Nach Biotop-Debakel am Regensburger Keilberg: Wann wird gebaut?

Dass die Stadt Regensburg am Keilberg Bauerwartungsland mit einem vermeintlichen Wert von mehreren Millionen Euro kaufte und dafür ein nicht bebaubares Biotop bekam, ist seit Juli bekannt. Dass es für das Problem aus Sicht der Stadt auch keine schnelle Teil-Lösung gibt, wurde am Mittwochabend im Planungsausschuss deutlich.
CSU und Brücke hatten zunächst beantragt, dass ein am Keilberg aktiver privater Investor unabhängig von dem städtischen Vorhaben – das sich wegen des Biotops verzögert – am Hollerweg Wohnungen und Häuser bauen darf. Davon riet jedoch die Planungsamtschefin ab, und die beiden Fraktionen vertagten ihren Antrag. Sie hatten gefordert, das Bauleitplanverfahren für das private Projekt separat fortzuführen, um es zu beschleunigen.
Investor plant Häuser für Familien
„Die Schaffung von Baurecht für den Investor kann einen substanziellen Beitrag zur kurzfristigen Deckung des weiterhin steigenden Wohnraumbedarfs in Regensburg leisten“, schrieben die beiden Fraktionschefs Michael Lehner (CSU) und Thomas Thurow (Brücke) in ihrem Antrag. Das Bebauungskonzept der Firma Ehrenreich Projektentwicklung sehe derzeit elf Reihenhäuser, zwei Einfamilienhäuser, zwölf Doppelhaushälften und circa 30 Wohnungen vor.
Dass möglichst bald die Weichen dafür gestellt werden, hatten Lehner und Thurow bereits im Juli gefordert, ebenso wie Hans Holler (SPD). Nun sagte Lehner: „Da wollen wir Druck reinbringen, weil das Projekt mich ohne Ende ärgert.“ Brücke-Fraktionschef Thomas Thurow erklärte im Ausschuss: „Uns treibt einfach die Sorge, dass damit auch der restliche Teil dieser Fläche einer zeitlichen Verzögerung unterliegt, die vielleicht auch nicht hinnehmbar ist.“ Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) versicherte: „Das ist auch uns ein Anliegen, dass wir da vorankommen.“ Kürzlich hatte sie erklärt, ob und in welcher Höhe der Stadt ein finanzieller Schaden entstanden sei, werde noch „konkret bestimmt“. Sicher ist, dass die Stadt künftig das Thema Biotop in ihren Prüfprozess beim Grundstückskauf aufnehmen will. Im Keilberger Fall hatte sie zunächst keinen Umweltexperten hinzugezogen.
Was den Antrag von CSU und Brücke angeht, sprach sich Planungsamtschefin Tanja Flemmig am Mittwochabend dafür aus, „dass es ein Bebauungsplan bleibt“, das private Vorhaben also nicht separat von dem städtischen behandelt wird. Das bringe keine Zeitersparnis. „Wahrscheinlich würd’s länger dauern“, so Flemmig. Sie sei auch gegen eine Aufsplittung, weil die Stadt für das Investorenprojekt allein nie einen Bebauungsplan aufgestellt hätte. Das würde eine Splittersiedlung verfestigen. Außerdem wäre die Erschließung schwierig, weil der Hollerweg an den Landkreis angrenzt. Für das gesamte Gebiet allerdings ließen sich Lösungen finden. „Wir sind mit dem Investor auch im Austausch.“ Diesem sei daran gelegen, dass er zügig in die Umsetzung gehen könne, wenn der Bebauungsplan Rechtskraft erlange. Das Unternehmen äußerte sich aktuell nicht zu dem Vorhaben; der zuständige Projektentwickler sei im Urlaub.
Bebauung wird aus Platzgründen „ein bisschen gestapelt“
Flemmig sagte, sie wolle dem Planungsausschuss am 11. November ein Bebauungskonzept und einen Zeitplan für den Hollerweg vorlegen. CSU-Fraktionschef Lehner rief ihr daraufhin zu: „Dann vertagen wir den Antrag in den November.“
Im Juli hatte Flemmig erklärt, die Stadt wolle auf den bebaubaren Gebieten mehr Wohnungen zulassen, um das „Minus“ an möglichen Einwohnern wegen des Sandmagerrasen-Biotops auf 40 bis 80 von einmal vorgesehenen 400 zu reduzieren. Am Mittwochabend verriet sie nur, dass die Bebauung „ein bisschen in die Höhe gestapelt“ werde, aber so, dass es zu dem dörflich geprägten Viertel passe. Die Stadt plant bereits seit 2021, am Hollerweg ein Baugebiet auszuweisen. 2023 erweiterte sie das Gebiet auf circa sieben Hektar – unter anderem um das 2,3 Hektar große Grundstück, das sich nun zum großen Teil als ökologisch besonders wertvoll herausstellte.