Keilberger fürchten neues Baugebiet am Stadtrand von Regensburg

Die Chefin des Regensburger Stadtplanungsamts stellte in Keilberg die neue Planung für das Baugebiet am Hollerweg vor. Das hatte für viel Ärger gesorgt, weil die Stadt viel investierte in ein Grundstück, das sich als nicht bebaubares Biotop herausstellte. Hinzu kam nun die Kritik von Bürgern: Was die Stadt plane, passe so gar nicht in den dörflich geprägten Ortsteil.
Beim neuen Baugebiet am Keilberger Hollerweg fängt die Stadt gerade wieder von vorn an, zumindest was die Bürgerbeteiligung betrifft. Nachdem sich ein städtischer Grundstücks-Zukauf als ökologisch wertvolles, aber nicht bebaubares Biotop entpuppte, musste sie umplanen. Was die Stadtplanung jetzt dort oben vorhat, hat Amtschefin Tanja Flemmig am Mittwochabend interessierten Bürgern im dortigen Sportheim präsentiert – und viel Unmut abbekommen. Wohnblöcke passten nicht ins dörfliche Keilberg, kritisierten Bürger – und die schmalen Straßen am Berg seien jetzt schon überlastet.
Circa 325 zusätzliche Einwohner soll Keilberg bekommen, wenn auf den circa 7,3 Hektar am Hollerweg gebaut wird. Flemmig sagte: „Es werden dort Wohnflächen entstehen, soziale Infrastruktur, natürlich auch Grünflächen.“ Konkret ist ein Kindergarten geplant. Neben Reihen- und Doppelhäusern soll es auch Mehrfamilienhäuser geben.
Magerrasen soll weitgehend frei bleiben
Seit 2021 läuft das Bebauungsplanverfahren für das Areal am nördlichen Stadtrand. Später kamen Grundstücke dazu, darunter auch der Sandmagerrasen, der aber erst 2025 entdeckt wurde. „Das hat uns natürlich ein bisschen vor Herausforderungen gestellt, weil einfach in den Bereich reinbauen ist aufgrund der Wertigkeit der Grünflächen nicht möglich“, so Flemmig vor circa 50 Bürgern im Sportheim und etwa 15 im Online-Chat. Der Sandmagerrasen werde „im Wesentlichen frei gehalten“, nur ein Fußweg verlaufe dort eventuell.
Flemmig hatte noch gar nicht gesagt, wie hoch die Wohnhäuser werden sollen, da kritisierte schon ein Bürger: „Mein Eindruck ist, weil Sie das Biotop auf der Südseite nicht bebauen können, wird jetzt einfach extrem verdichtet. Es kommen jetzt Wohnblocks hin“, so Thomas Riker (65). Er fragte, ob sich das Biotop verlegen und das Gebiet eher ländlicher bebauen lasse. „Das ist schon eine sehr städtische Bebauung, die passt überhaupt nicht nach Keilberg“, kritisierte Riker. Dort gebe es Ein- und Zweifamilienhäuser, Doppelhäuser. Nun sollten dreistöckige Gebäude kommen, sehr viele davon seien groß, sie seien sehr nah beieinander.
Bürger kritisieren „massive Abweichung vom Ortsbild“
Stefan Trummer (46), der in der kleinen Siedlung am Hollerweg wohnt, legte nach. „Das ist eine massive Abweichung vom Ortsbild.“ Es kämen Riegel-Bauten an den Ortsrand. Trummer fragte: „Muss hier eine Stadtplanung am Dorf stattfinden?“ Innerstädtisch gebe es genug Freiflächen. „Wir wollen eine familiäre Struktur haben. Und nicht Königswiesen 2.0.“ Weitere Bürger monierten, warum nicht zuerst die Leerstände in Keilberg gefüllt oder 40 Jahre alte andere Pläne verwirklicht würden.
Flemmig erwiderte, an dem alten Verfahren zur Umlegung von Grundstücken zur Schaffung von Wohnbauland sei nicht nur die Stadt beteiligt und bereits jetzt gebe es nicht nur Einfamilienhäuser in Keilberg. Schon vor dem Biotop-Fund habe sich ihr Amt gefragt: „Wie kann man heute noch im Sinne des Flächensparens vernünftig reagieren auf die nach wie vor sehr stark bestehende Anfrage nach Wohnungen?“ Sie und ihre Mitarbeiter seien der Meinung, dass drei Stockwerke verträglich seien.
Mehrere Bürger verliehen ihrer Sorge Ausdruck, wie die schmalen Straßen am Berg zusätzlichen Verkehr bewältigen sollen. Helene Gallasch (71) fragte in Bezug auf die Hauptstraße: „Wie wollen Sie denn da die ganzen Baufahrzeuge raufbringen?“ Schon jetzt kämen zwei Autos nicht aneinander vorbei, geschweige denn Busse, hieß es. Unter anderem Carl Englert (61) fragte, wie die Hintere Keilbergstraße weitere 200 Autos aufnehmen solle. Sie habe nicht einmal einen Gehweg. Flemmig sagte: „Wir würden versuchen, das Baugebiet mit der bestehenden Erschließung anzubinden.“ Wenn es schon jetzt ein Problem gebe, müsse das im Zuge einer anderen Maßnahme gelöst werden.