Nach Biotop-Debakel: Das plant die Stadt Regensburg für das Baugebiet am Keilberg

Von Juliana Ried · 12. November 2025 um 05:00

Vier Monate ist es her, dass die Stadt öffentlich einen Grundstücks-Fehlkauf am Keilberg einräumen musste. Statt mehr Platz für Wohnungen erwarb sie am Hollerweg ökologisch wertvollen Sandmagerrasen, den sie jetzt aussparen muss bei der Planung des Wohngebiets an der Stadtgrenze. Wie dort dennoch 325 Einwohner Platz finden sollen – zuvor rechnete die Stadt mit knapp 400 – hat am Dienstag Planungsamtschefin Tanja Flemmig den Stadträten des Planungsausschusses erklärt.

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Inzwischen ist das Baugebiet 7,3 Hektar groß. Der Großteil gehört der Stadt, ein kleinerer Teil einem Unternehmen, das sich dem seit 2021 laufenden Bebauungsplanverfahren der Stadt angeschlossen hatte. Als es 2024 auf die Zielgerade einbiegen sollte, kam ein Biotop-Fund dazwischen. Die Stadt hatte das betreffende 2,3-Hektar-Grundstück erworben, ohne das Umweltamt, das den ökologischen Wert erkennen hätte können, hinzuziehen.

66 Prozent Sandmagerrasen

Nun steht fest: Die Fläche ist zu 66 Prozent von Sandmagerrasen bewachsen. Die Stadt will sie nur noch für einen Fußweg nutzen. Weitere Biotop-Flächen im Nordosten des Baugebiets waren von Anfang an bekannt. Der Rest muss jetzt dichter bebaut werden als zunächst beabsichtigt. Im Südosten sieht die Stadt jetzt bis zu dreistöckige Riegel mit Wohnungen, Doppelhäuser sowie eine Kita vor. Im Nordwesten soll Platz sein für Doppel-, Reihen, Ein- und Mehrfamilienhäuser, aber auch für drei dreistöckige Gebäude mit Wohnungen. Die Stadt plante mit der 40-Prozent-Quote für geförderten Wohnungsbau. „Neben einer großen Mischung an verschiedenen Gebäudetypen soll es auch ein breites Angebot an Wohnungsgrößen geben, um so ein gut durchmischtes, für alle Sozial- und Altersgruppen attraktives Quartier zu schaffen“, verspricht sie.

Letztlich stimmten fast alle Stadträte dem Grundsatzbeschluss zu, mit dem das Bebauungsplanverfahren neu aufgerollt wird. Weit auseinandergingen allerdings die Bewertungen des Fehlkaufs. Während SPD-Stadtrat Klaus Rappert anmerkte, die Stadt sei bei der Sache „nicht unbedingt vom Glück verfolgt“ gewesen, nannte sie CSU-Fraktionschef Michael Lehner ein „Desaster“. Grünen-Fraktionschefin Maria Simon regte zwar an, „mehr in die Höhe zu gehen“, das befürwortete neben den Grünen aber nur BSW-Stadträtin Irmgard Freihoffer. CSU-Fraktionschef Lehner deutete an, höhere Häuser passten nicht in die Gegend. „Es ist trotzdem Keilberg. Und nicht Königswiesen-Süd.“ Als gute Lösung würdigte Brücke-Fraktionschef Thomas Thurow den Entwurf. „Man kann mit dem dreigeschossigen Wohnungsbau im Ortsbild gut umgehen.“ Nur ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner sprach sich gegen die Planung aus, „weil sich das im Außenbereich befindet und wir nicht glauben, dass man hier erweitern muss“. SPD-Stadtrat Rappert betonte, die Verwaltung habe jetzt schnell gearbeitet. Das zeige, „dass es eine ganz gute Idee war“, das Baugebiet nicht aufzusplitten. Das hatten CSU und Brücke zunächst gefordert, um das private Vorhaben von Dr. Rosenkranz und Ehrenreich Immobilien zu beschleunigen, den Antrag dann aber zurückgezogen.

Investor Thomas Rosenkranz betonte vor der Sitzung, weitere Verzögerungen dürfe es nicht geben. „Die Zielsetzung muss sein, dass nächstes Jahr Baurecht vorliegt.“

Es gab Entwürfe mit Hochhäusern

Planungsamtschefin Flemmig erklärte, hingezogen habe sich das Verfahren nicht nur wegen des Sandmagerrasen-Funds, der die Stadt ein knappes halbes Jahr gekostet habe. Das Areal an der Grenze zu Wenzenbach sei „in sich nicht leicht zu beplanen“, etwa wegen der Erschließung. Die angepeilte Bewohnerzahl von 400 habe die Stadt schon vor der Biotop-Sache etwas reduzieren müssen, wegen einzuplanender Ausgleichsflächen. Was die Höhe angehe, so habe es in ihrem Amt auch Entwürfe mit drei Hochhäusern gegeben. Man habe sich aber für maximal drei Geschosse entschieden. „Das war für uns das Maß, wo wir gesagt haben, das ist verträglich.“ Möglicherweise lasse sich die Bewohnerzahl noch erhöhen.

Wie viel der Fehlkauf die Stadt kostet, war auch am Dienstag nicht zu erfahren. „Ob und in welcher Höhe ein Schaden entstanden ist, kann erst nach Abschluss des Verfahrens gesagt werden“, so beantwortete Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra eine Anfrage der MZ. Im Juli war von Grunderwerbskosten von circa sechs Millionen Euro die Rede.