr Zusammenarbeit wünschte.

Zunächst brachte aber Roland Ganzmann, der Geschäftsführer des St. Anna Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg, das Gremium mit seinem Geschäftsbericht auf den neuesten Stand, unterstützt vom Ärztlichen Direktor Dr. Klaus Nester. „Wie geht es dem St. Anna Krankenhaus?“ Diese Frage beantwortete Ganzmann mit vielen Fakten und Zahlen, nicht nur vom vergangenen Jahr, sondern auch aktuell über 2025 und dem Ausblick auf 2026.

Kosten steigen weiter

„Unsere Ausstattung ist so gut wie nie zuvor. Unser Personal ist uns treu, wir haben alle Stellen besetzt“, zählt Ganzmann die positiven Fakten auf. Um rund ein Drittel sei seit 2015 der Personalstand gewachsen. Die Personalkosten seien aber das Problem. „Sie schmelzen unsere Erlöse nahezu ganz ab“, sagt er. Die klaffende Lücke zwischen den Kosten und den Erlösen sei seit 2019 kontinuierlich gestiegen. „Jedes Jahr ging die Schere weiter auseinander“.

Erst 2024 habe man es endlich geschafft, den Abstand zwischen Kosten und Erlösen nicht größer werden zu lassen, erklärte Ganzmann. 6,9 Millionen Euro machte allein 2024 das St. Anna Krankenhaus Verlust. Die gegenwärtige Situation 2025 bezeichnete Ganzmann ebenso wie den Ausblick auf 2026 mit „schwierig“, ohne konkrete Zahlen zu nennen. „Das grundsätzliche Problem ist die Vergütung. Je größer das Haus, desto größer ist auch das Defizit“, sagte er.

Dabei habe das St. Anna-Krankenhaus in den vergangenen Jahren viel in seinen Ausbau investiert. Der zweite Bauabschnitt sei bis Ende des Jahres abgeschlossen, die nagelneue Intensiv-Station fertig. „Wir haben alles andere als einen Investitionsstau“, erklärte Reisinger.

Auf keinen Fall darf man das kleinere von beiden schwächen, sonst funktioniert dieses nicht mehr.Roland Ganzmann, Geschäftsführer des St. Anna Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg

Durch Schließung des Akutbereichs in Auerbach habe man die Intensivstation von neun Betten auf 14 Betten erhöht, besitze jetzt sechs Hauptabteilungen. „Davon können wir aber nichts abgeben, sonst wankt unser Haus“, macht Reisinger unmissverständlich klar. Eine Doppelstruktur müsse ja nicht unbedingt das Aus für ein Krankenhaus bedeuten. „Es ist doch für den Patienten auch gut, wenn Leistungen sowohl in Amberg als auch in Sulzbach-Rosenberg angeboten werden“, ist Reisinger überzeugt. „Wir stehen hinter der ruhigen Hand von Richard Reisinger“, eröffnete Krankenhaus-Verwaltungsrat Dr. Martin Pöllath (FDP/FWS) den Reigen der Solidaritätsbekundungen. Eine Kooperation mit Amberg sei aus seiner Sicht schon denkbar, löse aber das grundsätzliche Problem der Unterfinanzierung nicht. Dabei gebe es ja in einigen Bereichen sehr wohl eine Kooperation. Ganzmann nannte beispielsweise den Kindernotdienst und die Apothekenversorgung. „Wir leiten auch Notfälle nach Amberg weiter, die wir nicht behandeln können. Umgekehrt leitet aber Amberg null Patienten weiter“, kritisiert er.

Keine Ein-Mann-Show

SPD-Kreisrat Winfried Franz schlug gar vor, eine Resolution zu verfassen mit dem Inhalt, dass der Kreistag von diesem eingeschlagenen Weg nicht abrücken wolle. Kastls Bürgermeister Stefan Braun (CSU), seit 2008 im Verwaltungsrat des St. Anna Krankenhauses, kritisierte Aussagen aus dem Amberger Stadtrat: „Die Person des Landrats wird an den Pranger gestellt. Es ist aber nicht eine Ein-Mann-Show. Fast einhundert Prozent der Beschlüsse des Verwaltungsrats erfolgten einstimmig“, lautet seine Kritik an Äußerungen Amberger Stadträte.

Einzig MdL Dr. Harald Schwartz (CSU) wollte moderatere Töne gegenüber dem Amberger Stadtrat im Kreistag. „Wir tun uns einen Bärendienst mit dieser Kritik. Wir müssen überlegen, welche Signale wir setzen. Ich warne davor, das auf die Spitze zu treiben“, versuchte er die Wogen zu glätten.

„Die Entscheidung, ob wir in der Region ein oder zwei Krankenhäuser brauchen, ist eine politische Entscheidung und muss in München getroffen werden“, ist Ganzmann überzeugt. Wenn es aber weiter zwei Krankenhäuser gebe, dürfe man nicht, so Ganzmann, eines davon ausbluten. „Auf keinen Fall darf man das kleinere von beiden schwächen, sonst funktioniert dieses nicht mehr“, befürchtet er. Der Geschäftsführer des Sulzbacher Krankenhauses blickt wie alle seine Kollegen auf das zweite Halbjahr 2026. „Dann werden nämlich die Leistungsgruppen zugeteilt. Dann wissen wir, was wir ab dem 1. Januar 2027 tun dürfen und was nicht mehr.“